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Thuraus Computer durchsucht
Hessens LKA-Chefin im Visier staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen
Kaum ein Tag ohne neue Thurau-Nachrichten: Jetzt wurde bekannt, dass der Computer der hessischen LKA-Chefin heimlich von der Polizei durchsucht worden ist. Ein Gericht hatte die Daten-Razzia angeordnet: Sie soll im Verfahren gegen Beamte entlastende Informationen bewusst zurückgehalten haben. Von Thomas Ruhmöller
Von Thomas Ruhmöller
Wiesbaden. Der Vorgang dürfte bundesweit einmalig sein: Auf Antrag einer Staatsanwältin und mit richterlichem Beschluss haben Kripobeamte den kompletten Datenbestand auf dem Dienstcomputer der Präsidentin des hessischen Landeskriminalamtes (LKA) sichergestellt. Alle Dateien von Sabine Thurau (56), die auf ihrer Festplatte sowie "auf dem Server der Hessischen Zentrale für Datenverarbeitung" lagen, inklusive "Eigene Daten" und auch "Persönliche Postfächer", wurden beschlagnahmt, und zwar "für den längst möglichen Zeitraum".
Hintergrund dieser Daten-Razzia, die vor genau einem Jahr stattfand, ist ein längst zurückliegender Fall aus der schier unendlichen Serie "Thurau gegen Frankfurter Polizeibeamte": 2004 hatte der Kripobeamte Sch. privat eine Diskothek im Frankfurter Bahnhofsviertel besucht. Er wurde als "Bulle" geoutet und brutal zusammengeschlagen. Dienstunfall oder nicht? Der Vorgesetzte von Sch. gab in einem Formular an, dass über diese Frage zu entscheiden sei. Die Prüfung ergab: Dienstunfall.
Thurau aber witterte Betrug und zeigte – es war 2007 – gleich beide Beamte an. Ihr Vorwurf: besonders schwere Untreue zum Nachteil des Landes Hessen.
So weit, so normal (zumindest für Frankfurter Polizei-Verhältnisse). In diesem Sinne "normal" auch die weiteren Ereignisse: Das Verfahren wurde eingestellt, woraufhin die Beamten gegen Thurau Anzeige wegen übler Nachrede, falscher Verdächtigung etc. erstatteten, was ebenfalls mit Einstellung endete.
Im Jahr 2010 liefen in der Frankfurter Behörde mehrere Disziplinarverfahren, bei denen die ermittelnden Beamten neue Informationen erhielten: Danach soll Thurau 2007 bei ihrer Anzeige gegen die beiden Beamten "entlastende Umstände bewusst zurückgehalten" haben. Dabei geholfen haben soll ihr ein guter Freund, der LKA-Ermittler Wolfgang W. (52).
Und genau deswegen wurde im November 2010 gegen Thurau, die inzwischen an die Spitze des LKA gerückt war, ein weiteres Verfahren eröffnet. Der Vorwurf lautete: Verfolgung Unschuldiger. Ihr bisheriger Chef, Frankfurts Polizeipräsident Achim Thiel, stimmte der Einleitung des Verfahrens ausdrücklich zu. Die Staatsanwaltschaft schrieb damals ans Gericht: "Um ein mögliches kollusives (also zum Nachteil Dritter unerlaubtes – d. Red.) Zusammenwirken" von Thurau und ihrem LKA-Ermittlerfreund belegen zu können, sei es erforderlich, alle Daten zu beschlagnahmen und auszuwerten.
Dieses (inzwischen eingestellte) Verfahren nahm Innenminister Boris Rhein (CDU) bekanntlich zum Anlass, Thurau aus dem Amt zu drängen. Ein halbes Jahr später schickte er ihr die Entlassungspapiere zum Ende dieses Monats.
Verblüffend: Das Ministerium wurde offenbar bis heute nicht über die Razzia bei Hessens oberster Kripobeamtin informiert. Der Sprecher des Ministers konnte auch nach mehrtägiger hausinterner Recherche nicht sagen, ob es die Durchsuchung überhaupt gegeben habe. "Das klingt verdächtig nach Räuberpistole", sagte er.
Ist aber keine Räuberpistole. Ist wirklich so passiert. Der Durchsuchungsbeschlusses des Amtsgericht hat das Aktenzeichen 3460 Js 245682/10 – 931 Gs.



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