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Von «Dschinn» bis «Fundamentalismus»

Wer ist Allah, was bedeutet Dschihad? Wir erklären, was Sie schon immer über den Islam wissen wollten. Expertin Andrea Meyer hat die wichtigsten Begriffe zusammengetragen.

Wer ist Allah, was bedeutet Dschihad? Wir erklären, was Sie schon immer über den Islam wissen wollten. Expertin Andrea Meyer hat die wichtigsten Begriffe zusammengetragen.

DSCHINN (Ginn): Die Dschinn sind im islamischen Glauben intelligente Geisterwesen, die weder den Engeln noch den Menschen zuzuordnen sind. Sie sind unsichtbar, können den Menschen aber in unterschiedlicher Gestalt erscheinen. Dschinn können überall sein, und man sollte sie günstig stimmen, wenn man keine verhängnisvollen Ereignisse erleben will, denn sie entführen die Seelen der Menschen und verdammen sie dazu, in der Wüste umherzuirren. Dschinn werden im Koran erwähnt (Sure 72).

EMIR: Die arabische Bezeichnung bedeutet Fürst, Prinz, Gouverneur. In frühislamischer Zeit war ein Emir ein Oberbefehlshaber einer muslimischen Truppe. Heutzutage bezeichnet Emir ein Mitglied einer herrschenden Familie, zum Beispiel in Saudi-Arabien, oder das Staatsoberhaupt eines Emirates, also eines Fürstentums, wie Kuwait, Qartar oder die Vereinigten Arabischen Emirate.

ENGEL: Im Islam sind Engel die Wesen, die den Menschen göttliche Botschaften überbringen. So soll der Erzengel Gabriel dem Propheten Muhammad auf dem Berg Hira den Koran übermittelt haben. Nach islamischer Überlieferung bestehen Engel aus Feuer, Wasser und Luft. Sie essen und trinken nicht, noch heiraten sie. Und sterben können sie ebenfalls nicht.

FATIHA: Fatiha bedeutet «die Eröffnende» und ist die erste Sure des Korans. Sie gehört zum rituellen Gebet und wird im Stehen rezitiert. Die Eröffnungssure wird oft als das Vaterunser des Islam bezeichnet: «Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Lob sei Gott, dem Herrn der Menschen in aller Welt, dem Barmherzigen und Gnädigen, der am Tag des Gerichts regiert! Dir dienen wir, und dich bitten wir um Hilfe. Führe uns den rechten Weg, den Weg derer, denen du Gnade erwiesen hast, nicht derer, die deinem Zorn verfallen sind und irregehen!»

FATIMA: Sie ist die jüngste Tochter des Propheten Mohammed und setzte als einziges seiner Kinder die Familie des Propheten fort. Fatima wurde besonders durch ihre enge Verbindung zu ihrem Vater bekannt und dadurch, dass sie den Kalifen Ali, den Vetter und Nachfolger des Propheten Mohammed, heiratete. Aus ihrer Ehe mit Ali gingen drei Söhne hervor. Zwei davon sind besonders bekannt: Al-Hasan und Al-Husain, von denen sich die erste islamische Dynastie in Nordafrika (909–1171), die Fatimiden, ableitete, deren Macht erst im 12 Jahrhundert durch Saladin gebrochen wurde. Nach Auffassung der Schiiten sind Hasan und Husein nach ihrem Vater Ali der zweite und dritte Nachfolger des Propheten Mohammed.

Im islamischen Volksglauben spielt Fatima eine große Rolle. Es gibt das «Auge der Fatima» oder die «Hände der Fatima» als Amulett und Schutz vor dem bösen Blick.

FATWA: Eine Fatwa ist ein islamisches Rechtsgutachten und beruht auf der Scharia, dem islamischen Recht. Meist wird es erstellt von einem Mufti, einem Rechtgelehrten der Sunniten, oder einem Ayatollah, einem Rechtsgelehrte der Schiiten, und richtet sich auf ein bestimmtes Thema oder eine Person. Die Fatwa ist kein Gerichtsurteil und wird nur von den Moslems anerkannt, die die ausstellende Autorität akzeptieren. Da die Sunniten im Gegensatz zu den Schiiten keine Art von Klerus kennen, ist im sunnitischen Islam unklar, wer eigentlich eine Fatwa ausstellen darf, sie ist auch nicht bindend.

Die bekannteste Fatwa wurde von Ayatollah Khomeini ausgestellt, der 1989 die Tötung des Schriftstellers Salman Rushdie anordnete. In seinem Buch «Die Satanischen Verse» soll Rushdie nach Ansicht des Ayatollahs Gotteslästerung betrieben haben und vom islamischen Glauben abgefallen sein. Da das islamische Recht teilweise sehr viel Raum für Interpretationen lässt, ist gerade bei neuen Entwicklungen unklar, wie gläubige Moslems mit diesen umgehen sollten, beispielsweise bei der Nutzung von neuen Medien. Zu derartigen Themen können Gläubige oder auch Institutionen Fatwas anfordern.

FUNDAMENTALISMUS: Der islamische Fundamentalismus strebt nach der Einrichtung eines islamischen Staates, dem die Scharia als Gesetz zugrunde liegt. Islamische Fundamentalisten lehnen jeden westlichen Einfluss komplett ab. Als Begründung führen sie an, dass die Einflussnahme des Westens bisher immer schädliche Folgen hatte. Sie fordern die Rückkehr zum Koran im ursprünglichen Sinne und zu den fünf Säulen des Islam. Der islamische Fundamentalismus ist jedoch keine geschlossene Strömung mit einem einheitlichen Programm. Es gibt unterschiedliche radikal-islamistische Gruppierungen, die neben dem Gottesstaat noch weitere Ziele verfolgen. Gewalt gehört genauso zu ihren Mitteln wie Terrorismus.

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Möchten Sie einen Begriff aus dem Islam erklärt haben? Schicken Sie Ihren Vorschlag an politik@fnp.de oder schreiben Sie an die Frankfurter Neue Presse, Politik-Redaktion, Frankenallee 71–81, 60327 Frankfurt

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