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Tolle Fete – auch ohne Knete

Rock-Konzert hier, Riesen-Bratwurst dort: Der Hessentag geht ins Geld. Gerade auch für Familien. Aber das muss nicht so sein. FNP-Reporterin Stefanie Désirée Rieger hat sich ohne Portemonnaie ins Getümmel gestürzt – und war begeistert.
Carol Cheng malt am Stand der Taiwan-Touristik kostenlos den Namen der Besucher in Schriftzeichen ihrer Heimat. Foto: Rieger Carol Cheng malt am Stand der Taiwan-Touristik kostenlos den Namen der Besucher in Schriftzeichen ihrer Heimat. Foto: Rieger

Wie weit komme ich als Fest-Besucher, ohne einen Cent ausgeben zu wollen? Diese Frage stelle ich mir – und beantworte sie mir gleich selbst. Knapp zwei Stunden nehme ich mir Zeit. Laufe über den Hessentag. Los geht’s an der Hessentags-Straße. Dort lockt der erste kostenlose Höhepunkt.

Eine Gondel, die 60 Meter über dem Boden schwebt. Wer ein bisschen Geduld mitbringt und sich in die Schlange stellt, wird belohnt. In wenigen Sekunden hievt ein Kran mich und drei weitere Besucher in den Himmel. Bei leichtem Wind wackelt es etwas in luftiger Höhe. Die Aussicht aber ist die beste Entschädigung für ein leicht flaues Gefühl im Magen.

Selbst das Riesen-Rad schrumpft aus dieser Höhe auf Zwergengröße. Die Besucher erscheinen uns Gondel-Insassen wie winzige Ameisen. Nach etwa fünf Minuten geht es leider schon wieder runter. Beim Rausgehen besteht die Möglichkeit für den guten Zweck zu spenden – zumindest für all jene, die einen Geldbeutel dabei haben. Ich muss also leider passen.

Über die Füllerstraße laufe ich vorbei am Alten Rathaus, dann weiter Richtung Bleiche. Dort ist der Internationale Platz. Die Taiwan-Touristik zieht meine Blicke auf sich. Ohne Zögern spreche ich die freundlich lächelnde Asiatin an. Ob ich einen Wulong-Tee möchte, fragt mich die Frau. "Ist der kostenlos?", erwidere ich. Sie nickt. Aus einem kleinen Trinkgefäß nehme ich einen kräftigen Schluck von dem heißen Getränk.

Der Tee schmeckt trotz der Hitze. Der besondere Clou: Nachdem ich ausgetrunken habe, darf ich den Porzellanbecher mitnehmen – hübsch verpackt in einen Leinen-Beutel.

Einen Meter weiter – noch immer am gleichen Stand – beobachte ich eine junge Frau, die hingebungsvoll malt. Carol Cheng heißt sie und hat es sich zur Aufgabe gemacht, europäische Namen in asiatischen Schriftzeichen aufs Papier zu bringen. "S-t-e-f-a-n-i-e", spreche ich langsam meinen Namen aus. "Nach knapp zwei Minuten bekomme ich das Papier in die Hand gedrückt und weiß nun, wie ich auf Taiwanesisch heißen würde. Ein Wissen, das mich ohne einen Cent ereilt hat.

Exotische Entdeckung

Noch immer bin ich an der Bleiche unterwegs. Ein Hotel präsentiert sich und wirbt damit, alle Sinne anzusprechen: In einer Wellness-Kabine lege ich mich auf den Bauch, ziehe Kopfhörer über und schließe die Augen. Dann setzt eine Massage ein, die durch Wasserdruck erzeugt wird. Meine müden Füße scheinen vergessen, meine verspannten Schultern sind plötzlich butterweich. Die fünf Minuten in der Kabine vergehen wie im Flug.

Nach der erholsamen Massage grummelt mein Magen. Ob ich wohl ohne einen Cent zu bezahlen etwas zu essen bekomme? Ich muss nur wenige Meter weiter laufen. Am Stand der "Hemingway Lounge" duftet es exotisch. Und was lese ich da? "Probieren Sie! Kostenlos!" Das lasse ich mir nicht zwei Mal sagen. Der sympathische Koch zählt die drei unterschiedlichen Gerichte auf.

Gemüse-Eintopf, Rindfleisch in Kokos-Bananen-Sauce oder doch lieber scharf gewürztes Hähnchen? Meine Wahl fällt auf den Eintopf. Der Koch schöpft mir einen großen Löffel voll in einen Teller und informiert mich darüber, dass alle Speisen Spezialitäten aus Südafrika sind.

Positiv überrascht vom exotischen Geschmack gebe ich dem Mann den leeren Teller dankend zurück. "Kosten Sie doch einmal das Rindfleisch. Ich wette, Sie haben noch nie warme Banane mir Rind und Kokos gegessen!", sagt der Mann.

Er hat Recht. Wieder macht er mir den Teller knapp zur Hälfte voll. Meine Skepsis halte ich zurück und danke erneut. Was ich da schmecke, gefällt mir. Ob ich jemals in den Genuss von Fleisch mit Banane gekommen wäre, wenn ich dafür hätte zahlen müssen? Wohl kaum.

So langsam möchte ich den Heimweg antreten, als mir ein Velo-Taxi fast über die Füße fährt. Kostenlos steht groß auf dem Dach. Da fackele ich nicht lange, steige in das fußbetriebene Gefährt ein und lasse mich über den Hessentag kutschieren. Zurück in der Redaktion stelle ich erstaunt fest, wie viel Spaß der Hessentag ohne Portemonnaie machen kann. Zwar musste ich mich genau umschauen, dafür aber hatte ich Wellness, exotische Speisen und einen fernöstlichen Tee umsonst. Und auch die Erkenntnis, dass Hessentag nicht nur Kommerz ist, nehme ich kostenlos mit nach Hause . . .

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