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Leserfrage zum «Ehrenmord»

Liebe Leser, mit der heutigen Ausgabe endet unser Islam-Abc. Vielen Dank für das Interesse. Die Resonanz war überwältigend, die meisten Leserkommentare waren positiv.

Liebe Leser, mit der heutigen Ausgabe endet unser Islam-Abc. Vielen Dank für das Interesse. Die Resonanz war überwältigend, die meisten Leserkommentare waren positiv. Es gab nur wenig Kritik. Einige Leser dachten, wir wollten ihnen eine Art «Gehirnwäsche» im Sinne des Islam verpassen. Das war keineswegs unsere Absicht. Wir wollten nur über eine Religion aufklären, die täglich die Schlagzeilen bestimmt. Zum Abschluss beantwortet unsere Expertin die Leserfrage, was der sogenannte Ehrenmord mit dem Islam zu tun hat.

EHRENMORD: In streng patriarchalischen Gesellschaften wie der islamisch geprägten hängt die Ehre der gesamten Familie auch immer von dem Verhalten der einzelnen Personen ab. Dies gilt besonders für die weiblichen Mitglieder, deren Ehre es zu bewahren und zu schützen gilt. Wenn diese sich nicht entsprechend der Normen verhalten, geht dies ebenfalls zulasten der Männer in der Familie.

Als Verletzung der Ehre gilt es, wenn eine Frau sich in ihrem Verhalten den für Frauen auferlegten Regeln widersetzt oder auch nur den Willen dazu hat. Von der Verletzung der sexuellen Ehre gilt die ganze Familie als betroffen, aber besonders die Männer, da diese die Verpflichtung haben, die Ehre der Familie zu schützen. Eine Ehrverletzung kann sehr schnell gehen, dabei richtet es sich aber danach, wie streng der Ehrbegriff in der jeweiligen Gesellschaft ausgelegt wird. Oftmals reicht es bereits, wenn die Frau ihren eigenen Willen äußert und den von der Familie vorgeschlagenen Ehemann ablehnt oder verlässt – oder auch nur plant, dieses zu tun. Zur Entehrung der Familie kann eine Frau sogar beitragen, wenn sie selbst an dem Vorgehen keine Schuld trägt, sie beispielsweise vergewaltigt oder entführt wurde. Opfer der Ehrenmorde werden somit in erster Linie Frauen. In seltenen Fällen, wie beispielsweise bei Homosexualität, werden auch Männer zur Wiederherstellung der Familienehre getötet. Ziel eines Ehrenmordes ist nicht in erster Linie die Bestrafung der Person, sondern die Beseitigung des Schandflecks zur Wiederherstellung der Ehre. In der islamischen Rechtsprechung, der Scharia, gibt es keine Basis für den Ehrenmord. Er wird jedoch in einigen islamischen Ländern nur milde oder gar nicht bestraft, da durch diese Art der Abschreckung die weibliche Sexualmoral aufrechterhalten werden soll.

Im Westen bleibt beim Ehrenmord nur die Unterscheidung zwischen Mord und Totschlag, wie bei anderen Tötungsdelikten. Seit einigen Jahren werden diese Fälle jedoch nicht mehr nur als normale Verbrechen behandelt, sondern auch als Verbrechen gegen die Menschenrechte. Vielfach wird versucht, die Ehrenmorde als Selbstmorde oder Unfälle zu vertuschen oder Minderjährige aus der Familie zu diesen Verbrechen anzustiften, da diese mit milderen Strafen rechnen können.

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