30.07.2010 Lokales Friedrichsdorf

Der vergessene Disco-Tempel 4 Kommentare

Hinter den Kulissen geht der heiße Tanz um die Teefabrik weiter – Die Chancen für eine Einigung stehen schlecht

Die farbenfrohe Sommerwiese verdeckt die Tristesse, die am unteren Ende der Industriestraße herrscht, nur teilweise.	Foto: hko Die farbenfrohe Sommerwiese verdeckt die Tristesse, die am unteren Ende der Industriestraße herrscht, nur teilweise. Foto: hko

Friedrichsdorf. Der Eigentümer lässt nicht locker und klagt sich durch die Instanzen, der potenzielle Betreiber wartet ab. Ob es jemals eine Disco in der alten Teefabrik geben wird, ist unklarer als je zuvor. Zumal zwischen den beteiligten Parteien seit anderthalb Jahren Funkstille herrscht.

Vor genau zwei Jahren erhitzte die Diskussion um eine geplante Diskothek samt Spielhalle in der einstigen Milupa-Teefabrik die Gemüter in der Hugenottenstadt. Befürworter wie Gegner des Projekts schlossen sich zusammen und tauschten ihre Argumente nicht immer sachlich aus. Auch im Bürgermeisterwahlkampf 2009 spielte das Thema noch eine gewichtige Rolle.

Der Tanztempel sollte kommen – ohne Spielothek. Das zumindest teilte der Eigentümer, die Hamburger Zertus GmbH, der Stadt im Oktober 2008 in einem veränderten Bauantrag mit. Damals waren außerdem im Erdgeschoss ein Internet-Café und Erlebnisgastronomie vorgesehen, im ersten Stock nichtzentrenrelevanter Handel und im zweiten Stock Gastronomie und ein Tierarzt. Auf dem Gelände sollten außerdem 300 Parkplätze geschaffen werden.

Seitdem ist es sehr ruhig um das große Bauwerk in der Industriestraße geworden. Der Bauzaun steht noch da, wo er 2008 errichtet worden war, kein Schild weist auf einen möglichen Baubeginn hin, genauso wenig, wie es Hinweise darauf gibt, dass das Gelände den Besitzer wechseln soll.

Vor Gericht

Hat sich der Eigentümer damit abgefunden, dass man langfristig Besitzer einer Industrie-Brache in bester Innenstadtnähe ist? Mitnichten. Wie jetzt bekannt wurde, hat die Zertus den juristischen Weg eingeschlagen und den Kreis vor das Frankfurter Verwaltungsgericht gebracht. Grund: Die Auflagen der Bauaufsicht waren den Hamburgern zu hoch. Kreis-Pressesprecherin Simone Klamt bestätigte, dass der Prozess bereits entschieden ist: «Am 17. Februar wurde die Klage abgewiesen», eine Berufung sei nicht zugelassen worden.

Doch noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. «Die Zertus GmbH hat Beschwerde gegen diese Entscheidung eingelegt», so der Pressesprecher des dafür zuständigen Verwaltungsgerichtshofs Kassel, Richter Harald Pabst. Bis über diese entschieden werde, könne es jedoch noch einige Zeit dauern. Zu einem laufenden Verfahren könne sich das Gericht nicht äußern, Pabst wies aber darauf hin, dass vonseiten des Gesetzgebers nur wenige Gründe vorgesehen seien, einer solchen Beschwerde stattzugeben.

Für den Fall der Fälle scheint sich Zertus einen Plan B überlegt zu haben, der aber von der Stadt gleich im Ansatz kassiert wurde. Erster Stadtrat Norbert Fischer (CDU) vor seinem Urlaub: «Es gab wohl Gedankenspiele, dort Wohnbebauung zu beantragen. Aber die Stadt wird an der gewerblichen Nutzung in der Industriestraße festhalten.» Zertus-Geschäftsführer Jens Dieckelmann war für Nachfragen nicht zu erreichen, dafür betonte der mögliche Betreiber, die Firma Music-Park-Concepts (MPC), dass man an den Plänen festhalte – noch.

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Kommentare

Tim Winter schrieb am 30.07.2010 08:42 Uhr

Schlaf Kindlein schlaf

Was sollte man auch anderes erwarten, in dieser Stadt. So können die Gegner und Politiker in Ruhe weiter (ver)schlafen und in aller Ruhe zusehen wie unsere Nachbargemeinden und Städte ihren Wachstum vorantreiben, während Friedrichsdorf 50 weitere Doppelhaushälften errichtet. Mal schauen wie es mit dem geplanten Einkaufszentrum weitergeht. Ob sich dort auch bald Gründe finden lassen um das Projekt Monat für Monat herauszuzögern. Es wäre nichts Neues in Friedrichsdorf!

Bewohner aus Friedrichsdorf schrieb am 30.07.2010 14:52 Uhr

wozu noch einen Tanztempel?

Es gibt in der näheren Umgebung genug Möglichkeiten um tanzen zu gehen.Allein in Frankfurt 7 große Clubs.Auch in Bad Homburg und Usingen gibt es welche.Wozu braucht Friedrichsdorf dann auch noch einen? Denkt jemand auch an die Anwohner,die durch den Krach den an-und abfahrenden Fahrzeuge,den lautstarken Treffen der Jugendlichen auf dem Parkplatz in ihrem Leben beeinflusst werden? Der Bahnhof in Friedrichsdorf sieht nach der Umgestaltung mittlerweile auch wieder saumäßig aus,da sich gerade in den Abendstunden dort die Jugendlichen treffen,Bier konsumieren und ihren Müll entsorgen.Schon alleine damit wird die Stadt nicht fertig,dann soll sie mit den Jugendlichen nach der Entstehung eines Musiktempels fertig werden.Ganz klares N E I N für so eine unsinnige Nutzung in unserer Stadt.

Gast Gast schrieb am 30.07.2010 18:57 Uhr

Hauptsache dagegen - wieder mal

typisch für manch einen Friedrichsdorfer.

Mal abgesehen davon, dass es immer Menschen gibt die das Aktuelle nicht sehen aber sich gegen Neues wehren - kleiner Einschub: randalierende Jugendbanden, schmutzige Ecken und Problembezirke gibt es in Friedrichsdorf nicht nur am Bahnhof, sondern an mehreren Ecken. Je dunkler und unbelebter die Ecken, desto schlimmer.

Weiterhin ist das vom Vorredner beschriebe, chaotische Szenario nicht typisch für eine Disko - aber es erinnert mich stark an die Argumentation einiger Projektgegner, die angrenzend an das Gelände damals beklagt hätten, sie würden sich vor Jugendlichen fürchten, die dann ihren Vorgarten beschmutzen würden oder sonstige Sachen dort tun könnten...absolut nicht der Regelfall und deswegen abwägig.

Allerdings auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass bei der damaligen Umzäunung des Geländes und der Entfernung der Bäume und Sträucher interessante Sachen entdeckt wurden. Gartenabfalllager, Kräuter- und Gemüsebete der angrenzenden Gründstücke (mit Stacheldraht teilweise umfriedet) - ein Grillplatz...erstaunlich wenn man bedenkt, dass das alles auf fremden Grund stattgefunden hat.

Abseits dieses Themas "Tanztempel" - finde ich es erstaunlich, dass der Vorredner wohl auch wie der Stadtrat gegen alternative Nutzungen zu sein scheint - was spricht denn gegen Wohnbebauung? Der Lärm? Die Leute? Oder einfach das Prinzip immer dagegen zu sein?

Ich frage mal anders...wozu bracht Friedrichsdorf das Einkaufszentrum in der Innenstadt? Wenn ich der Argumentation des Vorrendner folgen darf: Sowas gibt es in Homburg und Umgebung doch zu genüge - braucht also kein Mensch?!

Manchmal würde ich mir wünschen, dass mündige Bürger ein wenig objektiver an manche Sachen rangehen würden.

Tim Winter schrieb am 31.07.2010 09:37 Uhr

Achtung, Unterhaltung!

@Bewohner

Oh ja, wie schlimm. Jugendliche die sich abends treffen! Sperrt sie ein! Sie wollen versuchen zu leben, suchen Unterhaltung.
Sowas gehört verboten, vor allem in Friedrichsdorf!Verbietet Straßenfeste!Dort wird gelacht!Dort wird getrunken!
Richtet eine Ausgangssperre ein! 21 Uhr ist Ende auf der Straße!

Friedrichsdorf MUSS ruhig werden!

Ich glaub sie hatten eine sehr schlechte Kindheit,mehr fällt mir nicht ein!

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