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Oper ist "schwerfälliger Dampfer"

Ohne ihn läuft an der Oper Frankfurt gar nichts. Und doch bekommt das Publikum Chefdramaturg Norbert Abels (58) nur selten zu sehen. Umso größer war die Spannung auf der FNP-Bühne.
Der Chefdramaturg der Oper Frankfurt Norbert Abels bei der FNP. Der Chefdramaturg der Oper Frankfurt Norbert Abels bei der FNP.

Trotz langer Vorlaufzeiten den wechselnden Wünschen aller seiner Zuschauer gerecht zu werden, betrachtet Abels als Spagat. Im Gespräch mit den Redakteuren Michael Dellith und Ulrich Müller-Braun erklärte er, warum die Maschinerie der Oper Frankfurt trotz moderner Digitaltechnik auf der Bühne immer noch wie ein "schwerfälliger Dampfer" läuft: "International renommierte Opernsänger müssen bis zu fünf Jahre im voraus engagiert werden. Bis das Bühnenbild für ein neues Stück abgestimmt ist, braucht es rund zwei Jahre, bevor eineinhalb Jahre vor der Premiere die ersten Proben beginnen." Da lasse sich nicht mal eben ein Newcomer einschieben.

Und doch spielt die Oper Frankfurt erfolgreich in der obersten Liga Deutschlands mit: Mehr als 200 000 Besucher zählt sie pro Jahr, davon viele aus dem Frankfurter Umland. Rekordverdächtig sind auch die vielen Premieren und Prämierungen des Opernhauses. Giuseppe Verdis "La Traviata" in der Inszenierung von Axel Corti gehört ebenso zu den Erfolgen wie die neue Inszenierung von Marc-Antoine Charpentiers "Médée" von David Hermann. Was aber, wenn bei solchen Höhepunkten die Digitaltechnik streikt? Dann rekrutiert Abels alle verfügbaren Bühnenarbeiter, um die Kulissen und Drehscheiben von Hand zu bewegen – im verborgenen, versteht sich.

"Ein Opernbesuch wird immer noch wie ein festliches Ereignis wahrgenommen." Aber es sei schwierig, alle Wünsche zu berücksichtigen: So starten junge Zuschauer immer später in den Abend durch, während ältere Besucher nach dem Opernbesuch gerne noch stilvoll beim Italiener essen gehen. Derzeit plant Abels die Inszenierungen für 2017 und 2018. Worauf dürfen wir uns freuen? "Natürlich auf die bedeutenden Opern Verdis und Wagners zum 200. Geburtstag. Und auf einige jüngere Komponisten."

Aber auch bei den Barock- und Rokoko-Opern gebe es großen Nachholbedarf. Seine persönlichen Favoriten "Mose und Aaron" (Arnold Schönberg) und "Die Soldaten (Bernd Alois Zimmermann) stellt Abels ebenso zurück wie den eigenen Schlussauftritt auf der Bühne. Ob Abels einmal seine Memoiren schreibt, lässt er noch offen: "Vielleicht im Ruhestand." got

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