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Albtraumbuch und Göttin der Rache
Acht Friedrichsdorfer Autoren stellen sich in Garniers Keller vor
Die Literaturwerkstatt-Teilnehmer der musisch-bildnerischen Abteilung präsentierten erstmals ihre Werke.
Von Christel Wösner-Rafael
Friedrichsdorf. ![]()
Eine illustre Autorenrunde mit Moderator Harry Oberländer (hintere Reihe, 2.v.l.) bot einen unterhaltsamen Abend. Foto: wös Eine Komposition von Yann Tiersen, "Comptine d’un autre été: l’après midi" stimmte auf die Lesung ein, am Klavier begleitete Elvira Braunagel, Pianistin und Organistin. "Wir machen das mit unseren Texten so, wir stellen sie in unserem Kreis vor und wenn jemand den Eindruck hat, da muss etwas repariert werden, dann machen wir das auch", erklärte Harry Oberländer, Leiter der Literaturwerkstatt in der musisch-bildnerischen Werkstatt und Leiter des Hessischen Literaturforums im Mousonturm Frankfurt. In einer öffentlichen Lesung in Garniers Keller stellten acht Autoren der Literaturwerkstatt nun ihre Werke vor.
"Wir beschäftigen uns nicht mit bestimmten Formen und Themen, entscheidend ist, was die Teilnehmer einbringen."
Martina Weyreter las aus ihrem "Albtraumbüchlein", dem treuen Begleiter auf dem schweren Weg zur Doktorarbeit. Fluchtgedanken, schlaflose Nächte, Sinnkrisen durch irreale Vorkommnisse in Albträumen waren ständige Begleiter. Leider kam die zarte Stimme der Vorleserin nicht an den Tischen im hinteren Teil von Garniers Keller an, ein Mikrofon wurde installiert.
Ihre eigene Familiengeschichte arbeitet Marty Fuchs in "Exodus" auf. Vertreibung aus Oberschlesien 1945, das Elend der eingepferchten Menschen in engen Güterwaggons, das Ankommen irgendwann auf einem Bahnhof, halbverhungert und unendlich traurig. Die Musik aus einem Harry Potter-Film, "Harry im Winter" von Patrick Doyle, holte die Zuhörer aus der Melancholie des Vertriebenendramas zurück.
Irlandexperte Pfarrer Dr. Fritz Huth las die Geschichte der Königin Medb von Connacht (Irland), eine Göttin des Krieges, die selbst physisch in die Schlacht eingriff und eine Göttin der Rache war. Der Sage nach soll sie aufrecht bei Sligo mit dem Schwert in der Hand begraben worden sein, damit sie nach dem Tod noch mit ihren Feinden kämpfen kann.
"Unsere nächste Autorin ist Sylta Purrnhagen, ihr Vater kommt tatsächlich aus Sylt", kündigte Oberländer an. Sie las die Erzählung "Die Natter", ein nicht immer freundliches Gespräch unter Kaffeehaus-Damen. Der "Foxtrott Fleur" aus Harry Potter begleitete in die Pause.
Andreas Hutt aus Marburg, Lehrer für Deutsch und Mathematik, ließ Blitzlicht-Gedichte durch einen Bergwerksschacht und über Grabsteine auf einem Friedhof sausen, Titel: "Schlafphasen", vielleicht anlehnend an das Literaturfestival in Rauischholzhausen "Eine Silbe macht noch lange keinen Satz".
Ist ja nur Papier
Dr. Kristina Edel, Germanistin, ist da anderer Meinung. "Sprache ist alles, was zählt", und auf eine einsame Insel würde sie Stift, Papier und ein Handy mitnehmen – für den Fall, dass sie abgeholt werden möchte. Die Sprache ihres Romans "Eulenruf", der zum Teil in Burgholzhausen spielt, ist locker, baut Spannung auf, setzt präzise die leichte Auflockerung – bis zur nächsten Hochspannung.
Olivera Gligoric-Fürer nannte ihren leicht biografischen Beitrag "Sprachtest – eine Integrationsbiografie". Protagonistin Katy ist mit drei Jahren aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland gekommen, hat hier studiert, spricht und schreibt als Journalistin ein ausgezeichnetes Deutsch und muss nun zum "Sprachtest". Die Kindheit läuft noch einmal vor ihr ab, wie jedes andere Kind behandelt werden wollte sie nur, doch die Ausgrenzung war spürbar.
Es sind die inneren Zerwürfnisse, die Selbstfindungsprozesse und die Identitätskrisen, von Jugoslawien immer weiter entfernt und in Deutschland immer mehr zu Hause zu sein. Dann Katys trotziger Entschluss: "Ist ja nur Papier, ich mach’ den Test!"
Heipe Weiß, ein Meister der Verschachtelungssätze, nahm die Zuhörer humorvoll mit in eine Werbekampagne für Zahnpasta und hinterfragte sophistisch die Werbeeinnahmen des Zahnarztes für die Anpreisung des kariesvorbeugenden Effektes. Mit "Jazz Ostinato" von Gerald Martin ging die abwechslungsreiche Lesung zu Ende.


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