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Nachbessern wird nötig

Karbens Politik fordert Nachbesserungen im Detail beim Lärmschutz für den Bahn-Ausbau in der Wetterau. Die Gegner bleiben bei Fundamentalkritik, lassen Argumente nicht gelten.

Gerke Hoppmann spricht den Karbenern ins Gewissen: Bei allen Nachteilen, die Lärmschutzwände städtebaulich böten, sei der Ausbau der Main-Weser-Bahn für die Anwohner eine Riesenchance "zu einem umfänglichen Lärmschutz".

Der unabhängige Sachverständige hatte am Mittwoch vor rund 50 Bürgern und Politikern im Bürgerzentrum seine Einschätzungen zu den Bahn-Plänen präsentiert (die FNP berichtete). Er hat diese im Auftrag der Kommunen Bad Vilbel, Karben, Wöllstadt und Friedberg durchleuchtet und fand einige Punkte, die überarbeitet werden müssten.

Zug-Länge irrelevant

Die Reaktionen auf Hoppmanns Ausführungen sind teils kritisch: Michael Hub vom Aktionsbündnis gegen den Ausbau missfällt, dass die Datengrundlage bereits falsch sei. Der Ausbau diene nicht der S-Bahn, sondern dem Güterverkehr, sagt Hub.

So sei auch der Ausbau der folgenden Strecke zwischen Friedberg und Gießen in regionalen Planungen verankert. Falsch seien die Pläne, weil Gesamt-Lärmberechnungen fehlten und die Bahn mit 500 Meter langen Zügen plane, obwohl sie bereits 1000-Meter-Züge vorbereite.

"Die Länge der einzelnen Züge ist für die Lärmberechnung nicht relevant", erläutert Gerke Hoppmann. "Es entsteht gleich viel Lärm, egal ob sie mit einem 4000 Meter langen oder zehn 400 Meter langen Zügen fahren." Gesamt-Lärmberechnungen seien nicht Stand der Technik. Im Bereich der B 3 in Okarben aber, findet der Experte, "drängt es sich auf".


Der Ausbau Friedberg–Gießen werde auf Bundesebene, von wo das Geld komme, nicht einmal längerfristig geplant, erklärt Bahner Diel. "Das ist ein reiner Wunsch", sagt Dieter Eisenberg, Grünen-Fraktionschef aus Niddatal. Das Vorgehen des Aktionsbündnisses gegen den Ausbau hält er für "Panikmache, falsch darstellend".

Lob fürs Gutachten

Karbens SPD sowie die Grünen in Stadt und Kreis unterstreichen, dass sie für den Ausbau seien, wenn der Lärmschutz so gut wie möglich ausfalle. Karbens Bürgermeister Guido Rahn (CDU) hatte das bereits in der Versammlung unterstrichen. "Ich finde das gut, dass sie ein Gegengutachten machen", lobt Klaus Tille aus Dortelweil.

Er vermisst aber ein Gutachten "zur Erforderlichkeit an sich" und vermutet, dass der viergleisige Ausbau zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel genüge, damit S 6 und die Regionalzüge künftig zuverlässiger fahren könnten.

"Dann wird der schnelle Regionalverkehr weiterhin vom langsamen S-Bahn-Verkehr ausgebremst", warnt Jürgen Lerch vom Fahrgastverband Pro Bahn und Bus. Besonders in Friedberg werde die Verspätungssituation dadurch nicht verbessert.

Wie sehr der Lärm nach dem Ausbau zurückgeht, erklärt Bahn-Lärmplanerin Heike Kaiser: in Groß- und Klein-Karben um zwei bis drei Dezibel, in Kloppenheim und am Straßberg um fünf bis zehn. In Okarbens Ortskern soll der Lärm gar um neun bis 15 Dezibel zurückgehen – also um zwei Drittel. dpg

Ausschuss für Stadtplanung, Mittwoch (19. Oktober), 19.30 Uhr, Clubraum 2, Bürgerzentrum

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