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S 6-Ausbau bringt neue Ruhe

Von Sportlich: 2016 soll die S-Bahn-Linie S 6 zwischen Bad Vilbel und Friedberg auf eigenen Gleisen rollen. Wie die Bahn die neuen Gleise bauen will, erklärt sie derzeit in der Wetterau. Von den Anwohnern in Nieder-Wöllstadt erntete sie am Dienstagabend jedoch Skepsis.
Ein Regionalexpress-Zug der Bahn braust durch den Bahnhof: Der Lärm der Bahn soll für die Menschen im ganzen Ort erheblich geringer werden, wenn die Main-Weser-Bahn ausgebaut wird – selbst wenn danach mehr Züge fahren.	Fotos: Dennis Pfeiffer-Goldmann Ein Regionalexpress-Zug der Bahn braust durch den Bahnhof: Der Lärm der Bahn soll für die Menschen im ganzen Ort erheblich geringer werden, wenn die Main-Weser-Bahn ausgebaut wird – selbst wenn danach mehr Züge fahren. Fotos: Dennis Pfeiffer-Goldmann

Sportlich: 2016 soll die S-Bahn-Linie S 6 zwischen Bad Vilbel und Friedberg auf eigenen Gleisen rollen. Wie die Bahn die neuen Gleise bauen will, erklärt sie derzeit in der Wetterau. Von den Anwohnern in Nieder-Wöllstadt erntete sie am Dienstagabend jedoch Skepsis.

Wöllstadt. «Der Lärm ärgert uns sehr.» Erika Wingenfeld steht am riesengroßen Plan, den die Bahner im Bürgerhaus Nieder-Wöllstadt auf mehrere Stellwände gehängt haben. Sie zeigt auf ihr Haus, direkt am Bahndamm gelegen. Dieser ist mit vier statt heute zwei Gleisen viel breiter eingezeichnet.

Dass zwar die Fernbahngleise hohe Lärmschutzwände bekommen sollen, nicht aber die der S-Bahn, haben Erika und ihr Mann Karlfred Wingenfeld gerade von den Planern der Bahn erfahren. «Das ist doch Kleinkrämerei», findet er. Wenigstens eine niedrige Lärmschutzwand mache Sinn. «So wird das im Leben nicht ruhiger als heute.»

Leiser für 1600 Wohnungen

Solche Skepsis schlägt den Planern der Bahn-Tochter DB Netze an diesem Abend massiv entgegen – wie schon öfter. Aus Furcht vor mehr Lärm bremsten Anwohner in Frankfurt den Streckenausbau dort bereits über Jahre hinweg aus.

Auch die 200 Wöllstädter interessiert das Thema Lärm am meisten. Die Planer bemühen sich, Vor- und Nachteile des Ausbaus zu erläutern. Lärmschutzplanerin Heike Kaiser erklärt «Grenzüberschreitungen» und «Abwägung zwischen Kosten und Schutz». Über Planfeststellungsverfahren, Rechtsbehelfsbelehrungen, das Verwaltungsverfahrensgesetz spricht Norbert Wolf von DB Netze. «Das ist», räumt er ein, «vielleicht etwas kompliziert.»

Doch die zentralen Informationen schimmern heraus: Nur die zweigleisige Fernbahnstrecke soll in Nieder-Wöllstadt mit Lärmschutzwänden versehen werden, erklärt Heike Kaiser. Sie werden bis zu vier Meter hoch, 1,7 Kilometer lang.

Die beiden westlichen Gleise, auf denen exklusiv die S-Bahn fährt, bekommen keinen Schallschutz. Weil die Personen- und Güterzüge auf den Fernbahngleisen die «Übeltäter» seien, die viel Lärm erzeugten, nicht die S-Bahn. Anwohner Karlfred Wingenfeld nickt zustimmend.

Mit dem Ausbau werde es in Wöllstadt ruhiger: Bisher dröhnt jede Nacht Bahnlärm in 1785 Wohnungen lauter als zulässig. Die Bahn muss allerdings nichts tun, weil die Strecke als Bestand gilt.

«Mit dem Ausbau wird es für 1600 Wohnungen leiser», berichtet Heike Kaiser. Und die 177 Wohnungen, in denen nach dem Bau der Schutzwände noch Grenzwerte überschritten werden, hätten Anspruch auf Schallschutzfenster und schallgeschützte Lüftungen.

«In ganz Nieder-Wöllstadt wird es um mindestens drei Dezibel spürbar leiser sein», erklärt die Fachfrau vom unabhängigen Planungsbüro. Das höre sich an, als ob die Menge der Züge halbiert werde. In den westlich der Strecke gelegenen Wohnlagen nehme der Lärm sogar um bis zu zehn Dezibel ab.

Ohne Ausbau kein Schutz

Wie das funktioniert, obwohl die Zahl der Züge steigen soll, erschließt sich vielen Zuhörern nicht. Die Fachleute berufen sich auf «Prognosen des Bundesverkehrswegeplans», auf deren Basis sie planen müssten. Dieser sehe eine Zunahme von 258 auf 307 Züge von 2009 bis 2015 vor, erklärt Heike Kaiser. Und er sehe 14 Güterzüge mehr als heute in jeder Nacht vor, erklärt Klaus Diel von DB Netz. «Es kommt mir vor, als würde hier nur für den Güterverkehr ausgebaut», ruft eine Frau aus dem Publikum.

Was wirklich auf die Wetterauer zukommt, klingt bei den Experten in Nebensätzen heraus: Die Prognose des Verkehrswegeplans entspreche nicht mehr der Realität. Das mache es fürs Land als Bauherrn teurer, für die Anwohner.

Denn die Planer müssten laut Verkehrswegeplan mehr Güterverkehr nachts in ihre Berechnungen berücksichtigen, als dieser tatsächlich 2015 unterwegs sein werde, erklärt Projektteamleiter Norbert Wolf. Das ergaben Zählungen, wonach schon heute weniger Güterzüge nachts fahren als vor Jahren für die heutige Zeit prognostiziert.

Nachts sind die Lärmgrenzwerte jedoch erheblich schärfer, müssen die Anwohner daher besser geschützt werden. «Mehr prognostizierter Verkehr nachts treibt also die Kosten für den Lärmschutz in die Höhe», sagt Norbert Wolf.

Das stimmt Wöllstadts Bürgermeister Alfons Götz (CDU) froh: «Mit dem Ausbau wird es in ganz Wöllstadt leiser.» Zwar gebe es «bei vier, fünf Grundstücken einen gewaltigen Eingriff». Das aber sei besser als die «allerschlechteste» Lösung: «Wenn nicht gebaut wird, gibt es auch keinen Lärmschutz.»

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