Klicken Sie aufs Bild, um über eine Karte zu Meldungen Ihrer Region zu gelangen.
Balanceakt im Schloss
Das Fünf-Sterne-Hotel muss Brand- und Denkmalschutz unter einen Hut bringen
Angesichts der vielen wertvollen Kunstgegenstände im Schlosshotel verbietet sich der Einbau einer Sprinkleranlage von selbst, doch es gibt noch mehr zu bedenken, um das historische Gebäude für den Brandschutz zu ertüchtigen.
Von Boris Schöppner
Kronberg. ![]()
Im Roten Saal des Schlosshotels wird gearbeitet: Die Brand- und Rauchmelder sollen so angebracht werden, dass die Gäste sie nicht sehen. Fotos: jr Brandschutz in einem modernen Gebäude zu installieren, das ist kein Problem. Zur Not klopft man ein paar Schlitze in die Wand, verlegt die Kabel für den Rauchmelder an der Decke und spachtelt anschließend die Spalten wieder zu. Je älter ein Gebäude ist, desto schwieriger dürfte allerdings die Lösung von der Stange sein. Und wie ist es, wenn es sich um ein historisches Gebäude handelt, das unter Denkmalschutz steht? Da ist etlichen Besonderheiten Rechnung zu tragen.
Seit zwei Jahren befasst sich Ingo Wieth von der Bauabteilung der Hessischen Hausstiftung mit dem Brandschutz im Schlosshotel, ein ständiger Balanceakt zwischen Anforderungen der modernen Feuerschutzbestimmungen, der Verantwortung für die historische Substanz und dem technisch Machbaren. Hinzukommt, dass der Witwensitz von Kaiserin Victoria seinerzeit nicht als Hotel konzipiert war, sondern als "Einfamilienhaus", wie Wieth scherzhaft anmerkt.
In den vergangenen zwei Jahren arbeiteten sich die Handwerker vom Dach bis ins Erdgeschoss, gestern begannen die Arbeiten im Roten Salon. Konstant in den zwei Jahren war eins: Es musste ständig mit Überraschungen gerechnet werden. Wieth erinnert sich daran, dass die Handwerker an einer Stelle extra eine Probebohrung in eine Decke gemacht hatten, um zu sehen, ob sich dort die Kabel verlegen lassen. Der Platz schien auszureichen, doch als es ernst wurde, stellten sie fest, dass es sich um eine Rippendecke handelte und bei der Probe zwischen zwei Rippen gebohrt wurde. Den vermuteten Platz gab es also gar nicht.
Im ersten Stock wurden die Kabel unter dem Parkettboden verlegt, weil die Deckenlösung nicht funktionierte. Das bedeutete: Parkett raus, Kabel rein, Parkett wieder zu. Und mitunter kreuzt auch mal ein Stahlträger den für die Kabel vorgesehenen Weg. Da ist Improvisationstalent vonnöten.
Gute Planung erforderlich
![]()
Die historischen Textiltapeten müssen mit Folie geschützt werden.Andererseits ist eine gute Planung erforderlich: Die Arbeiten sollen den Hotelbetrieb so wenig wie möglich beeinträchtigen, wie Hoteldirektor Franz Zimmermann erklärt.
Schreiner Florian Fuhrmann arbeitet seit elf Jahren für die Hessische Hausstiftung vorwiegend im Schlosshotel. Dennoch gibt es auch für ihn noch immer an allen Ecken und Enden Überraschungen. Ob er da nicht manchmal fluchen müsste? Das will er lieber nicht kommentieren, wohl aber die Qualität der handwerklichen Arbeit der Vergangenheit: "Es ist schon beeindruckend, was die alten Schreiner draufhatten." Insbesondere die Verbindungen seien sehr aufwändig und mittlerweile aus der Mode gekommen. Fuhrmann weiß es zu schätzen, dass er die Zeit erhält, die erforderlich ist, auch Details liebevoll auszugestalten. "Das ist auf dem freien Markt nicht möglich", sagt er. Seine Arbeit unterschiedet sich also erheblich von der jener Schreiner, die im Akkord Fenster und Türen in Neubauten setzen müssen.
Die neue Brandschutzanlage besteht aus verschiedenen modernen Brand- und Rauchmeldern, die nun flächendeckend angebracht wurden. Die Brandmelder selbst werden an der Decke installiert und dann mit Kabeln versehen, die dann hinter den Holz- oder Stuckdecken verschwinden, was mitunter die Rekonstruktion von Stuckelementen erforderlich macht.
Zu einem Brandschutzkonzept gehören auch die Fluchtwege. Die Halle und der Haupteingang zählen allerdings nicht zu den Hauptfluchtwegen, weiß Hoteldirektor Franz Zimmermann. Und das ist gut so, denn sonst müssten die ganzen Kunstwerke, die dort stehen, weggeräumt werden.
Damit die Hotelgäste auch bei einem Stromausfall wissen, wo die Fluchtwege verlaufen, gibt es eine Notbeleuchtung – die ebenfalls unauffällig in das historische Ambiente eingepasst wurde: Von den jeweils drei LED-Leuchten sind beispielsweise im kleinen Speiseraum nur kleine Punkte in den Sockelleisten zu sehen.
Eine besondere Herausforderung sieht Wieth darin, historische Türen rauchdicht zu bekommen. Doch auch das funktioniere. Die Türen jedoch, die den strengen Bestimmungen einer Brandschutztür entsprechen müssen, werden indes durch moderne Türen ersetzt.


Bereichern Sie Ihr Wissen über das Christentum - lernen Sie in unsere Serie alles über die Religion. Von A wie Abel bis Z wie Zölibat.
Bereichern Sie Ihr Wissen über die große Weltreligion - lesen Sie unsere Serie! Hier zum Herunterladen als PDF-Sammlung.
Sport und Naturerlebnis in einem: Im Hochtaunus bieten sich reichlich Möglichkeiten zum Golfen.
Umfassend über den Lieblingsverein informieren lassen. Gratis. Und bequem per Mail.
Folge uns unter