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11.05.2009

So geht’s!

Marc Kolbe Marc Kolbe

Das war kein normaler Wahlsieg, das war ein Erdrutsch, der die politischen Verhältnisse in Bad Homburg auf den Kopf stellt. Nach Jahrzehnten der Vorherrschaft ist der CDU erstmals eine Wahl in der Kurstadt verloren gegangen. Das hätte noch vor wenigen Wochen so niemand für möglich gehalten.


Doch bevor wir uns mit den Verlierern befassen, erst mal ein Wort zum strahlenden Gewinner des gestrigen Wahlsonntags. Was ist das Geheimnis des Erfolges von Michael Korwisi? Ganz simpel: Dem unabhängigen Grünen ist es gelungen, die Bürger zu erreichen. Über Wochen war er auf den Straßen präsent. Im Sport würde man sagen: Er hat Kilometer gefressen. Es war die Union, die den Begriff des «Obama der Kurstadt» ins Spiel gebracht hat – und damit aus eigener Sicht erschreckend richtig lag. Korwisi hat sich als das präsentiert, was er ist: ein Mann des Volkes.


Aber vor allem stand er – erneut lässt Obama grüßen – für einen Wechsel. Die Stadt war seit Wochen wie elektrisiert – an der CDU ist das vorbeigegangen. Mit Slogans wie «Weiter so» und «Keine Experimente» gab es für Dr. Ursula Jungherr und die CDU diesmal keinen Blumentopf zu gewinnen. Zudem wurde viel zu spät mit dem intensiven Wahlkampf begonnen.


Von Korwisi erhoffen sich die Menschen einen frischen Wind und mehr Energie (und weniger Gutachten) beim Umsetzen von Projekten. Es wird jetzt spannend werden zu sehen, wie er mit der Mehrheit im Parlament zu Rande kommen wird.


Dr. Ursula Jungherr verabschiedet sich nach sechs Jahren mit einer passablen Bilanz aus dem Amt. Um es klar zu sagen: Das Zeugnis der OB weist keinen krassen Patzer auf. Finanziell steht Bad Homburg mehr als gesund da – und das lässt auf eine der besonderen Fähigkeiten von Jungherr schließen: Sie war eine hervorragende Kämmerin. Aber sie war keine Visionärin. Und der Kontakt zum einfachen Bürger war auch ihre Sache nicht.


Ihre bittere Niederlage hat sich Jungherr aber nicht allein zuzuschreiben. Da kann sie sich zu einem Großteil bei ihrer eigenen Partei bedanken. Die Union hat in den vergangenen Jahren ein desolates Bild abgegeben. Innerparteilich wurde sich mehr mit Postengeschachere als mit Sachpolitik beschäftigt. Das Denken kreiste mehr um den eigenen Bauchnabel als um die Belange der Stadt. Beispiele gefällig? Bitte schön: Da wurde aus den eigenen Reihen eine Schwarz-Grüne Koalition torpediert, die im Wesentlichen gute Arbeit leistete. Da wurden drei Parteifreunde in Bürgermeisterwahlen mit wahrer Lust am Desaster demontiert. Da wurde noch im November auf dem Nominierungsparteitag der Union fröhlich am Stuhl der amtierenden OB gesägt. Irgendwann ist Schluss. Und irgendwann ist jetzt.


Dennoch: Auch die OB hat zuletzt Fehler gemacht. Obwohl der ehemalige Landrat Jürgen Banzer (CDU) schon Jahre zuvor den Klinik-Neubau angekündigt hatte, war, als es ernst wurde, kein geeignetes Grundstück da. Die Verwaltung hatte keine gute Vorarbeit geleistet. Auch ihre wankelmütige Haltung in Sachen Pestalozzischule wurde zum Bumerang. Und so entstanden zwei Bürgerinitiativen, die nicht unwesentlich zu ihrem Sturz beigetragen haben.