Berichte aus der zweiten Reihe

Günter Mann möchte mit seinen biografischen Aufzeichnungen jungen Menschen Lebenshilfe geben

Günter Mann lässt mit seiner Stiftung für besonders gute Absolventen des Gymnasiums Oberursel nicht nur junge Menschen mit einer finanziellen Starthilfe ausstatten, sondern er möchte durch seine biografischen Berichte auch andere Menschen an seinem Erfahrungsschatz teilhaben lassen.

Von Christine Šarac

Oberursel. In seinem Buch blickt Günter Mann auf seine Schulzeit, aber auch auf seine Arbeit als Marketingexperte zurück. Foto: Priedemuth Sprachen lernen, sich weiterbilden, reisen, damit hat sich Günter Mann ein Leben lang beschäftigt. Nach Kriegsende musste der 1930 in Stuttgart geborene Bad Sodener allerdings erst einmal lernen sich durchzubeißen. "Natürlich wäre ich froh gewesen, wenn mich damals jemand bei meinen ersten Schritten ins Erwachsenen- und Berufsleben unterstützt hätte", sagt der heute 81-Jährige. "Umso wichtiger war es mir, heute etwas für junge Menschen zu tun."

Günter Mann, der als Sohn eines Notars und einer Hausfrau in der Kleinstadt Lauffen am Neckar aufwuchs, hat deshalb eine Stiftung ins Leben gerufen, mit der jedes Jahr ein vielversprechender Abiturient des Gymnasiums Oberursel ausgezeichnet werden soll, der über keinen großen finanziellen Hintergrund verfügt. (TZ berichtete).

Beruflich erfolgreich, aber unverheiratet und kinderlos geblieben, habe er die Idee, eine Stiftung zu gründen, schon lange mit sich herumgetragen. Im vergangenen Jahr wurde die Schülerin Ivana Medo als erste mit dem mit 3500 Euro dotierten Preis bedacht.

Starthilfe für Schüler

"Ich habe die junge Frau bei der Abiturfeier, bei der ihr auch der Preis überreicht wurde, kennen gelernt", erinnert er sich. Das Geld solle eine Starthilfe sein, betont der Pensionär. "Zurzeit denke ich darüber nach, noch einen zweiten, etwas geringer dotierten Preis zu vergeben", so Mann. Aber diese Idee sei noch nicht ausgereift.

Wie aus dem Jungen, der eine Dorfschule besuchte, ein erfolgreicher Marketingexperte beim Global Player Nestlé werden konnte, hat Günter Mann jetzt in einem Buch mit dem Titel "Erinnerungen und Gedanken" aufgeschrieben. Die Textsammlung ist kürzlich bei "Books on demand" erschienen. "Als Pensionär habe ich immer wieder zu Stift und Papier gegriffen, wenn mir danach war und habe meine Erinnerungen festgehalten", erzählt der Bad Sodener. Es ist keine herkömmliche Autobiografie, sondern es werden Episoden aus dem bewegten Leben des 81-Jährigen erzählt. "Berichte aus der zweiten Reihe", wie Mann im Untertitel des Buches schreibt. Schulzeit, Kindheit und Jugend sowie seinen für damalige Zeiten ungewöhnlichen beruflichen Werdegang schildert der Autor in sehr lebendiger Sprache. Auch Fachliches, Günter Mann ist Marketingexperte und hat die Entwicklung der Branche sehr früh mitverfolgt, wird von ihm angesprochen. Das Buch endet mit einem sehr persönlichen und emotionalen Kapitel, dass sich mit dem Sterben seiner Mutter auseinandersetzt. "Ich habe nie geplant, aus meinen Erinnerungen ein Buch zu machen", sagt Günter Mann. "Auf diese Idee hat mich erst ein Mitbewohner des Seniorenheims, in dem ich lebe, gebracht."

An seine eigene Schulzeit, die im Buch ein ganzes Kapitel einnimmt, denkt der Senior heute noch gern zurück. Von 36 Jungen, die die Dorfschule besuchten, machten nur drei ihr Abitur und Mann war sogar der einzige, der studierte.

"An der Wirtschaftshochschule Mannheim, der heutigen Universität, machte ich 1957 meinen Abschluss", erzählt Günter Mann. Damals habe er bei einer Familie zur Untermiete gewohnt. "Wenn ich mich morgens waschen wollte, musste ich erst durch das Zimmer meiner Vermieter, um in die Küche zu gelangen. Ein Bad gab es in diesem Haus nicht. Aber das kann sich heute wohl kaum noch jemand vorstellen."

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