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Von «Abel» bis «Abraham»

Hier erklärt Bruder Paulus die Begriffe Abel, Abendmahl, Ablass und Abraham.
Bruder Paulus Foto: A3472 Frank May (dpa) Bruder Paulus

Abel Die Bibel stellt ihn am Anfang als Sohn der Ureltern Adam und Eva vor. Geboren außerhalb des Paradieses wie sein Bruder Kain, steht der Hirte Abel in Konkurrenz zu seinem Bruder, dem Ackerbauern Kain. Die Bibel stellt ihn am Anfang als Sohn der Ureltern Adam und Eva vor. Geboren außerhalb des Paradieses wie sein Bruder Kain, steht der Hirte Abel in Konkurrenz zu seinem Bruder, dem Ackerbauern Kain. Diesen ärgert, dass Abel erfolgreicher ist, auch vor Gott. Daraufhin erschlägt Kain seinen Bruder Abel. Gott macht ihm zur Strafe ein Erinnerungszeichen auf die Stirn, das Kainsmal. Die Autoren der biblischen Urgeschichte erzählen auf diese Weise, dass der Glaube an den Einen Gott aus zwei unterschiedlichen Traditionen herauswächst: Aus den Überlieferungen von sesshaften Ackerbauern und von Nomaden, die ihre Tiere von Ort zu Ort treiben. Abel muss man als eine Urfigur der Menschheit sehen: Er ist Opfer von Neid und religiösem Eifer. Als Gott Kain nach dem Mord fragt: Wo ist Abel?, antwortet er: Bin ich der Hüter meines Bruders? – eine Trotzigkeit, die sich leider ziemlich gut überlebt hat.

Abendmahl Am Abend vor seinem Tod am Kreuz ruft Jesus seine zwölf engsten Mitarbeiter zusammen. Mit diesen sogenannten Aposteln feiert er das Pascha (sprich: Pas-cha): Das ist ein Abendmahl, bei dem die jüdischen Gläubigen die Befreiung ihrer Vorfahren aus ägyptischer Gefangenschaft um das Jahr 1400 vor Christus feiern. Beim Erzählen und beim Essen des Pas-chalammes wird die Befreiungskraft Gottes von damals für das Heute gegenwärtig. Jesus erzählt auch, allerdings nicht das, was war, sondern das, was kommen wird: Sein Leiden. Und er gibt zu essen: Zwar auch das Pas-chalamm, aber den dazugehörenden Wein mit dem Brot nimmt er sich extra vor. Er sagt nach dem Dankgebet an Gott jeweils: Nehmt und esst; nehmt und trinkt – das bin ich für Euch und für alle Menschen.

Evangelische Christen nehmen das eher persönlich: Jeder kann Jesus nun aufnehmen als Befreier, wer an ihn glaubt. Katholische Christen nehmen das eher gemeinschaftlich: Jeder kann Jesus nun aufnehmen als Befreier, wenn er an ihn glaubt – und wenn er sich durch das Essen und Trinken in eine verbindliche Gemeinschaft einfügen lässt, die von den Aposteln ausgeht und Kirche heißt.

Ablass Wer gelogen hat, dem kann vergeben werden. Wer aber von mir belogen wurde, hat im schlimmsten Fall damit noch lange zu kämpfen. Man sieht: Böse Taten haben böse Folgen. Der Ablass ist die Bitte an das Netzwerk der Kirche, es einem irgendwie erträglicher zu machen, dass die eigene Schuld langfristige Folgen hat. Wenn Gott die Sünden vergibt, ist das zwar schon mal wichtig. Aber die Folgen der sündigen Taten wirken weiter. Da kommt jetzt der Ablass ins Spiel: Er geht davon aus, dass gute Taten ja auch Folgen haben, nämlich gute. Da müsste es doch möglich sein, dass man die Kirche als Netzwerk bittet, gute Folgen der Taten heiligmäßiger Menschen auf jene umzulenken, die unter den Folgen meiner bösen Taten leiden. . . Dass die Verantwortlichen der Kirche mit dieser an sich guten Idee Schindluder getrieben haben und daraus ein einträgliches Geschäft entwickelten, ist schlimm. Sympathisch ist der Gedanke dennoch, dass mich das christliche Netzwerk nicht alleinlässt, wenn ich es ertrage, dass einer wegen meiner Sünde kaum mit dem einen oder anderen Leid seines Lebens zurechtkommt. Sie macht mir mit dem Ablass ein entlastendes Angebot.

Abraham Der Urvater des Glaubens der drei großen Weltreligionen. Viele Forscher sagen, man müsse ihn im Jahr 2050 v. Christus ansiedeln. Seine Person ist deswegen so entscheidend, weil er alles losließ, was er besaß, und sich nur noch auf Gott verließ. «Geh in das Land, das ich dir zeigen werde» ist ein berühmtes Wort, das Juden, Christen und Muslime auf sehr unterschiedliche Weise interpretieren, an dem sie aber nicht vorbeikommen: Religion will frei machen vom Festklammern an Besitz. Mehr noch: Religion ist nicht nur ein Befreiungsmittel, sondern die Fähigkeit des Menschen, zu Gott DU zu sagen. Abraham ist der Vater des reinen, persönlichen Glaubens, so persönlich, dass Gott auch «Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs» genannt wird, wobei die letzten beiden Sohn und Enkel Abrahams sind. Damit ist auch schon klar, dass Abraham für einen Familienglauben steht, in dem die Blutsverwandtschaft eine heilige Rolle spielt. Deswegen spielt bei Juden wie Muslimen die Familie eine so große Rolle und gehört fest zur Religion. Jesus, der sich bewusst Sohn Abrahams nennt, wird das aufbrechen. Es geht, so Jesus, nicht zuerst um Familie und viele Nachkommen aus dem eigenen Blut, sondern um Gottes-Geist-Verwandtschaft. Wer an Jesus glaubt, ist darin aufgenommen.

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