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Politiker lieben Hessentage

Sie spielen Fußball, diskutieren mit Bürgern und geben sich volksnah: Auf den Landesfesten erleben die Wähler ihre politischen Vertreter mal anders. Einige testen dort ganz bewusst Beliebtheit und Auftreten.
Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU, r) und seine Ehefrau Ursula (M) bei der Eröffnung des 51. Hessentags in Oberursel neben Charmaine Weisenbach, dem  weiblichen Teil des Hessentagspaares. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU, r) und seine Ehefrau Ursula (M) bei der Eröffnung des 51. Hessentags in Oberursel neben Charmaine Weisenbach, dem weiblichen Teil des Hessentagspaares.

Roland Kochs Auftritte bei den großen Festen der Hessen wirkten selten locker. Der CDU-Politiker, der in seiner Amtszeit so erfolgreich war, nahm nicht gerne "ein Bad in der Menge" und das war ihm oft auch anzumerken. Dementsprechend reserviert begegneten ihm auch die Menschen. Koch hat es übrigens nie geschafft, einen auch nur durchschnittlichen Sympathiewert für einen Ministerpräsidenten zu erreichen.

Dabei gehört die Präsenz auf Hessentagen zu den Pflichten, denen sich ein hiesiger Regierungschef zu stellen hat. In der 50-jährigen Geschichte des Landesfestes ist für die obersten politischen Repräsentanten immer eine tragende Rolle vorgesehen, sei es bei der Eröffnung oder auf dem vordersten Platz auf der Ehrentribüne beim abschließenden Festzug. Das geht nicht immer ganz harmonisch ab. So sah sich der ehemalige Ministerpräsident Walter Wallmann (CDU) einmal einer machtvollen Demonstration von Gewerkschaftern gegenüber, die für eine Anhebung der Tarife der Landesangestellten demonstrierten.

Auch Kritik entlädt sich

Auch SPD-Mann Holger Börner machte bei dieser Gelegenheit einmal ganz überraschend Bekanntschaft mit Atomkraftgegnern, die ihm näher kamen, als seinen Personenschützern lieb sein konnte. Natürlich schlugen auch Roland Koch auf dem Höhepunkt der CDU-Parteispenden-Affäre auf Hessentagen mitunter kritische Rufe aus dem Hintergrund entgegen. Klugerweise ignorierte er deratige Schmährufe.

Bei dessen Nachfolger Volker Bouffier ist vieles anders. Zum einen ist der aktuelle Regierungschef nach rund zweijähriger Amtszeit noch nicht durch Konflikte belastet, zum anderen stellt er sich auch gerne den Gesprächen mit Bürgern. Rund 50 Termine macht Bouffier während der zehn Fest-Tage in Oberursel, ist nach Aussage von Regierungssprecher Michael Bußer dort jeden Tag präsent und tut dieses auch noch gerne. "Man kann auf solchen Festen mit den Menschen einfach unbefangener sprechen als auf Partei- oder Wahlveranstaltungen", so Bußer.

Dass Politiker sich eine derartige Chance nicht entgehen lassen wollen, zumal das Interesse der Menschen an der Politik in dieser Zeit auch noch stark ansteigt, ist klar. Die öffentlichen Fraktionssitzungen am Dienstag wiesen gute Beteiligungen auf und deswegen verlagern die Landtagsparteien auch zunehmend wichtige Entscheidungen in die Hessentagszeit. So nominierte der SPD-Landesvorstand den Parteivorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel gerade erst auf einer Sitzung in Oberursel offiziell zum Spitzenkandidaten und Herausforderer von Ministerpräsident Bouffier. Dessen Kabinett wird am Freitag öffentlich tagen und danach Beschlüsse bekanntgeben, von denen zumindest einer mit weitreichenden Folgen versehen sein dürfte. Es geht nämlich um die Erweiterung der Lärmschutzgrenzen rund um den Frankfurter Flughafen nach dem Ausbau. Ein mehr als strittiges Thema.

Die Rolle der Frauen

"Wenn wir den Menschen nicht unsere politischen Überzeugungen vermitteln können, dürfen wir auch nicht erwarten, dass sie uns verstehen, sagte SPD-Chef Schäfer-Gümbel am Rande eines Pressetermins auf dem Hessentag. Nach solchen Begegnungen wisse man besser, wie die Argumente ankommen und ob sie auch verstanden werden. Deswegen nutzt auch Schäfer-Gümbel jede Gelegenheit, um sich dort zu präsentieren – oft mit Ehefrau Annette und einer Auswahl von Kindern, von denen es immerhin drei gibt. Familienbindung zu zeigen, ist bei derartigen Anlässen geboten, denn es bringt zusätzliche Sympathie-Werte.

Im Gegensatz zu Ursula Bouffier, die fröhlich die von zahlreichen Medien begleiteten Termine ihres Gatten mit abarbeitet und dabei nicht mal angespannt aussieht, vermeidet Schäfer-Gümbel aber Fotos, die ihn zusammen mit Frau und Kindern zeigen. Das seien Eingriffe in sein Privatleben, an die er sich noch nicht gewöhnen könne, begründet dies der designierte nächste SPD-Spitzenkandidat. Möglicherweise muss er sich von der Vorstellung schon bald verabschieden.

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