02.07.2010 Lokales Bommersheim Oberursel

Senioren schreien und treten

. . . .und lernen so, sich gegen Angreifer zu wehren

Tritt gegen die „Pratze“: Michael Weber (rechts) zeigt, was er bei Trainer Thorsten Steiner gelernt hat.	Foto: Priedemuth Tritt gegen die «Pratze»: Michael Weber (rechts) zeigt, was er bei Trainer Thorsten Steiner gelernt hat. Foto: Priedemuth

Von Muriel L. Frank

Wie man sich richtig verteidigt, lernten 20 Senioren in einem zweitägigen Selbstverteidigungsseminar. Die Teilnehmer waren begeistert und so wird es bald einen weiteren Kurs geben, kündigte Seniorenbeauftragte Doris Bill an.

Bommersheim. «Stopp, lassen Sie mich in Ruhe!», schreit Angelika Stiller durch den Raum, während sie ihre Hände abwehrend vorstreckt und den imaginären Angreifer so auf Distanz hält. Die 71-Jährige ist eine von 20 Teilnehmern des Selbstverteidigungsseminars für Senioren in der Burgwiesenhalle und übt, wie sie ihre Stimme laut und wirkungsvoll gegen einen Angreifer einsetzen kann.

Der Selbstverteidigungskurs, eine Zusammenarbeit von Volkshochschule und Stadt, hat das Ziel, «für Senioren, die auch abends noch unterwegs sind, etwas zu tun». Wer weiß, wie er sich zu verteidigen hat, der kann auch abends und an einsamen Orten ein Gefühl der Sicherheit entwickeln, glaubt Seniorenbeauftragte Doris Bill. Sie freut sich über die große Resonanz: «Das bestärkt uns, bald ein weiteres Seminar anzubieten.»

Trainer Thorsten Steiner ist begeistert von seinen motivierten Teilnehmern. «Sie sind diszipliniert und man kommt in der Gruppe schnell voran», lobt er.

An zwei Vormittagen kombiniert er Praxis und Theorie miteinander, übt mit den Senioren die Koordination und die Reaktionsgeschwindigkeit und bringt ihnen bei, wie sie Gefahren erkennen und auch vermeiden können.

«Es ist wichtig, dass man auf die eigenen Gefühle hört und sich nur in Situationen begibt, die einem ein Wohlgefühl vermitteln», erklärt der Karatetrainer. Schließlich beginne Selbstschutz nicht erst mit der Verteidigung.

Doch apropos Verteidigung. Dazu gehören natürlich die passenden Techniken. «Ich lehre nur eine kleine Auswahl an Techniken. Das ist effektiver», berichtet Steiner, der in Usingen im Verein Jugendliche und Kinder trainiert.

«Zur Verteidigung nutzen wir nur unseren Körper», hat Jörg Willkomm (69) gelernt. Körpereigene Waffen sind beispielsweise die Handballen, Ellenbogen, Knie oder Füße. «Pfefferspray und andere Waffen sind tabu, denn der Angreifer könnte sie uns abnehmen und dann gegen uns verwenden», so der Pensionär. «Als Senior fühlt man sich abends im Park oder in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht immer sicher», gibt er zu. Doch nach den Trainingseinheiten habe er neue Selbstsicherheit gewonnen, denn nun wisse er, wie man sich verteidige.

Auch Angelika Stiller findet Selbstverteidigung sehr wichtig. «Ich bin nicht ängstlich und auch noch nie in einer gefährlichen Situation gewesen. Aber zu wissen, was man im Notfall tun muss, ist sicherlich gut», meint die 71-Jährige. Das Seminar bei Thorsten Steiner hat ihre Kenntnisse aufgefrischt. «Vor 20 Jahren habe ich nämlich schon mal einen Frauenselbstverteidigungskurs besucht», berichtet die Oberurselerin.

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