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"Eine Stimmung wie bei der WM"

Alles hat Licht und Schatten, nur der Hessentag in Oberursel nicht – glaubt man Heinrich Kaletsch, der für die hessische Staatskanzlei seit 1988 das große Landesfest managt. Ist das wirklich so? TZ-Redakteur Andreas Burger hat zur Halbzeit des Oberurseler Hessentags gefragt und einen geradezu euphorischen Macher erlebt.
Heinrich Kaletsch im Gespräch mit TZ-Redakteur Andreas Burger. Heinrich Kaletsch im Gespräch mit TZ-Redakteur Andreas Burger.

KALETSCH: Es ist ohne Übertreibung einer der schönsten Hessentage, seit es dieses Fest gibt.

Woran machen Sie das fest?

KALETSCH: Ich bin selbst ununterbrochen in Oberursel unterwegs, besuche alle Konzerte, rede mit den Besuchern – und bisher war die Resonanz durchweg positiv. Man kann diesen Hessentag von der Stimmung sehr wohl mit der letzten Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland vergleichen. Die Besucherzahlen unterstreichen dies.

Gutes Stichwort: Wo stehen wir?

KALETSCH: Bis Pfingstmontag bei 640 000 Gästen, mit den Besuchern am Dienstag weit über 700 000.

Nun haben wir den Hessentag gelobt, es gibt aber auch negative Stimmen. Zu laut, viele Schlägereien, schlecht organisiert, Probleme im öffentlichen Nahverkehr . . .

KALETSCH: Ich staune. Natürlich gibt es immer Probleme, wenn viele Menschen auf kleinem Raum aufeinandertreffen. Aber räumen wir doch mal mit Halbwahrheiten auf. Beim Just-White-Konzert waren nie mehr als 30 000 Personen in der Arena – rund 20 000 mussten außen vor bleiben und feierten vor dem Gelände. Kein Sicherheitskonzept hat versagt, der ÖPNV hat hervorragend funktioniert und reagiert – um 2.30 Uhr standen nur noch wenige an den Haltestellen. Es gab keine Sicherheitsprobleme auf dem Hessentag, und wenn eine Bahn zu spät kommt, hat dies einen Grund – wie etwa die U 3, die von einem Betrunkenen aufgehalten wurde. Aber noch einmal: Ohne Probleme geht’s bei diesen Menschenmassen nicht über die Bühne.

Bleiben wir bei Problemen: Mit Blick auf den schrecklichen Luftschiff-Unfall – ist es noch zeitgemäß, dass die Bundeswehr mit Hubschraubern dicht über den Hessentag donnert?

KALETSCH: Keine Frage, diese Flüge könnten überdacht oder verlegt werden. Die Besucher sind diesen Dingen gegenüber kritischer geworden.

Bleiben wir auch bei der Kritik und nennen kurz die Preise. Manche Familie mit Kindern überlegt sich, ob jeder eine Wurst bekommt. Wäre denn eine Art sozialer Hessentags-Pass mit Ermäßigung denkbar?

KALETSCH: Zum einen sind die Preise nicht zu hoch. Zum anderen bietet dieser Hessentag 1000 Veranstaltungen, davon nur 30 kostenpflichtige. Ich würde mit meiner Familie auch Kaffee und Brote einpacken und die vielen kostenfreien Angebote genießen. Ob Kinderland, "Natur auf der Spur" oder bei der Frankfurter Neuen Presse – es gibt viel kostenfrei zu erleben. Aber dennoch könnte man über einen solchen Pass mit Ermäßigungen für finanziell schwächer gestellte Familien nachdenken.

Ist denn ein Hessentag überhaupt noch zeitgemäß? Er kostet Stadt und Land viel Geld, dient er überhaupt noch der Integration der Hessen?

KALETSCH: Aber natürlich, wenngleich sich Inhalte änderten. Unter Georg-August Zinn stand noch das Brauchtum im Vordergrund, heute müssen Angebote für alle Altersstufen und Gruppen im Programm stehen.

Ist Oberursel schon das Beispiel für den künftigen Event-Hessentag?

KALETSCH: Wenn Event Vielseitigkeit heißt, ja. Aber Brauchtum und Moderne sind hier hervorragend gemixt. Und große Konzerte, auf die Sie anspielen, gab es bei allen Hessentagen.

Lassen Sie uns als Lokalpatrioten mal konkret fragen: Ist dies ein besonderer Hessentag?

KALETSCH: Ohne Wenn und Aber: Ja. Eine solch wunderschöne Stimmung habe ich noch nicht erlebt. Und die Stadt sowie alle Organisatoren haben ausgezeichnete Arbeit geleistet. Für diesen wie für alle Hessentage gilt: Menschen kann man nicht planen. Überall reagieren sie anders, in Oberursel mit einer mediterranen Leichtigkeit.

Sie besuchen alle Konzerte, Hand aufs Herz: Wo gehen Sie gerne hin?

KALETSCH (schmunzelt): Bryan Adams. Meine Generation. Aber ein Hessentag ist auch eine Chance, Neues kennenzulernen und auszuprobieren.

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