Bürohäuser bergen besondere Gefahren

Große Alarm-Übung der Wehr im Industriegebiet

Was tun, wenn‘s brennt? Die Feuerwehrleute aus Steinbach und Stierstadt konnten bei einer Alarm-Übung am Freitag beweisen, dass sie die Antwort kennen.

Von David Schahinian

Steinbach. Auch das Bergen verletzter Personen gehörte zur großen Alarm-Übung. Foto: SchahinianGroßeinsatz für die Feuerwehr: Am Freitagabend waren die Martinshörner im Industriegebiet kaum zu überhören. Insgesamt neun Fahrzeuge der Steinbacher und der Stierstädter Brandbekämpfer mit rund 40 Mann Besatzung waren im Einsatz, um im "Haus der Wirtschaft" in der Daimlerstraße 6 zu retten, was zu retten war.

Und das war eine ganze Menge: Aus dem dritten Stock wurde starke Rauchentwicklung sowie ein Schwerverletzter gemeldet. 17 Menschen waren im Treppenhaus auf der Flucht vor dem Feuer gestürzt. Und da ein Unglück selten alleine kommt, brannte in der Tiefgarage ein Auto, und es wartete ein weiterer Schwerverletzter auf Hilfe.

Was die Anwohner und einige Eingeweihte schon vorher wussten, war den mutigen Feuerwehrmännern zunächst nicht bekannt. Es handelte sich um eine unangekündigte Alarm-Übung, die einmal im Jahr durchgeführt wird. Stadtbrandinspektor Dirk Hagen bekam den Tipp für eine geeignete Immobilie von einem Kollegen aus den eigenen Reihen: "Andreas Nöll hat in dem Gebäude seine Büroräume. Es ist allerdings schwierig, sich bei so einer Übung vorher nicht zu verraten. Da müssen alle dicht halten."

Für Markus Braunsburger, Geschäftsführer der für das Gebäude verantwortlich zeichnenden BPT Invest GmbH, war die Anfrage von Nöll eine willkommene Generalprobe für die rundum erneuerte Sicherheitstechnik. "Jeder einzelne Raum ist mit Brandmeldern ausgestattet, sogar die Fahrstühle haben eine dynamische Brandfallerkennung", erklärt er. Und ergänzt: "Für mich ist sehr spannend zu sehen, ob das in der Praxis funktioniert."

Normalerweise wird bei solchen Übungen auch das DRK einbezogen, das sich vor allem um die Betreuung der Opfer kümmert. Da das dieses Mal aus zeitlichen Gründen nicht möglich war, hatte jeder Verletzte ein Schild mit seiner ersten Diagnose umhängen: Blutdruck, Atemfrequenz, Art der Verletzung – sogar die Information, ob er gehfähig ist oder nicht, war dort abzulesen.

In der Realität gibt es diesen Luxus nicht, und so blieb für Einsatzleiter Ralf Kiwitzki, der wie seine Kollegen ins kalte Wasser geworfen wurde, eine Menge zu tun.

"Das Bürogebäude hat eine sehr heterogene Struktur", erklärt Dirk Hagen. "Da einzelne Räume separat vermietet werden, müssen die Feuerwehrmänner theoretisch jedes einzelne Zimmer absuchen." Die Rettung der Verletzten in der Übung sei darüber hinaus sehr komplex, da die Kollegen 17 Menschen mit unterschiedlichsten Einschränkungen aus dem Treppenhaus holen müssten. Ganz so abwegig sei das erfundene Szenario im Übrigen nicht. Als Feuerwehrmann müsse man immer an ungewöhnliche Situationen denken, beispielsweise an Giftstoffe oder Übergriffe von vermeintlichen Opfern.

Die Manöverkritik fiel weitgehend positiv aus. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Stierstadt, mit denen man sich die Drehleiter teilt, funktionierte reibungslos. Aus den Dingen, die noch nicht glatt gelaufen sind, konnten sowohl die Einsatzkräfte als auch die Hausverwaltung wichtige Schlüsse ziehen für einen Notfall, der in dieser Form hoffentlich nie eintritt – da waren sich alle einig. Wenn doch, kann sachgerechtes Verhalten überlebenswichtig sein, so Dirk Hagen: "Ein typischer Fehler nach einem Alarm ist, sich umzuschauen und dann weiterzuarbeiten, wenn man in seiner unmittelbaren Nähe nichts sieht." Es sei entscheidend, dass die Menschen die Fluchtwege nutzen und das Gebäude lieber einmal zu viel verlassen als einmal zu wenig.

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