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Kunst in luftiger Höhe

Fünf Kunstwerke sind während des Hessentags im Rushmoor-Park entstanden. Nun hat die Jury die Qual der Wahl.
Voll konzentriert: Robert Kommraus befestigte das Mobilé "Bewegte Arbeit" in luftiger Höhe.	Foto: Sajak Bilder > Voll konzentriert: Robert Kommraus befestigte das Mobilé "Bewegte Arbeit" in luftiger Höhe. Foto: Sajak

Die Motorsäge frisst sich langsam durch das Holz. Feine Holzspäne fliegen durch die Luft. Dann eine kurze Pause: Langsam geht Sieglinde Gros um ihre Figurengruppen zum Thema "Das menschliche Schaffen" aus Edelkastanie herum, begutachtet das Ergebnis – und setzt die Säge erneut an.

Auch Regine Hawellek ist noch am Feilen, genauer gesagt am Raspeln. "Herr Müller ist nicht zu Haus" lautet der Titel ihrer Arbeit, die beim Bildhauersymposium "StadtZeichen 2011" im Rushmoor-Park entsteht. Zum Thema des Wettbewerbs – "Vom Kupferhammer zur Zimmersmühle" – will sie deutlich machen, dass die meisten Mühlräder heute still stehen oder nur noch aus denkmalpflegerischen Gründen in Gang gehalten werden. Mitunter erobert sich die Natur die Mühlen wieder zurück, wie Regine Hawelleks Skulptur zeigt. Aus dem dicken Eichenstamm, den die Künstlerin bearbeitet hat, wächst ein neuer Baum – direkt neben einer einstigen Mühle. Ob er sich an das Haus lehnt oder es gar auffrisst – das liegt im Auge des Betrachters. Auf jeden Fall müssen sich die beiden auf der kleinen Fläche, die ihnen die Künstlerin zugestanden hat, arrangieren. Was Regine Hawellek fasziniert, ist der Gegensatz der geraden Flächen des Hauses, die für das Denken des Menschen stehen, mit den weichen Formen des Baumes.

Nicht weit von ihr entfernt ist Jean-Claude Escoulin gerade dabei, Zahnräder, Kolben und Propeller, mit Leinölfirnis einzupinseln. Mit seiner Arbeit "Die Verkettung der Zeiten" greift er die Gewerbehistorie der Stadt auf.

"Ich verstehe kein Deutsch", meint er lächelnd zu einem Besucher. Die Liebe zum Material Holz und die Liebe zu einer deutschen Frau habe ihn zu dieser Veranstaltung gebracht, erläutert Dr. Martin H. Schmidt, Kurator des Bildhauersymposiums, das erstmals 2009 ausgerichtet wurde.

Damals hatten vor allem Künstler aus Oberursel im Rushmoor-Park gearbeitet. Diesmal sind es – mit Ausnahme von Escoulin, der aber in Kürze nach Frankfurt ziehen will – hessische Holzbildhauerinnen. Für 2013 plant Schmidt eine bundesweite Ausschreibung, 2015 dann eine europaweite. "Dann würden wir mit Oberursels Partnerstädten arbeiten."

Doch zunächst einmal gilt es, die Preisträger des diesjährigen Symposiums zu küren. Am heutigen Samstag (11 Uhr) werden die Namen der Gewinner auf der Süwag-Bühne im Weindorf bekannt gegeben. Anschließend bleiben die Werke der fünf Künstler für zwei Jahre als Leihgabe in der Stadt.

Annette Dietrichs "Bewegte Arbeit" beispielsweise wird in luftiger Höhe zu sehen sein. Das Mobilé mit seinen fünf Symbolen – Hammer, Ähre, Mühlstein, Zahnrad und Mehlsäcke – hat seit Freitag seinen festen Platz in den Bäumen hinter der Christuskirche. Dank Robert Kommraus, der das Kunstwerk dort fest verankert hat. Beim Schnitzen der Symbole aus Lärchenholz habe sie auf die Fernwirkung achten müssen, sagt Annette Dietrich.

Wie die übrigen Künstler freut sich die Holzbildhauerin über das große Interesse des Publikums an den Arbeiten und dessen fachbezogene Fragen. "Die Besucher sind sehr aufgeschlossen", sagt auch Ortrud Sturm. Und Dank der Tafeln, auf denen Kunstinteressierte nachlesen können, welche Werke im Rushmoor-Park entstehen, sei man auch nicht ständig in Erklärungsnot, wie die Holzbildhauerin lächelnd ergänzt.

Die 42 Kuben, die sie in einen Lindenstamm gesägt hat, stehen für die 42 Mühlen, die es einst am Urselbach zwischen Hohemark und Heddernheim gab. Das Holz für ihre Arbeit "Alles fließt" stamme übrigens von einem Baum an der Grundschule Mitte, der vor kurzem habe gefällt werden müssen, sagt Kurator Schmidt.

Die Skulptur soll noch weiß gefasst werden und dann wegen des empfindlichen Holzes in einem Raum ausgestellt werden. "So wird der Baum weiterleben."

Zur gleichen Assoziation kommt Besucher Horst Albrecht aus Burgholzhausen beim Betrachten der Arbeit von Sieglinde Gros: "Ich finde das faszinierend. Holz ist ein Teil unsers Lebens. Hier wird es wieder zum Leben erweckt." mj

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