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Von «Allah» bis «Dschihad»

Das ABC des Islam: Unsere Mitarbeiterin Andrea Meyer erklärt die Weltreligion. In diesem Artikel finden Sie die Erklärung wichtiger Begriffe von «Allah» bis «Dschihad».

ALLAH: Arabische Bezeichung für Gott im monotheistischen Islam. Dabei handelt es sich um den einzigen und absoluten Gott und somit um einen Eigennamen und keine Gattungsbezeichnung (Al Ilah: der Gott, wird zusammengefügt zu Allah). Außerdem gibt es noch 99 weitere Bezeichnungen für diesen Gott, die eigentlich göttliche Eigenschaften bezeichnen, wie «der Allwissende». Aus diesen Begriffen leiten sich gebräuchliche männliche Vornamen ab, wie beispielsweise Aziz (der Mächtige).

Der Koran, die heilige Schrift des Islam, gilt als das niedergeschriebene Wort Allahs und darf nicht verändert werden. In einigen der 114 Suren des Koran finden sich zahlreiche Erläuterungen über das Wesen und Wirken Allahs, beispielsweise in 22, 23, 24, 55, 67,87. Sämtliche Suren beginnen mit der Formel «Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes». Eine bildliche Darstellung Allahs ist im Islam verboten.

ALEVITEN: Religionsgemeinschaft, die sich im 13. Jahrhundert in Anatolien aus dem schiitischen Zweig des Islam entwickelt hat.Die Aleviten leben nicht nach den fünf Säulen des Islam und legen den Koran nicht wörtlich aus. Sie lehnen eine dogmatische Auffassung und konventionelle Formen des Gebets ab.Daher werden sie von den strenggläubigen Sunniten oft nicht als wahre Muslime anerkannt. Die größte Alevitengemeinde gibt es in der Türkei, da die Aleviten nur in einem Staat leben können, der Politik und Religion trennt.

ALI IBN ABU TALIB: Vierter Kalif als Nachfolger und Vertreter des Propheten Mohammed nach dessen Tod im Verband der gläubigen Muslime, der Umma. Er war der Vetter und einer der engsten Vertrauten Mohammeds und mit dessen Tochter Fatima verheiratet. Unter seinem Kalifat (im Jahr 656 bis 661) kam es zur ersten großen Spaltung des Islam, die noch heute die islamische Gesellschaft in zwei Seiten teilt. Seine Anhänger gründeten die Schiat Ali, die Partei Alis – die Schiiten.

ARABISCH: Der islamischen Überlieferung zufolge ist Arabisch die Sprache Gottes und der Heiligen Schrift. Daher wird der Koran von gläubigen Muslimen – auch anderssprachigen – nur in dieser Orginalschrift gelesen und nicht übersetzt. Jede andere Wiedergabe würde als Versuch gesehen, die göttliche Sprache zu imitieren und müsste somit fehlerhaft sein. Die 28 Buchstaben des arabischen Alphabets bewahren das heilige Wort und dienen der Wiedergabe des Namen Allahs. Aus dem Niederschreiben des Namens in unterschiedlichen Möglichkeiten und Variationen entwickelte sich die Schrift als Kunstform, die Kalligraphie.

AYATOLLAH (Ayat Allah: Zeichen Gottes): Hoher religiöser Titel des schiitischen Islams, bei den Sunniten gibt es diesen Titel nicht. Ein Ayatollah steht in der Hierarchie über einem Theologen mit Diplom, ist also quasi ein Doktor der Theologie. Er darf Rechtsgutachten abgeben und ist verantwortlich für die Unterhaltung von Moscheen, Schulen und anderen Institutionen, für die er direkte Spenden von den Gläubigen erhält. Außerdem berät er die Muslime in religiösen Fragen, lehrt den Islam und führt religiöse Zeremonien durch.

BAYRAM: Türkische Bezeichnung für die zwei wichtigsten Feste des Islams. Das erste Bayramfest wird bei den Arabern «Fest des Fastenbrechens», bei den Türken Kleiner Bayram oder Zucker-Bayram genannt. Es schließt sich unmittelbar an den Fastenmonat Ramadan an und wird am ersten Tag des darauffolgenden Monats Schawwal gefeiert. Nach der Zeit des Fastens werden besonders viele süße Speisen gereicht und Süßigkeiten für die Kinder, daher auch der Name Zuckerfest. 70 Tage später wird das zweite Bayramfest veranstaltet, das als «Opferfest» oder «großes Fest» bezeichnet wird. Es ist das höchste islamische Fest und für alle gläubigen Muslime weltweit gilt es als Pflicht, zur Feier des Festes ein Tier, meist ein Schaf oder Lamm, zu opfern. Das Fleisch des Tieres soll unter den Armen verteilt werden.

Beim Opferfest wird des Propheten Ibrahim (im christlichen Glauben Abraham) gedacht, der bereit war, seinen Sohn Ismael (Isaak) Allah zu opfern. Als Allah seine Bereitschaft sah, gebot er ihm Einhalt und Ibrahim und Ismail opferten ihm daraufhin einen Widder. (Koran, Sure 37).

BIlDERVERBOT: Das Verbot, lebende Wesen bildlich darzustellen, findet sich nicht wörtlich im Koran. Der Umgang damit ist also Auslegungssache der islamischen Rechtsgelehrten, die drei unterschiedlich strikte Ansätze in Bezug auf die Abbildung von Lebewesen vertreten. Alle drei Auffassungen lassen sich aus der Hadith-Literatur, also den überlieferten Aussagen und Sprüchen Muhammads und seiner Nachfolger, belegen:

a) Darstellungen sind erlaubt, soweit sie nicht Allah oder religiöse Gegenstände betreffen.

b) Nur Skulpturen sind verboten, da sie Schatten werfen, Darstellungen auf Papier dagegen sind erlaubt. Auch das verbreitete Schattentheater ist dieser Auffassung nach völlig in Ordnung.

c) Die Darstellungen von Lebewesen sind in jeglicher Form nicht erlaubt.

Generell verboten ist aber die Darstellung Allahs sowie die Anfertigung oder Abbildung des christlichen Kreuzes. Im sakralen und religiösen Bereich, speziell in Moscheen, finden sich keine Bilder oder Zeichnungen von lebenden Wesen. Der Prophet Mohammed wird stets mit Gesichtsschleier und Flammennimbus dargestellt.

Das Bilderverbot ist wohl als Abgrenzung gegen den vorislamischen Polytheismus zu sehen. Bildliche und figürliche Darstellungen werden mit Götzenanbetung assoziiert. Auch in der Kaaba, dem islamischen Heiligtum, gab es vorher Götzenbilder, die mit zunehmender Verbreitung des Islam zerstört wurden.

Der zweite wichtige Punkt ist die Allmacht Allahs. Die figürliche Darstellung von Menschen wird als eine Art Schöpfungsakt angesehen und bildet damit nach Ansicht der Muslime den Versuch, sich mit Gott auf eine Stufe zu stellen.

BURKA: Ein Kleidungsstück, das der vollständigen Verschleierung von muslimischen Frauen dient. Getragen wird sie vor allem in Afghanistan, teilweise auch in Pakistan und Indien, seltener auch in weiteren islamischen Ländern. Die Burka besteht aus einem großen Stofftuch, in welches oben eine flache Kappe eingenäht ist. In Augenhöhe gibt es ein Sichtfenster, das meist aus einem Stoffgitter besteht. Die Taliban hatten unter ihrer Regierung in Afghanistan für Frauen eine Burka-Pflicht erlassen, die aber seit Absetzen der Taliban 2001 nicht mehr existiert. Trotzdem gehen viele Frauen dort aus Angst um ihre Sicherheit nicht ohne die Burka auf die Straße.

Burkas gibt es in verschiedenen Farben, die ursprünglich teurere blaue Burka, die als Statussymbol diente, wird nun am häufigsten getragen.

In europäischen Ländern steht das Tragen der Burka zur Diskussion, in Belgien, Frankreich und Spanien ist es bereits verboten, in weiteren Ländern sind bereits entsprechende Gesetzesentwürfe auf den Weg gebracht.

CHADIDSCHA (Hadiga): Sie war die erste Ehefrau des Propheten Mohammed. Chadidscha war, als sie Mohammed heiratete, bereits zwei mal Witwe und für die damalige Zeit ungewöhnlich selbstständig und finanziell unabhängige. In der Gesellschaft war sie als reiche Geschäftsfrau in Mekka hoch angesehen. Bei der Hochzeit im Jahr 594 war sie der Überlieferung nach etwa 40 Jahre alt, Mohammed etwa 25. Chadidscha war die erste Frau, die den Glauben des Islam annahm und Muslimin wurde. Daher wird sie auch als «Mutter der Gläubigen» bezeichnet.

Die Ehe der beiden währte 25 Jahre und endete erst mit Chadidschas Tod im Alter von 65 Jahren. Während dieser Zeit hatte Mohammed keine weitere Frau, obwohl damals die Polygamie üblich war. Die beiden hatten gemeinsam fünf Kinder, der einzige Sohn verstarb aber kurz nach der Geburt, was die Nachfolge von Mohammed später entsprechend schwierig machte. Von den vier Mädchen ist besonders die Jüngste, Fatima, bekannt, da sie mit dem Kalifen Ali verheiratet war.

DSCHIHAD (Gihad): Wird oft als «Heiliger Krieg» übersetzt. Das stimmt so nicht und beinhaltet bereits eine Interpretation. Das arabische Wort Dschihad bedeutet «auf ein bestimmtes Ziel gerichtete Anstrengung», was eines der Handlungsprinzipien des Islam ist. Es gibt hierbei den großen und den kleinen Dschihad. Für die Muslime ist der große oder innere Dschihad eine Übung zur persönlichen Selbstüberwindung, und jeder Gläubige praktiziert seinen eigenen. Ziel ist die moralische und ethische Vervollkommnung des Einzelnen, der Sieg über das Böse im Herzen. Der individuelle Dschihad wird vollzogen durch Gebete, das Streben nach Wissen und die Ausführung guter Taten.

Der kleine oder äußere Dschihad besteht in jeder Form der zulässigen Verteidigung von Muslimen. Rechtlich gesehen dient der Dschihad auch der Ausbreitung des Islam – auch der bewaffneten.

Im radikalen Islamismus hat der Begriff eine Wendung genommen und impliziert hier – wie im Begriff islamischer Dschihad – den uneingeschränkten Kampf gegen alles, was die westliche Welt repräsentiert. Einzelne islamische Gruppen benutzen diese Bezeichnung mit dem Versuch, ihre gewalttätigen Aktionen zu legitimieren.

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