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«Mohammed», das Leben des Propheten

Wir erklären Ihnen den Islam: Wie Mohammed zum Propheten wurde, der von seinen Offenbarungen erzählt, um Menschen von seinem neuen Glauben zu überzeugen.

Wir erklären Ihnen den Islam: Wie Mohammed zum Propheten wurde, der von seinen Offenbarungen erzählt, um Menschen von seinem neuen Glauben zu überzeugen.

MOHAMMED: Im Jahr 570 wurde Mohammed in Mekka beim Stamm der Quraisch geboren. Sein Name bedeutet «Der Vielgepriesene». Er war Halbwaise, sein Vater starb bereits vor seiner Geburt. Mohammed wuchs die ersten zwei, drei Jahre seines Lebens in der Wüste bei einem Beduinenstamm auf und wurde hier von einer Amme gestillt, wie es damals üblich war. Als Mohammed sechs Jahre alt ist, stirbt seine Mutter Amina.

Er kommt zunächst zu seinem Großvater. Als auch dieser zwei Jahre später stirbt, hat er keine direkten Verwandten mehr und wird dann von seinem Onkel Abu Talib adoptiert. Dieser ist ein sehr angesehener Kaufmann, und Mohammed hilft ihm zunächst als Hütejunge, dann begleitet er die Karawanen seines Onkel in Arabien. Als junger Mann arbeitet er für die reiche verwitwete Geschäftsfrau Chadidscha. Nachdem er, da er arm und besitzlos ist, schon länger als üblich unverheiratet geblieben ist, heiratet er im Alter von ca. 25 Jahren die wesentlich ältere Chadidscha. Nach der Hochzeit im Jahr 594 lernt er in ihrem Clan viele gebildete und fromme Männer kennen. Da seine Frau reich ist, hat er nun keine materiellen Probleme mehr. Seine Sorge ist jedoch, dass Chadidscha ihm keinen Sohn schenkt. Die beiden haben vier Töchter: Zaynab, Ruqayya, Umm Kulthum und Fatima. Die Söhne sterben bereits nach der Geburt oder als Kleinkinder.

Obwohl es als Schande gilt, keinen Sohn zu haben, wählt Mohammed keine weitere Frau, was er aufgrund der damals üblichen Polygamie hätte machen können, sondern er adoptiert zwei Jungen: seinen Vetter Ali, den Sohn seines Onkels Abu Talib, und den Sklaven Zayd. Als Mohammed etwa 40 Jahre alt ist, zieht er sich öfter mal nächtelang in eine Höhle im Hügel Hira in der Nähe von Mekka zurück, um dort zu meditieren. In einer Nacht im Jahr 611 wird er von einem Wesen geweckt, das von einer Wolke aus Licht umgeben ist. Es spricht zu ihm die Worte: «Trage vor im Namen deines Herrn, der erschuf, erschuf den Menschen aus klebrigem Tropfen . . .» (Sure 96).

Zunächst ist er zu Tode erschrocken, erst nach mehreren Offenbarungen glaubt er an seine Berufung. Der Überlieferung nach sind die Offenbarungen für ihn jedes Mal eine beschwerliche Prüfung. Seine Frau Chadidscha ist zunächst die einzige, der er sich anvertraut. Es dauert etwas, bis er zu der Überzeugung gelangt, dass er als Prophet ausersehen ist, als Sprachrohr für Gott. Bis dahin hatte – nach damaliger Auffassung – Gott zwar auch direkt zu den Menschen gesprochen, doch die Gesetze wurden immer von Menschenhand niedergeschrieben. Daher sind für die Moslems die Bibel und die heilige Schrift des Judentums zwar auch Worte Gottes, aber unvollständig und verfälscht. Mohammed soll rezitieren, das Wort Gottes wörtlich wiedergeben. Die mündliche Rezitation vor einer Zuhörerschaft heißt im Arabischen Qur´an, daher kommt der Name Koran für das heilige Buch der Moslems. Die Offenbarungen erhält Mohammed in Arabisch, das fortan damit zur heiligen Sprache wird. Das Prinzip der Botschaft lautet, sich dem allmächtigen Gott zu unterwerfen (das Wort Islam bedeutet «Ergebenheit in den Willen Gottes»). Als Mohammed versucht, die Mitglieder seines Clans zu bekehren, stößt er zunächst auf Ablehnung und Verachtung. Nur seine Frau Chadidscha hält von Anfang an zu ihm und ist eine der ersten Mosleminnen.

Gehör findet er mit seiner neuen Religion dann bei seiner engsten Verwandtschaft, später auch bei Freunden und jungen Leuten aus gutem Hause. Doch neben reichen Leuten treten dann auch immer mehr die unteren Schichten zum Islam über, wie beispielsweise Sklaven. Bei seinem eigenen Stamm, den Quraisch, funktionieren die Bekehrungsversuche nicht. Sein Onkel, Abu Talib, mittlerweile Chef des Clans, bringt nicht den Mut auf, sich von der alten Religion abzuwenden. Viele Zeitgenossen Mohammeds fürchten, der neue Gott könnte die Ginn und die zu dieser Zeit bereits heilige Kaaba nicht dulden und die Pilgerreisen abschaffen.

Daher wird er zunächst angefeindet und als Wahrsager und Hexer beschimpft. Das Leben in Mekka wird für ihn und seine Gefolgsleute immer schwieriger. Das Jahr 619 ist für Mohammed das Jahr der Trauer: erst stirbt seine Frau Chadidscha, zwei Tag später sein Onkel Abu Talib. Dessen Nachfolger als Clanoberhaupt ist ein Gegner Mohammeds und erklärt ihn zum Ausgestoßenen. Er wird somit vogelfrei und kann von jedem getötet werden, ohne die Rache des Clans fürchten zu müssen.

Im Jahr 620 geht Mohammed durch den «Schwur von Aqaba» mit Männern aus Yatrib ein Bündnis ein, das nicht mehr, wie sonstige Bindungen in der arabischen Gesellschaft, auf Vorfahren und Stammbaum beruht, sondern auf einem gemeinsamen Ideal: Die Umma entsteht, die Gemeinschaft der Gläubigen. Im Jahr 622 verlässt Mohammed seine Heimatstadt Mekka, um nach Yatrib auszuwandern. Die Hidschra, (Auswanderung) steht am Anfang der islamischen Zeitrechnung. Yatrib wird zur Stadt des Propheten und erhält den Namen «Al-Medina» (die Stadt).

In Medina wird auch die erste Moschee (Ort, an dem man sich niederwirft) errichtet. Während der ersten Zeit in Medina versucht Mohammed zunächst, auch die Juden zum Islam zu bekehren. Durch Abkommen mit jüdischen und arabischen Stämmen, der «Verfassung von Medina», hat Mohammed nun viel Einfluss. Er ist Oberhaupt der Gläubigen, aber auch Stadtoberhaupt und in dieser Funktion trägt er auch Waffen. Er ist kein Mystiker, kein «Lamm Gottes» wie Jesus, sondern seine religiösen Überzeugungen hängen auch zusammen mit seinen weltlichen Handlungen.

Mohammed und die Aussiedler befinden sich nach kurzer Zeit in einer wirtschaftlichen Misere: ihr mitgebrachtes Geld ist aufgebraucht, Felder bewirtschaften können sie nicht, da sie in Medina keine besitzen. Mohammed besinnt sich auf seine beduinischen Wurzeln und plündert eine Karawane. Eine derartige Razzia verübt er dann als nächstes auf eine Karawane der Quraisch. Diese Schlacht von Badr ist der erste große Sieg des Propheten und der erste Sieg des Islam mit Waffengewalt. Von nun an spricht man nicht mehr von einer Razzia, sondern vom Dschihad. Obwohl dieser eigentlich der Verteidigung des Islam dienen soll, wird er hier auch zum Zwecke seiner Ausbreitung benutzt. Er soll jedoch mit einem anderen Prinzip in Einklang stehen: der Toleranz gegenüber den Religionen, «die ein heiliges Buch besitzen», also Christen- und Judentum.

Doch nach einer weiteren Schlacht, in der sich die jüdischen Stämme mit den «Ungläubigen» verbunden hatten, richtet Mohammed ein Massaker unter den jüdischen Stämmen an. Dann pilgert er nach Mekka, versöhnt sich mit seinem Clan und schließt mit den Mekkanern einen Pakt. Im Jahr 630 nutzt er einen Vorwand, um diesen Pakt zu brechen und bricht mit einer Armee gegen Mekka auf. Er marschiert dort ein, geht sieben mal um die Kaaba herum, zerschlägt die Götzenbilder und erklärt den Bereich innerhalb der Mauern für heilig. Damit ist der islamische Staat von Medina zu einer anerkannten Macht geworden und Mohammed unterwirft zahlreiche Beduinenstämme, die christlichen Stämme müssen Tribut an ihn zahlen. Inzwischen ist Mohammed mit neun Frauen verheiratet, die er alle gleich behandelt. Dieses verlangt er auch von den gläubigen Moslems.

Im Jahr 632 stirbt Mohammed in Medina und wird dort in der Prophetenmoschee begraben.

Wir setzen die Serie morgen fort.

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