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Gutachter gibt Okay zum Ausbau

Von In Details wird die Bahn zwar wohl noch nacharbeiten müssen, in Gänze aber scheint sie beim Lärm- und Erschütterungsschutz für den S6-Ausbau korrekt geplant zu haben. Das bescheinigt ein unabhängiger Experte. Viele Anwohner bleiben skeptisch.
Ein Zug der S 6 fährt von Frankfurt her an der Endstation Groß-Karben ein. Nach dem Ausbau sollen die Züge in der Hauptverkehrszeit bis Friedberg im 15-Minuten-Takt durchfahren. 	Fotos: Dennis Pfeiffer-Goldmann Bilder > Ein Zug der S 6 fährt von Frankfurt her an der Endstation Groß-Karben ein. Nach dem Ausbau sollen die Züge in der Hauptverkehrszeit bis Friedberg im 15-Minuten-Takt durchfahren. Fotos: Dennis Pfeiffer-Goldmann

Es ist der Moment, den Ingrid Rohde seit Jahren herbeisehnt. Im Bürgerzentrum erklärt Sachverständiger Gerke Hoppmann vor gut 50 Bürgern und Politikern, wie er die Planungen der Bahn für den Lärm- und Erschütterungsschutz zum S 6-Ausbau in Karben und der Wetterau einschätzt.

Dass die Lärmschutzwände absorbierend gebaut werden sollen, damit sie den Schall schlucken, fordert er unter anderem. Und dass berücksichtigt werden müsse, dass ihre Rückseiten den Schall ebenfalls reflektieren – so wie am Straßberg in Okarben, wo Ingrid Rohde direkt neben Bahn und B 3 wohnt.

Dort, schlägt Hoppmann vor, solle man die Lärmschutzwand am besten gleich westlich der B 3 bauen. Also direkt am Grundstück der Rohdes. Was andere erschrecken würde, zaubert Ingrid Rohde ein erfreutes Lächeln aufs gesamte Gesicht. "Das könnten wir schön begrünen", sagt sie zu ihrem Mann. "Und wir hätten endlich Ruhe."

Für alle wird‘s leiser

Für die Gesamtplanung der Bahn, die im Auftrag des Landes zwei zusätzliche Gleise plant, fällt das Urteil des Fachmanns positiv aus: "Die Ergebnisse kann man bestätigen", sagt Gerke Hoppmann.

Er hat im Namen der Kommunen Bad Vilbel, Karben, Wöllstadt und Friedberg die Planungen überprüft. Eine Reihe von Anregungen hat er dennoch, zweifelt die eine oder andere Einschätzung der Planer an. "Das werden wir uns anschauen", sagt Lärmschutzplanerin Heike Kaiser. Als Stellungnahme der Kommunen wird die Bahn diese Kritikpunkte schriftlich erhalten.

Dann kann sie ihre Pläne überarbeiten oder beim Erörterungstermin noch einmal im Detail mit den Betroffenen besprechen – wohl im kommenden Frühjahr. "Wir sind keine Fundamentalgegner", sagt Karbens Bürgermeister Guido Rahn (CDU). "Aber wir müssen die Interessen unserer Bürger vertreten."

Gegner: Input ist falsch

Diesen Bürgern und Politikern erklärt "ihr" Gutachter, ein langgedienter Lärm- und Erschütterungsgutachter sowie Sachverständiger aus Garbsen bei Hannover, auch die großen Vorteile: "Der Ausbau bietet die Chance zu sehr umfänglichem Schallschutz."

Mit seinen strengen Grenzwerten sei der Lärmschutz bei einem Ausbau erheblich besser als bei einer freiwilligen Lärmsanierung. Dass von heute 1800 von Lärm Betroffenen künftig 1600 Ruhe haben werden – solche Werte bestätigt er.

Den Bürgern nimmt Hoppmann auch ein paar Hoffnungen: So seien transparente Lärmschutzwände zwar oft wünschenswert, etwa aus städtebaulichen Gründen oder wegen des Schattenwurfs auf Gärten und Häuser. "Aber transparente Wände absorbieren den Schall nicht." Sinnvoller sei es, die Wände zu gestalten oder zu begrünen.



Auch geht Hoppmann davon aus, dass kaum Wohnungen tatsächlich passiven Schallschutz bekämen, sprich: neue Fenster. Denn in 90 Prozent der betroffenen Wohnungen seien in der Regel bereits mehrfach verglaste Fenster eingebaut, damit die Schutzwirkung bereits vorhanden. Immerhin: Beim Erschütterungsschutz sei die Planung der Bahn sehr großzügig zugunsten der Anwohner ausgefallen.

Grundlegende Kritik formuliert Michael Hub vom Aktionsbündnis "Bahn-Ausbau nur anwohnerkonform naturverträglich erschütterungsfrei": Er geißelt, dass Experte Hoppmann keine eigenen Daten erhoben hat. "Wenn der Input schon nicht stimmt, stimmen die Ergebnisse auch nicht."

Der Fachmann bestätigt zwar, dass er nur beauftragt ist, die Planungen zu überprüfen. Dafür urteilt er: "Die Zahlen sind korrekt." Und die Grunddaten lägen fest: Zugmengen und Geschwindigkeiten nennt der Bundesverkehrswegeplan für 2025 – ganz unabhängig davon, ob die Strecke ausgebaut werde oder nicht.

Reaktionen: Bericht folgt

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