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Hier gibt es fast alles

Von Mit dem Offenbacher Wochenmarkt beginnen wir unsere Serie über derartige Einrichtungen in der Region. Er gehört zu den größten und besticht durch seine schöne Lage auf dem Wilhelmsplatz, umringt von Straßencafés in Gründerzeithäusern.
Blumen gefällig? Auf dem Offenbacher Markt gibt es sie auch zu bunten Sträußen gebunden. Das Einkaufsangebot ist nahezu komplett. Foto: Spillner Blumen gefällig? Auf dem Offenbacher Markt gibt es sie auch zu bunten Sträußen gebunden. Das Einkaufsangebot ist nahezu komplett. Foto: Spillner
Offenbach.  «Warum werden die Kartoffeln eigentlich immer teurer?», wettert Günther Grober aus Heusenstamm. Heute müsse er für ein Kilo so viel bezahlen wie früher für zehn, wirft er dem Verkäufer an den Kopf. Doch Günter Buxmann bleibt gelassen: «Heute kostet ja auch ein Traktor 50 000 Euro, und ich zahle hier allein 10 000 Euro Standgebühr im Jahr», erklärt er dem Kunden geduldig.

In Offenbach habe die Kundschaft ihren eigenen Charme, scherzt der Landwirt, der seit 30 Jahren einen Stand auf dem Wilhelmsplatz hat. «Sie meckern zwar mal, kommen aber trotzdem wieder», freut sich Buxmann über seine treuen Stammkunden, die «sogar bei Regen» bei ihm einkaufen.

Sein Erfolgsrezept: «Man muss auf die Kunden eingehen. Wenn einer ein Kilo dicke Karotten für irgendetwas braucht, dann kriegt er die einzeln ausgelesen», erklärt der Verkäufer. Und man müsse ein Gefühl dafür haben, was die Kunden wünschen. «Mein Opa hat früher drei Sorten Kartoffeln gehabt, ich biete mindestens acht Sorten an.» Und weil es mit jedem Jahrgang, der wegsterbe, weniger Kartoffel-Esser gebe, habe er vor drei Jahren zusätzlich Erdbeeren ins Programm genommen.

Ulrich Kratz aus dem Stadtteil Bieber weiß die große Auswahl an den zahlreichen Ständen zu schätzen. Er komme aber vor allem wegen der sehr schönen Atmosphäre auf den Offenbacher Wochenmarkt. Besonders gut gefällt ihm das «geschlossene Bild» der Gründerzeitfassaden. In der Tat ist der Wilhelmsplatz weit über die Stadtgrenzen hinaus für sein hübsches Ambiente bekannt.

«Der Offenbacher Markt ist mit 70 bis 80 Händlern einer der größten im ganzen Rhein-Main-Gebiet», informiert Holger Wotke, Erster Vorsitzender des Vereins der Offenbacher Marktbeschicker. Vergünstigt parken können die Kunden im nahe gelegenen Parkhaus Frey in der Waldstraße.

Viele Einheimische halten den Markt für das schönste in ihrer Stadt, und selbst Lästerer aus Frankfurt und Umgebung, die sonst nur Spott für die Nachbarstadt übrig haben, kaufen gerne mal dort ihr Obst und Gemüse ein.

Doch es gibt noch mehr. Hühnersuppe im Glas, Eierlikör und asiatischen Klebreis gibt es hier ebenso zu kaufen wie frischen Hasenrücken und Hausmacher Wurst. Und wer den Korb und die Nase voll vom Einkaufen hat, der kann sich anschließend in einem der umliegenden Cafés entspannen – bei schönem Wetter auch im Freien.

Dass man jetzt auch überall draußen sitzen kann, gefällt Ulrich Kratz besonders gut. Das sei früher nicht so gewesen. Er könne sich sogar noch an die Zeit erinnern, als die Mainfischer noch direkt ihre Fische auf dem Markt verkauft hätten. Und als Ende der 50er Jahre die ersten ausländischen Produkte angeboten worden seien, habe ein Händler ein Schild mit der Aufschrift «Oberschienen» in sein lila Gemüse gestellt, buchstabiert er schmunzelnd.

Was ihm allerdings nicht so gut gefällt, ist die neue Anordnung der Stände, seit der Platz neu gepflastert ist. «Da muss man seine Händler erst suchen», erzählt er und meint: «Aber daran werden wir uns schon noch gewöhnen». Holger Wotke hingegen ist froh, dass durch die Umgestaltung des Wilhelmsplatzes, die inzwischen fast abgeschlossen ist, mehr Ordnung auf dem Platz herrscht. Unterschiedlich farbiges Pflaster markiere genau, wo man stehen darf und wo nicht. Dienstags, freitags und samstags wird in Offenbach von 8 bis 14 Uhr gehandelt, im Sommer geht’s sogar noch eine halbe Stunde früher los.

Seit 1902 bieten die Händler hier ihre Waren an. Im 1911 errichteten Marktwärterhäuschen, das einst als Unterstand für den Marktmeister errichtet worden war, lassen sich die Kunden heute kulinarisch verwöhnen und beobachten das bunte Treiben auf dem Marktplatz.

Michael Lehning aus Bruchköbel verkauft selbst gezüchtete Blumen und hat ohnehin eine ganz eigene Theorie, warum die Kunden auf den Offenbacher Markt kommen: «Die wollen ein bisschen babbeln».

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