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Was draufsteht, ist drin

Von "Vom selben Stern": In Oberursel übten sich die Band "Ich + Ich" und das Publikum des Hessentags in trauter Harmonie.
Wie immer mit viel Gefühl: Ich + Ich-Sänger Adel Tawil.	Foto: Sajak Wie immer mit viel Gefühl: Ich + Ich-Sänger Adel Tawil. Foto: Sajak

Ist das Zufall oder doch Absicht? Als gelte es ein Symbol zu finden, unter dem der Abend stehen kann, trägt Adel Tawil, Sänger der Band "Ich + Ich", eine schwarze Jacke, deren dünne weiße Applikationen an ein Peace-Zeichen erinnern.

Das passt, denn äußerst friedfertig klingt auch die Musik, angesiedelt zwischen seichtem Rock und leichtem Soul, die der Berliner mit einer siebenköpfigen Begleitband darbietet. Zwar fiepen und rattern die Gitarren am Ende der ersten Nummer "Wie konnte das passieren" überraschend roh, doch vermögen solche kurzzeitigen Muskelspiele das erneut bestens aufgelegte Hessentagspublikum nicht zu verunsichern.

Vorwiegend Paare und Familien haben den Weg in das mäßig klimatisierte Festzelt am Rande des Hessentag-Geländes gefunden, um sich von Tawil ein "Pflaster für die Seele" aufdrücken zu lassen. Es soll 90 Minuten lang verlässlich kleben.

Während auf einer wuchtigen LCD-Wand im Hintergrund orange Sonnen glühen und fluoreszierende Vögel fliegen, spielen "Ich + Ich" Lieder, die ein konservatives Glück besingen, von der Zweisamkeit schwärmen und das Beständige feiern. Die Zuschauer klatschen dazu im Rhythmus, schwenken die Arme und goutieren überhaupt herzlich jede der wogenden Bewegungen Tawils, der einmal mehr ohne seine musikalische Partnerin auskommen muss. Annette Humpe, die für einen Großteil der Songs verantwortlich zeichnet, leidet nach eigenen Angaben unter chronischem Lampenfieber und meidet seit Jahren die Konzertbühne.

Kreative Pause geplant

Dass Humpe im Herbst ihrer Karriere ein Projekt wie "Ich + Ich" starten würde, ist noch immer kaum zu glauben. Immerhin war die 60 Jahre alte Komponistin einmal eine Galionsfigur der Neuen Deutschen Welle, dieser ja stets als Schlagergenre missverstandenen, hierzulande vielleicht einzigen autonomen Reaktionsbewegung auf Punk. "Ich bleibe immer bei mir und dem, was ich über das Leben weiß", entgegnet die Buddhistin jenen Kritikern, die ihr vorwerfen, mit dem neuen rührigen Sound die eigenen musikalischen Wurzeln gekappt zu haben. Doch Altersmilde hin oder her: Der Trost-Pop des Duos grenzt in seiner Formelhaftigkeit zuweilen ans Penetrante.

Erfolgreich sind Aufbau-Songs wie "Vom Selben Stern", "So soll es bleiben" und "Du erinnerst mich an Liebe" freilich gerade deswegen. Mag Tawil im schulterklopfenden "Mach dein Licht an" auch von enttäuschten Hoffnungen und falschen Etiketten singen – "Was drauf steht war nicht drin": "Ich + Ich", die nach dem Ende der laufenden Tour eine kreative Pause einlegen wollen, halten, was sie versprechen. Ihre Musik ist zu jeder Zeit berechenbar, dem Zufall überlassen wird hier nichts.

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