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So macht Geschichte Spaß!
Mit der Laienspielschar unterwegs auf dem Laternenweg – Jetzt auch in Mundart
Von Julia Bloching
Wer die Kronberger «Nationalhymne» hören möchte, wissen will, warum Seiltanz, Weinanbau und das Züchten von Kanarienvögeln in der Burgstadt Tradition haben und was es mit der «Gaas» auf sich hat, der sollte sich eine Führung auf dem Laternenweg nicht entgehen lassen.
Kronberg. Die 1. Kronberger Laienspielschar führt regelmäßig durch die nächtlichen Altstadtgassen und erzählt dabei so manch interessante und amüsante Anekdote – jetzt sogar erstmals in Kronberger Mundart!
Die Nachtwächter, dargestellt von Annette Reinhardt und Petra Nauheim, begannen den Rundgang an der alten Linde am Tanzhausplatz. Die Laienspielschar in Kronberger Tracht unterstützte sie mit schauspielerischen und musikalischen Einlagen. Doch bevor es richtig losgehen konnte, hieß es: Warten auf die Ehefrau. Die Lisette brauchte ewig, bis sie endlich beikam mit Hut, Trinkhorn und Bembel – unerlässlichen Utensilien für einen Nachtwächter. Doch es sei ihr verziehen, ist sie doch ansonsten eine ganz brauchbare Ehefrau. Tanzen kann sie – «da gehd mir mei Herzsche uff wie e Kräbbel», schwärmte der Gatte (Petra Nauheim). Der Tanzhausplatz nämlich habe seinen Namen vom Tanzhaus, das früher an der Stelle der Streitkirche gestanden habe. Dieses Haus sei eigentlich zum Beraten wichtiger städtischer Belange errichtet worden. Nach dem Beraten sei man aber rasch zum geselligen Teil übergegangen, zum Tanzen, Trinken und Fröhlichsein. Und wo früher der Apfelwein floss, da sprudelt heute ein anderes heilsames Getränk: das Kronthaler Wasser. Die Quelle im Kronthal wurde 2004 saniert und auf Anregung des Altstadtkreises wird das Wasser seither hoch zum Tanzhausplatz gepumpt.
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Auf der Schirn hatten die Nachtwächter erneut Wissenswertes zu berichten. Der Brunnen auf dem früheren Marktplatz diente den Pferdefuhrwerken, die vom Tal aus die Pferdstraße hochkamen, als Rastplatz. Später schmückte der Kronberger Künstler Fritz Best den Brunnen mit der Bronzefigur einer Bäuerin, die vom Feld heimkommt. Angeblich, so berichteten die Nachtwächter, handelt es sich dabei um ein Bildnis seiner Mutter. Best habe die reichen Kronberger mit der Gestalt der einfachen Frau daran erinnern wollen, dass Kronberg nicht immer reich gewesen sei. Auf der Schirn lüftete die Laienspielschar auch das Geheimnis um den Seiltanz. Die Familie Neubronner habe eine Leidenschaft für den Seiltanz gehabt, über den Platz Seile von Haus zu Haus gespannt und dort das Balancieren geübt.
Scherenschnitte
Weiter ging es in der fortschreitenden Dämmerung. Die Scherenschnitte, mit denen der Trendelburger Künstler Albert Völkl vor einigen Jahren die Kronberger Laternen schmückte, kamen nun immer besser zur Geltung. Die Nachtwächter führten die Schirnstraße hinunter bis zur Stadtmauer aus dem Jahr 1390, wo die Laterne vor dem Haus Nummer 3 die Geschichte vom Weinanbau in Kronberg erzählt. Wie zufällig erwartete dort auf der Mauer ein Winzer die Besucher. Im Rathausgarten wird der «Rote Regent» angebaut – ein seltenes Tröpfchen. «Nur ganz besondere Leut’ kriegen den», wussten die Nachtwächter. Ihr Tipp: Beim Kunst- und Weinmarkt am 7. und 8. August sollen ein paar Flaschen entkorkt werden.
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