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Von «Ketzer» bis «Keuschheit»

Heute wird in unserer Serie «Das Abc des Christentums» erklärt, warum Ketzer ursprünglich etwas ganz anderes meinte und was Keuschheit bedeutet.
In Hameln stellt ein Schlosser maßgeschneiderte Keuschheitsgürtel für Männer her. Foto: dpa Foto: Jochen Lübke (dpa) In Hameln stellt ein Schlosser maßgeschneiderte Keuschheitsgürtel für Männer her. Foto: dpa

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KETZER. Dieses harte Schimpfwort macht jene verächtlich, die von der Glaubenslehre abweichen. Das Wort selbst stammt vom italienischen «gazzari» ab, lateinisch «cathari» und wurde im 13. Jahrhundert ins Deutsche übernommen. Es steht wörtlich für «rein». Katharer (die Reinen), so nannte sich auch eine Reformbewegung des Christentums. Die Katharer hatten bestimmte Vorstellungen davon, wie man zu einem «sauberen» Christenleben kommen kann.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ein Fremdwort für «die Reinen» dann zum Hetzwort wurde, mit dem sie als unrein, irre bezeichnet und grausam verfolgt wurden. Bald wurde es für alle Andersgläubigen vor allem von katholischen Behörden verwandt. Heute ist das Wort unüblich. Personen, von denen man meint, sie würden eine falsche Glaubenslehre vertreten, werden heute Häretiker genannt (von Häresie, Irrlehre).

KEUSCHHEIT. Keuschheit bezeichnet die Tugend, sich von der eigenen Sexualität nicht gefangen nehmen zu lassen. Keusch (lateinisch: conscius, d. h. «bewusst») ist jemand, der seine Möglichkeiten als sexueller Mensch bewusst und ethisch verantwortlich einsetzt. Interessant ist, dass in der lateinischen Sprache «conscius» zusammenhängt mit «conscientia»: Gewissen, dem innersten Personenkern eines Menschen. Wer keusch lebt, ist entschieden, die Sexualität in den Dienst der Reifung der eigenen Person und – in der Ehe – der Reifung des Ehepartners zu stellen. Der Keusche sieht Sexualität nicht als Besitz, mit dem man machen kann, was man will. Keusche Menschen achten ihren Leib, kultivieren ihre Gefühle und sehen sich und andere nicht als Objekt von seelenloser Lustbefriedigung. Für sie es selbstverständlich, die sexuellen Gefühle ebenso dem Gewissen zu unterwerfen wie alle anderen Gefühle, bevor daraus Handlungen werden.

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