Klicken Sie aufs Bild, um über eine Karte zu Meldungen Ihrer Region zu gelangen.
Erst Theater, dann Sucht
Ehemalige Drogenabhängige als Gesprächspartner für Gymnasiasten
Zwei Schauspieler vom Theater Requisit spielten Szenen gegen Drogen. Foto: jr
Von Sophia Bernhardt
Menschen mit einer Drogenvergangenheit sprechen mit Schülern über Sucht. Seit über zehn Jahren ist das Theater Requisit ein fester Baustein der Suchtprävention am Gymnasium Oberursel.
Oberursel. Nach 40 Ehejahren haben sich die beiden nichts mehr zu sagen. Bei der Rubinhochzeit kocht er Mangohase und Blattspinat, den sie verabscheut. Wegen der Wirkung. Denn wenn ihr Mann Spinat isst, kommt sie nicht dazu, mit ihm zu reden. Anders als ihr Mann denkt, macht der Spinat nichts wieder gut, sondern treibt sie in die Arme einer Frau. Die Szene, in der sie ihm gesteht, lesbisch zu sein, improvisierten die Schauspieler des Theaters Requisit auf Zuruf der Achtklässler des Gymnasiums Oberursel. Streitthemen, Alltagssituationen, positive und negative Gefühle stellten sie gekonnt in kurzen, improvisierten Szenen dar und ernteten von den achten Klassen dafür großen Applaus. Das Improvisationstheater war jedoch nur die Aufwärmphase, in der die Schauspieler zu den Schülern eine Beziehung aufbauten für die Gespräche, die danach folgten. Ohne Lehrer. Thema: Suchtprävention.
Und die Schauspieler wissen, wovon sie reden. Denn sie alle, mit Ausnahme der Leiterin und Diplom-Pädagogin Nora Staeger, haben eine langjährige Drogenkarriere hinter sich. «Sie haben den Bonus, authentisch und glaubwürdig zu sein», sagt Staeger. Das Theater schaffe Nähe. «Ohne die szenischen Darstellungen würden wir hinterher nie so intensive Gespräche führen.»
Ihre Suchterfahrungen nutzen die Schauspieler, um Drogenkonsum und seine Folgen bis hin zur Beschaffungskriminalität zu erklären. Aber bei bloßen Informationen bleibt es nicht. Die Schüler sollen zum Nachdenken angeregt werden und ihr eigenes Verhalten etwa im Umgang mit dem Internet oder bei Computerspielen reflektieren. «Die Schüler sollen sich fragen, warum sie das tun und was passiert, wenn sie es lassen. Vielleicht wollen sie etwas betäuben und nutzen das Internet als Flucht. Das ist im Prinzip nichts anderes als eine Droge», sagt Schauspieler Heinz Neffke.
Das Theater Requisit ist ein Fachbereich des «Selbsthilfe-Vereins im Taunus», der 1995 gegründet wurde. Die Mitglieder sind vorwiegend in der Suchtpräventionsarbeit an Schulen und in Unternehmen tätig.
Mit dem PC geht es los
Die Achtklässler gingen voyeuristisch an das Thema Sucht heran, berichtet Schauspieler Neffke. «Sie versuchen so viel wie möglich zu erfahren.» Der Jahrgang am Gymnasium verfüge noch über wenig Drogenerfahrung. Aber es gebe auch nichtstoffliche Drogen wie Internet und Playstation. «PC-Spiele wie ,World of Warcraft’ sind Standardthemen», sagt er.
Erst, wenn man den Jugendlichen alle Fragen beantwortet habe, gelange man auf eine tiefere Ebene, auf der die Schüler reflektierten, wofür das PC-Spiel stehe und welche Alternativen es dazu gebe, erläutert Staeger. «Weil sie uns offen erleben, sehen sie, dass sie darüber reden können, ohne sich schämen zu müssen», sagt Heinz Neffke. Die Grundsteine für suchtartige Verhaltensmuster würden früh gelegt. «Es fängt oft mit dem Computer an.»
Von den Ex-Süchtigen erhielten die Teenager auch Tipps, wie sie selbst merken, ob sie bereits erste Suchtanzeichen haben. Internetsüchtig? Dann sollte man den Computer mal eine Woche aus lassen und schauen, was passiert, ob man kribbelig wird oder ob einem etwas anderes einfällt.
Infos über das Theaterensemble unter http://www.theater-requisit.de.


Sport und Naturerlebnis in einem: Im Hochtaunus bieten sich reichlich Möglichkeiten zum Golfen.
Umfassend über den Lieblingsverein informieren lassen. Immer gratis. Und bequem per E-Mail.
Kennen Sie unsere Webseiten fürs Handy? Alle Inhalte für iPhone und Co. Passend, gut lesbar und kostenlos.



Kommentare