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Neue Furcht vor Bahn-Lärm

Von Mit einem guten Jahr Verspätung startet die Bahn am 25. August die Offenlage ihrer Pläne für den Ausbau der Main-Weser-Bahn von Bad Vilbel bis Friedberg. Sie hat ihre Verkehrsprognosen angepasst – und geht nun von deutlich mehr Güterzugverkehr aus.
Kleingärtner Peter Zierz sorgt sich um den Verlust von Parzellen für die Bahnerweiterung. Im Hintergrund zu sehen: Der Tunnel, den der Dortelweiler Ortsbeirat als Zufahrt zum Sportplatz ausbauen möchte. Fotos: dd Bilder > Kleingärtner Peter Zierz sorgt sich um den Verlust von Parzellen für die Bahnerweiterung. Im Hintergrund zu sehen: Der Tunnel, den der Dortelweiler Ortsbeirat als Zufahrt zum Sportplatz ausbauen möchte. Fotos: dd

Bereits von 2012 bis 2016 will das Land die Bahnstrecke ausbauen, damit die S-Bahn künftig auf zwei eigenen Gleisen unabhängig vom übrigen Verkehr rollen kann. Bei einem Gespräch mit Dortelweils Ortsvorsteher Herbert Anders (CDU) befürchten Anlieger steigenden Güterzuglärm und den Verlust von 30 Kleingärten.

Neben dem Gleisbau steht der Umbau der Bahnsteige Bruchenbrücken, Nieder-Wöllstadt, Okarben, Groß-Karben und Dortelweil an. Eigentlich hätte die Offenlage im Herbst 2010 erfolgen sollen, erklärt Anders. Doch die Bahn, die im Auftrag des Landes arbeitet, habe nach den Klagen von Anwohnern in Frankfurt die Verkehrsprognose für 2025 einarbeiten müssen. Bislang arbeitete sie mit den offiziellen Prognosezahlen für 2015.

"Wir wollten eine weitere Informationsveranstaltung, doch die Bahn lehnte ab", zeigt sich Anders enttäuscht. Es gebe nur geringe Veränderungen, wiegelte die Bahn ab. Nun will Anders 120 direkte Anlieger anschreiben: "Jeder, der sich betroffen fühlt, sollte Einwände geltend machen."

Und das sind einige. Bei einem FNP-Gespräch in Anders’ Haus, wenige Meter von der Bahnlinie entfernt, gibt es heftigen Widerspruch Richtung Bahn. "Wir müssen dagegen sein, dass überhaupt gebaut wird", wirft Werner Kraft, ein Nachbar von Anders, ein. Er zitiert aus einem FNP-Artikel, wonach vor allem der Güterverkehr deutlich zunehme. Die S-Bahn sei nur ein Argument, um Steuergelder zu kriegen, spekuliert Kraft.

Bereits im März hat der Ortsvorsteher vom Bauherrenvertreter Klaus Diel von DB Netz die Prognosezahlen für 2025 erhalten. Sie belegen, dass der Ausbau nicht nur für die S-Bahn, sondern auch für den Güterverkehr erfolgt. "Güterzüge, die heute den Großraum Frankfurt über Friedberg, Hanau, Aschaffenburg und Darmstadt umfahren, sollen dann den direkten Weg über die Main-Weser-Bahn in Richtung Heidelberg und Mannheim fahren", schreibt Diel.

Für den Ist-Zustand des Zugverkehrs werden Durchschnittswerte aus dem Fahrplan 2009 im Bereich Kloppenheim genannt. Danach verkehren heute tagsüber 177 und nachts 18 S-Bahnen. 2025 soll es nur eine zusätzliche Fahrt tagsüber geben. Die Regionalzüge nähmen sogar von 102 auf 96 ab. Deutlich zunehmen wird aber der Güterverkehr: Jetzt sind es bereits tags 34 und nachts 37 Züge. 2025 sollen es tags 39 und nachts 52 Züge werden.

Das besorgt die Anwohner. Während etwa die S-Bahnen mit leisem Zischen vorbeigleiten, rumpelten die Güterzüge laut, klagt Kraft. Wenn solch ein Zug vorbeirolle, könne man auf der Terrasse nicht sprechen. Künftig sei dieser Lärm die ganze Nacht zu hören.

Aber es gibt auch Abhilfe, die neue Probleme schafft: drei bis vier Meter hohe Schallschutzwände. In der Abwägung Lärmschutz versus Ortsbildveränderung sei er für den Schallschutz, den es heute gar nicht gebe, betont Anders. Für den neuen barrierefreien Zugang zum Bahnhof wird auch der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) einen Teil seines Grundstücks opfern müssen. Die Lärmschutzwand wird in nur vier Meter Abstand zu einem Haus stehen.

Große Sorgen machen sich vor allem die Kleingärtner. Vorsitzender Peter Zierz rechnet vor, dass 30 der 70 Parzellen entlang der Nidda entfallen. "Eine erhebliche Einbuße an Lebensqualität", klagt er. Da das Gelände der Stadt gehöre, gebe es Klärungsbedarf. Zwar sei schon Ersatzgelände zugesichert worden, doch das müsse erst kultiviert werden. Und wie entschädigt man für eine 20 Jahre alte Gartenhütte? Das seien auch ideelle Werte, erinnert Zierz. Der frühere Allgemeinmediziner glaubt der Bahn nicht, dass sie nur die S-Bahn schneller machen will. Es sei es besser, dem Güterverkehr eine eigenen Trasse entlang der Autobahnen zu bauen, fernab von Ortslagen und Naturschutzgebieten.

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