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Wurst aus der Markthalle

Von Der Höchster Wochenmarkt hat eine bewegte Geschichte. Zwischen Resten der alten Stadtmauer, Brüningbrunnen und dem Turm des einstigen Zehnthofes bietet er als einziger Markt eine Kleinmarkthalle, um die die Höchster gekämpft haben.
Dicke Saubohnen sind der Renner bei Damen gehobenen Alters. Sie kennen noch von ihren Großmüttern Rezepte zur Zubereitung. Foto: Spillner Dicke Saubohnen sind der Renner bei Damen gehobenen Alters. Sie kennen noch von ihren Großmüttern Rezepte zur Zubereitung. Foto: Spillner
Frankfurt.  Petra Klumpp würde am liebsten immer selbst nach Frankreich fahren, um die Waren für ihren Spezialitätenstand in der Höchster Markthalle einzukaufen. «Ich habe Großhändler, in deren Lagern ich mich selbst umsehen und die Waren aussuchen darf», ist sie froh. So sammelt sie französische Spezialitäten ein, die man sonst nirgends bekommt.

Käse, von Ziegen, die mit Rosmarin gefüttert werden und die so würzige Milch geben. Papillote des fruits, französische Terrinen und Seifen, alles was an den letzten Südfrankreichurlaub erinnert. Am ungewöhnlichsten ist der cholesterinfreie Schinken der Noir de bigorre, der schwarzen Schweine des Bigorre, in Petras Schlemmereck. «Die nennt man auch Oliven auf vier Füßen», so die Frankreichkennerin.

Petra Klumpp ist eine von den neuen Standbetreibern in der Markthalle am Höchster Markt, die wie der Markt selbst drei Mal pro Woche dienstags, freitags und samstags von 7 bis 13 Uhr öffnet. Da gibt es eine Reihe von Metzgern aus Hessen und Thüringen, Wurstwaren vom Direkterzeuger, Topfenstrudel aus dem Lahn-Dill-Kreis, Brote und Backwaren, Eier, handgemachte Butter und Krautsalat aus des Bauern Küche.

Beginn im 13. Jahrhundert

Die Höchster mussten kämpfen, damit sie ihre Markthalle bekommen. Die Marktrechte gehen auf das 13. Jahrhundert zurück. Als die ursprünglich selbstständige Stadt Höchst 1928 nach Frankfurt eingemeindet wurde, machte sie die Errichtung einer «Kleinhandelsmarkthalle binnen fünf Jahren» zur Bedingung. Nach Weltwirtschaftskrise und Weltkrieg hatten Frankfurts Stadtväter das Versprechen vergessen. Erst nach großem Widerstand der Bürger und unter der Androhung der Ausgemeindung konnte der Bau der Markthalle bis 1955 durchgesetzt werden.

Zu diesem Zeitpunkt war Anna Siegel längst Marktprofi. Sie ist mit 87 Jahren die älteste Marktfrau in Frankfurt, ein Original, an dem man nicht vorbeikommt, ohne angesprochen zu werden. Sie hat ein gutes Händchen für wunderschöne Blumen. «Schauen Sie mal, Männertreu. So schönen hatten wir noch nie», spricht sie Vorübergehende an und zeigt stolz das blau blühende Pflänzchen in die Menge.

Zwischen den rund 50 Außenständen ist an Samstagen auch der Pilzstand der Familie Kumbach aus Clausen zu finden, eine Rarität. Da gibt es neben den üblichen Champignons und Steinpilzen Züchtungen, die hat man noch nie gesehen. Riesige Austernpilze und Shiitake-Pilze. «Denen sagen die Chinesen eine heilende Wirkung nach», erklärt die Mitarbeiterin Yvonne Marx.

Sie ist auch gerne behilflich, wenn es um die Zubereitung der zart aussehenden Limonen- und Rosenseitlinge geht. «Dieser Pilz ist eher mild. Da ist es gut, wenn man ihn bei weniger Hitze und lieber mit Butter statt mit Öl in der Pfanne gart», rät sie. Am Stand gegenüber beim Gemüsehändler Drübenbach aus Griesheim bei Darmstadt fühlt man sich an Großmutters Zeiten erinnert. Kartoffeln werden noch in Gewichten ausgewogen, und es gibt dicke Saubohnen.

Die Auswahl an den 50 Ständen auf dem 1700 Quadratmeter großen Marktplatz ist riesig. Es gibt alles, von Gemüse bis Kartoffeln, exotische Frischekäsezubereitungen und Staubsaugerzubehör. Der Wandel der Jahreszeiten ist auf dem Höchster Markt deutlich zu sehen, auch bei Gärtnermeister Metzger. Zu jedem Markttag bringt er gut 500 Pflanzen für Garten und Balkon nach Höchst und baut ein riesiges Pflanzenmeer für Garten und Balkon auf. Es beginnt mit Tulpen im Frühjahr über Geranien und Stiefmütterchen, Sonnenhut, Mädchenauge und Sterntalerblume – alles aus eigener Zucht, bis hin zu Weihnachtssternen, Gestecken und Kränzen für die Gedenktage in Herbst und Winter.

Schokoladenblumen

Für alle, die sich angesichts des üppigen Speisenangebotes um ihre Pfunde sorgen, hat Werner Metzger eine kalorienfreie Süßigkeit dabei. «Da gibt es die Schokoladenblumen, die riechen nach Zartbitterschokolade, und damit kann man eine Abnehmkur machen» lacht Werner Metzger. Für 2,50 Euro. Einmal dran geschnuppert, und schon sind die Gelüste nach Süßem gestillt.

Der Korbhändler hat Geflochtenes für Hund und Einkauf dabei. Am Imbisswagen treffen sich Stammkunden, gönnen sich zu Bratwurst und Nierenspieß ein Bierchen. Flankiert wird das Markttreiben auf der Südseite vom Geschäft des Weinguts Neib.

Wer keine Lust hat, lange nach einem Parkplatz zu suchen, der erreicht den Höchster Markt auch gut mit der S-Bahn.

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