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Interview: «Das Einkaufen wird zum Erlebnis»

Für die einen ist es Kult, für die anderen pure Zeitverschwendung. Der Marketing-Experte Frederik Meyer von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz weiß viel über die Motivation der Menschen, die auf dem Wochenmarkt einkaufen.
Mainz. 

Mit Einkaufswagen und Auto vor der Tür kauft es sich im Supermarkt viel bequemer ein. Warum gehen die Leute trotzdem auf den Markt?

Frederik Meyer Bild-Zoom
Frederik Meyer
FREDERIK MEYER: Das Hauptargument ist die Frische der Produkte. Wichtig ist auch der regionale Bezug. Während es im Supermarkt Apfelsinen aus Spanien und Tomaten aus Holland gibt, wird auf dem Markt Obst und Gemüse aus der Nachbarschaft angeboten. Die Zurückbesinnung auf die eigene Herkunft und die Region ist im Marketing insgesamt ein starkes Thema. Und dann ist da noch das Einkaufserlebnis: Die im Vergleich zum Laden besseren Vergleichsmöglichkeiten sind attraktiv. Nicht zu vergessen der soziale Faktor. Man kann Bekannte treffen und am Weinstand ein Gläschen zusammen trinken.

Welche Zielgruppe sprechen die Direktvermarkter an?

MEYER: Junge Leute haben oft das Vorurteil, es seien hauptsächlich Ältere, die auf den Markt gehen. Ich bin aber selbst überrascht, wie viele junge Menschen auf Märkten einkaufen. Die Jungen schwimmen meist auf der Wellness-Welle und wollen gute, gesunde Sachen kaufen. Für die Älteren steht das Erlebnis stärker im Mittelpunkt, beim Einkaufen Nachbarn und Bekannte zu treffen. Eigentlich gibt es aber keine spezielle Zielgruppe, für die der Markt nicht interessant wäre.

Gibt es auch Argumente, die gegen einen Marktbummel sprechen?

MEYER: Ja, der Markt hat ein teures Image, obwohl das nicht immer so ist. Wer stark aufs Geld achten muss, geht trotzdem lieber in den Supermarkt. Und man braucht definitiv mehr Zeit zum Einkaufen.

Spielt der Preis auch für finanzkräftigere Kunden eine Rolle?

MEYER: Die meisten Marktbesucher haben eine höhere Zahlungsbereitschaft. Sie kennen auch oft gar keine Vergleichspreise. Für uns Marketingforscher ist noch das Phänomen interessant, dass die Kunden auf dem Markt oft mehr kaufen als sie brauchen, weil die Stände ja nicht jeden Tag geöffnet sind und der Bedarf daher schwer abzuschätzen ist.

Interview: Christiane Warnecke

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