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«Gnade», «Gottesdienst» und «Heiligen»

Heute befasst sich Bruder Paulus mit den Begriffen «Gnade», «Gottesdienst» und «Heiligen».
Zum Gottesdienst an Heilig Abend finden sich besonders viele Menschen zum Gottesdienst ein. Foto: Marcel Mettelsiefen (dpa) Zum Gottesdienst an Heilig Abend finden sich besonders viele Menschen zum Gottesdienst ein.

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Gnade: Dieses Wort kommt oft vor im christlichen Gottesdienst. Man versteht es nur, wenn man seine griechischen Wurzeln kennt: Charis. Daraus ist das Lehnwort «Charisma» geworden: Das hat einer, der Menschen gut ansprechen kann, oder seine Aufgabe begnadet (!) gut erfüllt. Ob das Wort «charmant» mit «Charisma» zu tun hat, ist fraglich; doch meint «Gnade» genau das: die Fähigkeit eines Menschen, ehrlich, höflich, diskret, einladend, reizvoll zu sein. Wenn also von der Gnade die Rede ist, die Gott schenkt, darf man das nicht zuerst so hören, etwa: Gott ist von oben herab gnädig, im Sinn von: kein strenger Richter. Sondern: Gott ist werbend, zugewandt, zärtlich, umgarnend. Damit steht das Wort «Gnade» für ein Gottesbild der Freiheit. Niemand muss glauben; aber mit Hilfe der Gnade macht es Gott dem Menschen leichter, es mit ihm zu probieren. Wenn der Engel zu Maria laut dem Evangelium nach Lukas sagt: Du bist voll der Gnade! heißt dies: Gott hat sich dir voll zugewandt.

Gottesdienst: Die meisten meinen: Im Gottesdienst dienen wir Gott. Es meint aber auch: Gott dient darin den Menschen. Es bezeichnet die Versammlung von Christen unter dem Wort Gottes. Deshalb ist bei evangelischen Christen die ansprechende Predigt so wichtig. Je nach Landeskirche besinnt man sich darauf, dass der Gottesdienst eine ansprechende Form haben muss. So hat man ein «Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst» geschaffen.

In der katholischen Welt findet sich das Wort «Gottesdienst» eher fürs Private: Wenn einer allein oder in der Familie betet, ist das ein Hausgottesdienst. Als Katholik versammelt man sich zur «Feier der Liturgie», etwa zur Eucharistiefeier, zur «Feier der Trauung» oder zur «Feier des Begräbnisses» (nicht: Trauerfeier). Dabei meint «Feier» weniger ausgelassen «etwas» feiern, sondern mehr gläubig «jemanden» feiern: Gott, wie er treu ist und sich immer neu zu essen gibt (Eucharistie), der in der Ehe seine Liebeskraft bezeugen will, der uns beim Tod eines Menschen an die glückliche Auferstehung Jesu Christi von den Toten erinnert. Wem dieser Gott nicht bekannt ist, dem müssen solche Feiern naturgemäß recht fremd sein, oder gar langweilig.

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Heilig: Alle Kulturen kennen heilige Plätze, Bäume, usw.: Sie sind dem normalen Umgang entzogen. Auf einem heiligen Platz darf man nicht Handel treiben, bestimmte Bäume dürfen nicht gefällt werden. Auch im Privaten gibt es selbst bei denen, die sich nicht religiös nennen, heilige Zeiten oder auch heilige Gegenstände: Einen Geburtstag darf man nicht vergessen. Man wird zornig, wenn einem das Auto zerkratzt wird. Letzteres hat besonders deutlich mit dem Eigentumsgedanken zu tun: Was mir gehört, das darf keiner ohne meine Erlaubnis antasten. Religiöse Menschen denken ähnlich, allerdings in Bezug auf die heiligen Orte oder Gegenstände: Sie sind Gott vorbehalten; wer sie respektiert, ehrt Gott. Für Christen ist Jesus «Der Heilige». Durch seine Menschwerdung hat Gott die ganze Welt geheiligt, sprich: Er wollte sie nicht verlieren. Kirchen, Kreuze, religiöse Zeichen haben für Christen deswegen keinen unbestimmten Zauber. Sie gelten nur deswegen als heilig, weil sie auf die Gegenwart des auferstandenen Heiligen Jesus hinweisen.

Heilige: Für die Bibel sind alle Getauften heilig. Sie wurden bei der Taufe in Jesu Tod und die Auferstehung eingetaucht und tragen das Ewige Leben in sich. Sie können nicht mehr wirklich sterben. Und weil das so ist – so lautet der Anspruch – werden sie Jesus aus ihrem Leben heraus handeln lassen. Das gelingt aber den meisten nur wenig. Die von der katholischen Kirche als Heilige anerkannten Menschen sind besonders leuchtende Beispiele für die Wirksamkeit des einzigen wirklich Heiligen, Jesus. Sie müssen sich diesen Titel nicht verdienen. Sie haben einfach getan, was ihnen aus der Stimme ihres Herzens als Auftrag von Gott klar wurde. Wichtig: Sie haben sich mit anderen von der Kirche besprochen, um einen Irrtum zu vermeiden – was nicht in jedem Fall gelungen ist.

Ihre «Leistung» ist es, sich von ihrer Berufung nicht abbringen zu lassen. Weil sie offensichtlich einen guten Draht zu Jesus hatten, können sie wie gute Freunde gebeten werden, ein gutes Wort einzulegen bei Gott. Auf keinen Fall werden sie angebetet, auch nicht Maria, die Gottesmutter.

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