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Marktleben in Limburg ist Kult

Von In der zweiten Folge unserer Serie über die schönsten Märkte der Region sind wir heute in Limburg. Nirgendwo anders sind sich Stadt und Stände so nah wie dort.
Der Limburger Wochenmarkt lebt, wie hier auf dem Kornmarkt, auch von seinem Altstadt-Flair und den Straßencafés. Foto: Lormann Der Limburger Wochenmarkt lebt, wie hier auf dem Kornmarkt, auch von seinem Altstadt-Flair und den Straßencafés. Foto: Lormann
Limburg.  Schon morgens um halb Sieben beginnt das Gewusel auf dem Neumarkt. Die Händler bauen ihre Stände auf. Über dem Platz liegt der Duft von Blumen und Gewürzen. Die ersten Sonnenstrahlen wecken langsam die Stadt aus ihrem Schlaf, die ersten Kunden aber stehen schon an. Ein buntes Bild von Blüten, Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln vermittelt südländisches Flair. Vor allem der Wochenmarkt am Samstag ist eine Oase der Behaglichkeit im ansonsten hektischen Alltag.

Zweimal in der Woche, mittwochs und samstags, jeweils von 7 bis 14 Uhr, verkaufen Händler aus der Region ihre Produkte. Samstags, wenn zum Neumarkt noch der Kornmarkt hinzukommt, sind es im Durchschnitt 50 Anbieter.

Der heutige Wochenmarkt in Limburg hat Kult und Tradition. Schon im Limburger Stadtbuch von 1548finden sich umfangreiche Regelungen über das Marktwesen, die Kaufmannschaft, den Weinschank und die Handwerke der Metzger, Tuchmacher, Bäcker und Krämer. Die in Limburg ansässigen Gewerbezweige bildeten bereits im 16. Jahrhundert die wirtschaftliche Grundlage der Stadt. Die Aufsicht des Marktes in der Altstadt führte der Marktmeister. Er überwachte die Regeln des Marktfähnleins. Solange das Fähnlein aufgesteckt war, durfte kein Fremder kaufen, sobald aber das Fähnlein eingeholt war, konnten die Fremden ebenfalls kaufen. Dadurch erhielten die Limburger Bürger ein Vorkaufsrecht. Doch das ist Geschichte. Heute ist Limburg mit rund 35 000 Einwohnern und einem Einzugsgebiet von rund 250 000 Kunden wirtschaftlich abhängig von der Region.

«Qualität und Frische», das sind auf dem Limburger Wochenmarkt die Schlagworte. Ob am Wagen des Fischhändlers, beim Landmetzger oder den Käsehändlern. Schon immer wollen die Kunden wissen, wo Fleisch, Wurst oder Käse herkommen. Daher kaufen sie nicht in Supermärkten, sondern am mobilen Tresen eines Familienbetriebes ein.

Auffallend sind die «Einkaufskorbträger». Es gibt sowohl männliche als auch weibliche. Mit dem Weidenkorb unter dem Arm stöbern sie gerne am Samstagvormittag zwischen hochpreisigen Delikatessen wie der Bücherfreund in einer kostbaren Bibliothek. Sie kaufen nicht viel, aber kritisch. Der Akt der Auswahl wird zelebriert. Gerade bei den «kleinen Dingen» will man anspruchsvoll sein.

Vor dem Café Meloni auf dem Kornmarkt und gegenüber vor dem Batzewert sitzen samstags oft dieselben Besucher. Hinzu kommen das Valentino am Neumarkt, die Cafes Marucci und Bassin, das Weinlokal Villa Vino um die Ecke sowie Cafés und Eissalons an der Bahnhofstraße, der Salzgasse, auf dem Kornmarkt sowie weitere Altstadtlokale und Imbiss-Biergärten. Es gibt kaum eine Gelegenheit, das Herz und die Seele einer Stadt besser kennenzulernen, als nach dem Wochenmarktbummel ein Cafe oder ein Restaurant zu besuchen. Die Besucher sind mittendrin, sie erleben die Stadt. Ob Politiker, Arzt, Handwerker, Beamter, Investment-Banker, Rentner, Hartz-IV-Bezieher, Vereinsmeier, ehrenamtlicher Kulturpapst … sie alle sind samstags hier zu treffen und mit ihnen die Gespräche. Sie sind bedächtig oder auch mal schnell, drehen sich um Nachbarschaftshilfe, politische Kritik oder auch nur Klatsch und Tratsch. Zusammen sind sie Teil des Wunschbildes «dörfliche Gemeinschaft» – mitten im pulsierenden Zentrum der Kreisstadt.

Im Sauseschritt ein Bummel über den Markt. Der Dammwildstand Elisabethenhof fällt mit einem Käsestand auf. Pilze springen auf dem Kornmarkt ins Auge. Der Fisch-Feinkost aus Dudenroth lockt mit Kabeljau, und Meeresfrüchten. Gegenüber gibt es frisches Obst in allen Variationen. Elsbeth Martin hat als Seniorin offenbar eine Marktlücke entdeckt. Seit einem Jahr bietet sie selbst gebackenen Kuchen an. Der samstägliche Marktbummel in der 1100-jährigen Stadt mit dem weltberühmte Dom und der einmaligen mittelalterlichen Altstadt ist auch für die Touristen beim Besuch Limburgs attraktiv. «Mitten im Leben» ist hier Wirklichkeit.

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