Weidners Kunstwerk könnte eine Philosophin sein

Der Künstler Josef Weidner hat gerade seine zweite Ausstellung im Interimsrathaus eröffnet. Dort ist er Personalratsvorsitzender. Bei ihm trifft sich Farbe mit Fantasie.

Von Andreas Obermann

Neu-Isenburg. Bettina Blüchert aus Zeppelinheim betrachtet Josef Weidners erste Skulptur-Montage. Fotos: Braungart Im Eck sitzt eine graue Schaufensterpuppe. Ihr Oberkörper ist weiß bemalt. Ihre Oberfläche ist von Farbklumpen überzogen, als ob ihre Haut alt und faltig wäre. Sie trägt blauen Lippenstift. In ihrer Hand hält sie einen Packen Pinsel. Um sie herum stehen mehrere Farbdosen, ein Wasserglas ist umgestoßen. Ihr Gesicht ist jugendlich zart. Ihr leerer Blick schweift in den Raum. Sie ist in sich versunken.

"Sie könnte Philosophin sein", erklärt Künstler Josef Weidner. Sie ist seine erste Installation überhaupt. Weidner hat gerade seine zweite Ausstellung im Foyer des Interimsrathauses eröffnet. Zu seinem Arbeitsplatz hat er es nicht weit. Er ist in der Stadtverwaltung als Personalratsvorsitzender tätig. Unter dem Motto "Surreale Welten – Farbe trifft Fantasie" stellt er rund 40 Bilder und eine Installation aus.

Natur ein Hauptthema

Die Ausstellung zeigt Weidners künstlerische Entwicklung. Seine älteren Werke aus dem Jahr 2009 werden von schweren, dunklen Farbtönen dominiert. Neuerdings malt er mit helleren, leuchtenden Farben. Die Natur ist eines seiner wichtigen Hauptthemen.

Sein Lieblingsbild der Ausstellung heißt "Schwebendes Wunder", das zwischen 2005 und 2010 entstand. Zuerst hat er mit Zeitungs- und Zeitschriftenausschnitten einen Pappkarton beklebt. Eine Überschrift eines Zeitungsartikels links oben gibt dem Bild seinen Namen. Darunter ist ein Ausschnitt des Petersdoms in Rom zu sehen.

Die Collage hat er teilweise übermalt und gerahmt. Auf das Rahmenglas hat er ebenfalls gemalt und in die trockene Farbe geritzt. Das Werk besteht aus mehreren Ebenen und wirkt bei näherem Hinsehen plastisch. Viele bunte Farben und geometrische Figuren wie Rechtecke und Kreise sind abgebildet.

Direkt daneben hängt ein farbenfroher, ausladender Baum. Gerade die unterschiedlichen Farbkompositionen lassen das Bild surreal wirken. Die Konturen des Baumes sind sehr deutlich erkennbar. Auf das Glas des Rahmens ist eine bemalte Plastikscheibe geklebt. Hier arbeitet Weidner auch auf verschiedenen Ebenen. Drei menschenähnliche kleine Figuren am Boden lassen den Baum riesig und übermenschlich wirken. Der Mensch wirkt unbedeutend im Vergleich zu der Natur. Das wurde ihm erst wieder nach dem Erdbeben in Japan bewusst.

Vielseitig einsetzbar

Am liebsten malt Weidner mit Acrylfarbe. Diese sei vielseitig einsetzbar und schön zu bearbeiten. Vor allem trockne sie schnell, wodurch er seine Bilder in kurzen Abständen bearbeiten könne. Öl hingegen brauche mehrere Wochen zum Trocknen. "Bei drei Kindern bleibt nicht so viel Zeit übrig", so der Künstler.

In der Ausstellung hängen auch einige filigrane Tuschezeichnungen an der Wand. Des Weiteren experimentiert er mit Bleistift, Silberstift und Pastellkreide. Seine Bilder haben normalerweise keine Namen. Er möchte wie Georg Baselitz keine Interpretation vorgeben. Diese läge beim Betrachter. Zwei Bilder hängen gar schon auf dem Kopf.

Weidner vergleicht sich nicht mit anderen Künstlern. Er möchte seinen eigenen Stil entwickeln. Fotorealistische Werke, wie sie etwa Gerhard Richter malt, würde er nicht produzieren. Weidner: "Das widerstrebt meiner Natur."

Die Ausstellung geht noch bis zum 30. Juni. Weitere Bilder sind auch auf seiner Website http://www.joseph-weidner.de zu sehen.

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