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Sie machen gegen die Bahn mobil

Seit fast zehn Jahren wehrt sich die Bürgerinitiative «2 statt 4» gegen den Ausbau der Main-Weser-Bahnstrecke. Mit neuen Mitstreitern soll nun auch neuer Schwung in den Protest kommen. Zum Beispiel mit einer Demo am 2. November.
Städteübergreifende Zusammenarbeit: Klaus Funk, Sprecher der Bürgerinitiative «2 statt 4», und Jan Wagner von «Taunusside». Foto: Martin Weis Städteübergreifende Zusammenarbeit: Klaus Funk, Sprecher der Bürgerinitiative «2 statt 4», und Jan Wagner von «Taunusside». Foto: Martin Weis

Seit fast zehn Jahren wehrt sich die Bürgerinitiative «2 statt 4» gegen den Ausbau der Main-Weser-Bahnstrecke. Mit neuen Mitstreitern soll nun auch neuer Schwung in den Protest kommen. Zum Beispiel mit einer Demo am 2. November.

Eschersheim. Die Demonstrationen gegen Stuttgart 21 mit Tausenden von Menschen zeigen es deutlich: «Die Bürger wehren sich gegen Bahn-Projekte, die konzeptionell und finanziell schlecht geplant sind», sagt Klaus Funk, Vertreter der Bürgerinitiative «2 statt 4». Auch in Frankfurt versammeln sich am 2. November Bürger vor dem Römer, um gegen den Bahnstrecken-Ausbau zwischen Frankfurt West und Friedberg zu protestieren.

Güterverkehr gewinnt

Klaus Funk und Jan Wagner haben eigentlich gar nichts gegen die S-Bahn. Das wirkliche Problem beim Ausbau der Main-Weser-Bahnstrecke liege vielmehr im Güterzugverkehr. «Um den geht es bei dem Ausbau wirklich», sind sich die Vertreter der Bürgerinitiativen «2 statt 4» aus Eschersheim und «Taunusside» aus Bad Vilbel sicher. «Die Bahn argumentiert, Verspätungen der S-Bahn könnten um 40 Prozent reduziert und die Bahnen im 15-Minuten-Takt verkehren», erklärt Funk. Die Kapazität könne aber nicht maßgeblich erweitert werden. «Das Nadelöhr ist der Hauptbahnhof. Dort ist die Kapazität beschränkt, also können auch nicht mehr Bahnen fahren», sagt Funk. Durch den Ausbau gewinne die Bahn allerdings ein Gleis für den Güterzugverkehr.

Weitere Kritikpunkte der Ausbaugegner sind der Wertverlust von Immobilien entlang der Bahnstrecke, die Verbauung des Landschafts- und Stadtbildes sowie die Befürchtung, der Lärmpegel könne steigen. «Die Bahn hat in den Planungen zwar Lärmschutzwände bis zu sechs Metern Höhe eingebunden, aber die schützen vor allem die direkten Anwohner», sagt Funk. Die Nachbarn in der zweiten Reihe könnten dann sogar mehr Lärm als bisher abbekommen, so die Befürchtung der Gegner der bisherigen Ausbaupläne.

Einmal besserte die Bahn ihre Entwürfe schon nach. Nachdem über die Bürgerinitiative koordiniert zehn Klagen gegen das Projekt eingeleitet wurden, erarbeitete die Bahn 2006 eine Änderung zum Planfeststellungsbeschluss. Inzwischen sind zwei weitere Klagen hinzugekommen, über die im Verwaltungsgericht Kassel entschieden wird (wir berichteten). Von dessen Entscheidung hängt ab, ob und wann der Ausbau in Frankfurt beginnen kann. Der ursprünglich für den Winter vorgesehene Beginn der Arbeiten in Bad Vilbel wurde verschoben und wird in diesem Jahr nicht mehr erfolgen.

Hauptvorwurf der Kritiker bleibt, der Ausbau komme vor allem dem Güterverkehr zugute. Für die S-Bahnen sei der Nutzen sehr beschränkt und stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten. Für den ersten Bauabschnitt zwischen Frankfurt West und Bad Vilbel sind Mittel in Höhe von 200 Millionen Euro eingeplant. «Für einen Ausbau des Güterverkehrs würde die Bahn keine Mittel vom Land bekommen», glauben die Kritiker.

Die Bahn bekräftigt dagegen, der Ausbau diene in erster Linie den Pendlern: «Der Ausbau ist wichtig, da sich Fern-, Regional-, S-Bahn und Güterverkehr heute gegenseitig behindern», sagt Bahnsprecher. Torsten Sälinger. Immer wieder müsse die S-Bahn auf entgegenkommende Züge, die Priorität genießen, warten. «Der viergleisige Ausbau mit eigenen S-Bahn-Gleisen wird die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit des S-Bahn-Verkehrs erhöhen und das Gesamtsystem S-Bahn weiter stabilisieren.»

Menschen mobilisieren

Klaus Funk und Jan Wagner sind vom Nutzen des Projekts nicht überzeugt. Seit der Gründung von «Taunusside» im Mai arbeiten die beiden Bürgerinitiativen zusammen. Mit einer ersten Protestdemonstration auf dem Römer wollen sie ihrem Anliegen Gehör verschaffen. Daran habe es bislang nämlich gemangelt. «Betroffen sind mehr als 50 000 Menschen und bei der Politik stößt man nur auf taube Ohren», ärgert sich Wagner. Bis zum Demonstrationstag wollen die beiden Bürgerinitiativen möglichst viele mobilisieren und für ihre Sache gewinnen. «Viele denken, es würde sie nicht direkt betreffen oder sind kaum informiert, was da auf sie zukommt. Das wollen wir ändern», ist Wagner zuversichtlich, am 2. November um 17 Uhr möglichst viele Demonstranten auf dem Römerberg zu versammeln. göc

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