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Von «Barmherzigkeit» bis «Brüder»

Heute geht es im Abc des Christentums um Begriffe wie Barmherzigkeit, Bibel, Beichte, Bischof und Bistum.
Bruderzwist in der Bibel, nachgestellt im Kreationistenmuseum in den USA: Kain erschlug Abel. Foto: Creation Museum (Creation_Museum) Bruderzwist in der Bibel, nachgestellt im Kreationistenmuseum in den USA: Kain erschlug Abel.

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BARMHERZIGKEIT. Gottes Eigenschaft, die uns Menschen als seinen Ebenbildern besonders schwer fällt. Barmherzig ist, wer ohne Berechnung einfach Gutes tut. Ob man diese Tugend übt, wird sichtbar, wenn man das Gute tut, obwohl der andere wirklich nichts zurückgeben kann. Das ist sozial gemeint: Eine gute Gabe geben. Einfach so. Im Lukas-Evangelium heißt es an der klassischen Stelle vom barmherzigen Samariter: Wer von denen, die an dem Überfallenen vorbeigingen, hat sich ihm zum Nächsten gemacht? Barmherzigkeit erweist sich im selbstverständlichen Tun des Notwendigen. Aber auch im zwischenmenschlichen Bereich ist Barmherzigkeit oft der einzige Weg, in eine festgefahrene Situation Bewegung zu bringen: Da ist einer schuldig an jemandem; der rechnet ihm das nicht lange nach, sondern ist barmherzig und vergibt ihm.

BEICHTE. Die Beichte gehört zu den sieben Sakramenten. Sie heißt offiziell: Die Feier der Versöhnung des Einzelnen. Der sogenannte Beichtstuhl ist der Andachtsraum dafür. Darin trifft sich der Beichtende mit dem Priester. Man feiert miteinander, dass Gott dem Menschen Sünden vergeben kann. Zu diesem Kleingottesdienst gehört, dass ein Wort aus dem Evangelium gesagt wird. Damit holt man Jesus sozusagen dazu. Und wer auf diesen besten aller Menschen sieht: Wem würden da nicht sofort alle Sünden einfallen. Also sagt der Beichtende einige Punkte von dem, was ihn hindert, ein Mensch nach Gottes Bild zu sein. Nach dem Bekenntnis gibt der Priester dem Bekenner eine Gebetsbuße auf, streckt die Hände über ihn aus zum Zeichen der Ausgießung des Heiligen Geistes und spricht ihn im Namen Jesu und seiner Kirche von allen Sünden los. Damit beginnt für den Losgesprochenen ein ganz neuer Lebensabschnitt in seinem christlichen Leben. Er darf sich wie frisch nach der Taufe wissen: Gott wird nie mehr auf die nun vergebenen Sünden zurückkommen.

BIBEL. Was zu Deutsch schlicht «das Buch» heißt, ist eine Sammlung von Texten aus dem Judentum und dem Christentum. Die Gläubigen gehen davon aus, dass die Autoren der Texte vom Geist Gottes geleitet waren. Da in der Bibel Liebeslieder, Gebete, Novellen und romanhafte Biografien enthalten sind, aber auch Lehrschreiben und philosophische Texte, kann man sie nicht einfach wie e i n Buch ansehen. Im Laufe der insgesamt dreitausendjährigen Überlieferungsgeschichte kam es immer wieder zu Schreibfehlern. Die ersten Texte wurden auf Schriftrollen geschrieben. Wenn sie zu lang waren, wurden sie gern gekürzt oder einzelne Abschnitte wurden umgestellt. Die Wahrheit der Bibel erweist sich nicht durch den Text, der uns, das muss man auch wissen, nur in Übersetzungen zugänglich ist, die wiederum auch sehr begrenzt sind. Wer deswegen wissen will, was die Bibel lehrt, braucht Menschen, die von der Botschaft der Bibel begeistert sind. Die Bibel ohne Glauben zu lesen ist wie Noten lesen ohne Musik zu kennen.

BISCHOF. Der Bischof ist im katholischen Verständnis die Mitte der sogenannten Ortskirche. Bei uns wäre das die Ortskirche von Limburg. Er gilt als Nachfolger der Apostel. In Jesu Namen sammelt er alle um sich, die Jesus bekennen als den Herrn der Welt und die deshalb zu dem katholischen Netzwerk Gottes gehören wollen. Er wird auch Hirte genannt, weil er zu einer Glaubensgemeinschaft sammeln, leiten und aufbauen soll. Das ist zuerst ein Heiligungsdienst. Der Bischof sammelt die Christen zur Eucharistiefeier, um sie dann in Jesu Namen in die Welt zu senden. Er sorgt mit für die weltweite Einheit der Christen. Er steht in Gemeinschaft mit allen anderen Bischöfen, die ja auch Christen um sich herum gesammelt haben. Bischöfe gleichen Netzknotenpunkten. Das Besondere an katholischen Bischöfen ist, dass sie auf jeden Fall eine enge Verbindung haben mit dem Bischof von Rom. Dieser Bischof gilt als Nachfolger des Apostels Petrus. Und weil Petrus von Jesus «Felsen» genannt wird, glauben Katholiken, dass Jesus auch will, dass jede Ortskirche vor allem mit dem Bischof von Rom verbunden sein muss, das garantiert, dass wirklich alle auch miteinander verbunden sind.

BISTUM. Das Bistum ist die größte Einheit der katholischen Kirche. Das sind jene Christen, die sich in einer bestimmten Region um einen Bischof sammeln, damit sie dort für den auferstandenen Jesus Zeugnis ablegen. Über dieser Kirche mit ihrem Bischof steht niemand außer Jesus selber. Ein Bistum hat deshalb viel Gestaltungsspielraum, wie es das kirchliche Leben entwickeln will. Gegen die landläufige Meinung, die katholische Kirche würde vom Papst geleitet, stellen die Konzilsdokumente klar, dass zuerst die Ortskirche kommt. Sie hat eine eigene, volle Autorität, die Jesus den Gläubigen mit ihrem Bischof verliehen hat. Dass sich ein Bistum mit seinem Bischof in Einheit mit den anderen Bistümern befindet, dafür sorgt die Einheit eines jeden Bischofs mit dem Bischof von Rom, der neben diesem Dienst in seinem Bistum auch Papst ist.

BRÜDER UND SCHWESTERN.

So fängt jede Predigt an. Der Leiter eines Gottesdienstes spricht seine Mitglaubenden so an. Wenn sie beten und singen, tun sie das in dem Bewusstsein, durch die Taufe in den Tod und die Auferstehung Jesu hineingenommen worden zu sein. Sie verstehen sich als Glieder an seinem Auferstehungsleib. Sie atmen den Geist Jesu. Sie wissen sich familiär mit Jesus verbunden, weil sie Gott durch Jesus als ihren persönlichen Vater sehen. Deshalb sprechen sie als Söhne und Töchter Gottes. Untereinander sind sie Brüder und Schwestern, die immer gern gemeinsam beten, wie Jesus es gelehrt hat: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, usw.

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