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Fahrgäste werben für Ausbau

Von Die S-Bahn-Linie der S6 von Frankfurt nach Bad Vilbel, Karben und Friedberg muss dringender denn je ausgebaut werden. Das fordert der Fahrgastverband Pro Bahn und Bus – und stellt sich damit Ausbaugegnern entgegen.

Jürgen Lerch ist sauer. Stocksauer. Nicht nur, dass er Tag für Tag in Zügen sitzt, die durch die südliche Wetterau bummeln oder mit Verspätung unterwegs sind. Nein, ihn nervt vor allem, dass Anwohner den aus seiner Sicht lange überfälligen Ausbau der Main-Weser-Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Friedberg immer und immer wieder torpedieren.

Angesichts seiner alltäglichen Fahrten von Butzbach nach Frankfurt hat Lerch über die Jahre begonnen, sich im Verband Pro Bahn und Bus Hessen ehrenamtlich für Fahrgastbelange zu engagieren. Keinesfalls will er falsch verstanden werden: "Jeder Bürger hat das Recht auf größtmöglichen Schutz und geringstmögliche Beeinträchtigung bei Verkehrsprojekten."

Horrorszenario bedenklich

Dennoch geht er mit dem Frankfurter Aktionsbündnis "Bahnausbau nur anwohnerkonform, naturverträglich, erschütterungsfrei" ("Bahnane") hart ins Gericht: "Mit großteils fadenscheinigen Argumenten" versuche es, den Ausbau der S-Bahn-Strecke zu blockieren, beklagt Jürgen Lerch.

Das Aktionsbündnis sagt: Die Bahn wolle die Strecke "zur Güterzugmagistrale" ausbauen. Mehr Lärm und Erschütterungen drohten. "Die S 6 wird nicht pünktlicher und nicht häufiger fahren", erklärt Vorsitzende Andrea Volkwein – als "Richtigstellung" auf die Reaktion von Bad Vilbels Erstem Stadtrat Jörg Frank (CDU) auf neue Forderungen nach dem Ausbau-Stopp.

 

"Es ist nicht in Ordnung, wenn sich Einzelne nach dem Sankt-Florians-Prinzip gegen den notwendigen Ausbau wehren und der Allgemeinheit damit schaden", kritisiert Andreas Christopher von Pro Bahn aus Frankfurt. Es sei "bedenklich", wie die Gegner Angst erzeugten: "Den Horrorszenarien glaubt die Bevölkerung", seufzt Christopher, kaum jemand könne ja die Situation einschätzen. Vor allem werde die Zahl der Güterzüge nicht massiv zunehmen, erklärt Lerch: "Woher sollen die denn kommen?" Dazu verweist der fachliche Koordinator des Aktionsbündnisses, Michael Hub, auf eine Studie des Umweltbundesamtes: ",Damit die Strecke Transporte von der Rheinschiene aufnehmen kann, muss sie an mehreren Stellen aufgewertet werden. […] Besonders wichtig ist der drei-, gegebenenfalls viergleisige Ausbau zwischen Wetzlar, Gießen und Friedberg."

Dieser Ausbau nördlich von Friedberg sei aber gar nicht mehr aktuell, erläutert Jürgen Lerch. Die zweigleisige Strecke bis Gießen bleibe dauerhaft Flaschenhals. Nördlich davon, Richtung Hagen, sei die Ruhr-Sieg-Strecke derart gebirgig, dass sie sich für schwere Güterzüge ohnehin nicht eigne. "Deshalb sind die Ausbaupläne dort längst wieder aus dem Bundesverkehrswegeplan herausgeflogen."

Nach dem Ausbau seien Regionalzüge und S-Bahnen schneller unterwegs, erläutert Jürgen Lerch – wenn auch vielleicht nicht öfter oder pünktlicher. Das aber liege nur daran, dass Verspätungen als Zeitpuffer heute "schon in die Fahrpläne eingearbeitet" seien: So variiere die Fahrzeit zwischen Friedberg und Frankfurt zwischen 17 und 26 Minuten.

"Immerhin kommt so der Zug ,pünktlich‘ im Frankfurter Hauptbahnhof an", erklärt Lerch, damit Fahrgäste ihre Anschlüsse erreichen. Betroffen ist auch die S 6: In ihren Fahrplan sei am Westbahnhof ein Verspätungspuffer eingebaut, eine Wartezeit von zwei bis sechs Minuten. Alle anderen S-Bahnen "fahren sofort weiter".

Bevölkerung verängstigt

Nicht nur einen klaren 15-Minuten-Takt und mehr Fahrten zwischen Groß-Karben und Friedberg will der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) künftig anbieten. Auch sollten mehr Regionalzüge fahren, so der RMV. Mit mehr als 50 000 Fahrgästen pro Tag ist die Strecke eine der beiden am stärksten frequentierten im Rhein-Main-Gebiet. "Mehr Fahrten sind nur mit dem Ausbau möglich", erläutert Lerch.

Und dann ist da noch der Lärmschutz: Den gebe es nur mit dem Ausbau, hatte Stadtrat Frank erinnert (die FNP berichtete). Dem widerspricht Koordinator Hub: "Die Lärmschutzwände stehen nur deshalb noch nicht, weil die Planung zum Streckenausbau dies verhindert hat." Eine "Lärmsanierung" sei bereits geplant gewesen. Aber: Ein unabhängiger Gutachter der Wetterauer S6-Kommunen hatte schon vor eineinhalb Jahren erläutert, dass diese "Sanierung" den Lärm erheblich weniger reduziere als der umfangreichere Schutz beim Streckenausbau.

Auch künftig längere Fahrzeiten für die Wetterauer seien Folgen des Verhaltens des Bürgerbündnisses, ärgert sich Christopher. "Eine Minderheit ängstigt Bürger mit falschen Argumenten."

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