Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Landesausstellung im Abseits

Von Die Landesausstellung gilt als Herzstück des Hessentages und als Besuchermagnet. In Oberursel sind jedoch viele Aussteller unzufrieden, weil zu wenige Kunden vorbeikommen. Die Organisatoren hingegen sprechen von einer "optimalen Besucherfrequenz".
Die Betten in der Ausstellung werden gerne für ein Päuschen genutzt. Käufer sind jedoch rar. Die Betten in der Ausstellung werden gerne für ein Päuschen genutzt. Käufer sind jedoch rar.

Einen Schnaps aus der Region verkosten oder ein leckeres Eis schlecken, das am Stand in Minutenschnelle zusammengemixt wird – das gefällt vielen Hessentagsbesuchern. Um solche Angebote bilden sich schnell Trauben von Menschen. Doch Matratzen, Ledersofas und Gartenstühle werden eher zum Ausruhen genutzt, als dass sie bei Besuchern Kaufinteresse wecken würden.

"Ich mache 25 Messen im Jahr, aber so schwer habe ich es noch nie gehabt, etwas zu verkaufen", klagt Guntram Heblik. Der Gartenmöbelverkäufer meint: "Hessentage sind eben unberechenbar". Ein Hersteller von Deckenverkleidungen hat für den schwachen Umsatz in Oberursel eine Erklärung parat: "Die Ausstellungsfläche hier ist viel zu abgelegen. Es kommen zu wenig Leute vorbei", stellt er fest.

Diese Ansicht teilen viele andere Aussteller. Kaum einer will jedoch mit dieser Aussage namentlich zitiert werden. Ein Anbieter aus Halle 9 bezeichnet die Lage der Landesausstellung als "Ding der Unmöglichkeit". In Langenselbold beispielsweise seien viel mehr Interessenten vorbeigekommen, weil "wir mittendrin waren".

"Zu wenig Leute" zählt auch Eren Sevgi an ihrem Stand. Sie bietet Fruchtsalat, Quarkspeisen und Trockenfrüchte an. "Wir sind zum ersten Mal hier", berichtet ihre Tochter Duygu. Der Aufwand sei aber nicht rentabel. "Es kommen fast nur Spaziergänger", hat sie beobachtet.

Jäger und Sammler

Eine Kosmetikverkäuferin sieht das ähnlich: "Hier sind nur Jäger und Sammler. Sie wollen alles umsonst." Selbst mit super Sonderpreisen und zusätzlichen Geschenken ließe sich kaum einer zum Kauf ihrer Produkte überreden.

Barbara Wagner von der Agentur Mega Event, die mit der Organisation der Ausstellung beauftragt ist, weiß, dass es einige Klagen gibt. "Die meisten Aussteller sind aber sehr zufrieden", sagt sie. Ihre Agentur sei schon zum fünften Mal mit der Organisation der Landesausstellung betraut, und in Oberursel sei die Besucherfrequenz "optimal", betont Wagner. Auch der Standort sei ideal, weil das Gelände direkt an einen großen Parkplatz angrenze und in der Nachbarschaft zu anderen interessanten Angeboten – wie dem der Bundeswehr – liege. "Es ging auch gar nicht anders. Die Ausstellung grenzt direkt an die Bebauung an", ergänzt der stellvertretende Regierungssprecher Rainer Kling.

Zugegebenermaßen sei es aber "etwas beschwerlicher als auf anderen Hessentagen" etwa von "Natur auf der Spur" bis zur Landesausstellung zu kommen, räumt Wagner ein. Die Stadt Oberursel habe sich aber große Mühe gegeben, zum Beispiel mit dem Rikscha-Service.

Zu den Beschwerden der Aussteller erklärt Wagner weiter, überall auf dem Hessentag hingen Banner, um auf die Verkaufsausstellung hinzuweisen. Und jeder Händler sei im Endeffekt selbst dafür verantwortlich, die Kunden an seinen Stand zu locken.

Die von uns befragten Passanten schätzen das umfangreiche Informationsangebot der Ausstellung. Interessierte können Treppenbeschichtungen befühlen, Lederjacken anprobieren und Ledersofas probesitzen. Sie können bei einem Laubsäge-Workshop erproben, wie Weihnachtspyramiden hergestellt werden und Kaminöfen für die kalte Jahreszeit besichtigen. Auch allerlei Küchengeräte und Reinigungsmittel werden vorgeführt. Sogar Brautkleider und Trachten gibt es neben Betten, Fenstern und Beinprothesen zu bestaunen.

Lob für das Konzept

"Ich bin zwar nicht gekommen, um gezielt etwas zu kaufen", erzählt Ilse K. aus Frankfurt. "Ich finde es aber toll, mir hier einen Überblick darüber verschaffen zu können, was es Neues gibt", lobt sie das Konzept.

Reichlich Informationen gibt es auch in den Hallen 1 und 2. Dort präsentiert sich die Landesregierung mit ihren verschiedenen Ministerien. Neben Broschüren, Prospekten, Bonbons und Fähnchen gibt es hier auch illustre Talk-Runden. Parteien, Unternehmen, Vereine, Verbände und Organisationen wie die Arbeiterwohlfahrt oder die Deutsche Bahn haben hier gleichfalls ihre Stände aufgebaut. Besonderer Themenschwerpunkt ist in diesem Jahr die Nachhaltigkeit. So sind Energieeffizienz und E-Mobilität die Leitthemen vieler Präsentationen in einem eigenen Zelt.

"Auch in den kommenden Tagen lohnt es sich, die Landesausstellung zu besuchen", verspricht Barbara Wagner. Egal, ob jemand sich für alternative Energien, Gesundheitstipps, Autos, Reisen oder Haussanierung interessiert – er wird hier fündig werden und auf kompetente Gesprächspartner treffen, wirbt sie und hofft auf regen Andrang am Abschlusswochenende.

Zur Startseite Mehr aus Themen von A bis Z

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz

© 2017 Frankfurter Neue Presse