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Der ewige Caddy
Der Homburger Günter „Tilly“ Fleischer feiert heute seinen 90. Geburtstag
Soldat, Maschinenschlosser, Greenkeeper und passionierter Kiwi-Züchter – all das ist Günter Fleischer in einer Person. Der heute 90-Jährige blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. So musste wegen seiner Golfleidenschaft einmal sogar ein US-General leiden.
Von Wolfgang Zimmermann
Bad Homburg. ![]()
Günter "Tilly" Fleischer in seinem Element: Als Greenkeeper auf dem Golfplatz (großes Bild). Kleines Foto: Sportliche Meriten verdiente er sich als Handballer der 05er. Fischer ist der 5. von links in der hinteren Reihe. Fotos: Archiv wozi 1,50 Reichsmark – das war der Wochenlohn von Günter Fleischer während seiner Maschinenschlosserlehre. Eine mühsame Zeit, sagt er im Nachhinein. Doch es war auch eine Zeit, die ihn für seinen weiteren Lebenslauf geprägt hat. Heute feiert der Homburger seinen 90. Geburtstag.
Geboren in Hannover, kam der Jubilar erst 1936 in die Kurstadt. Mit seiner offenen Art gewann der Jugendliche schnell Anschluss. Bei den "05ern" spielte er in der ersten Fußballmannschaft, bei Pfarrer Füllkrug, dem einstigen Hofprediger Wilhelms II., besuchte er den Konfirmandenunterricht. Nach der Schule entschloss er sich, den Beruf des Maschinenschlossers zu erlernen. Doch kaum war die Lehre abgeschlossen, musste Fleischer, der wegen seiner berühmten Cousine, der Speerwurf-Olympiasiegerin Tilly Fleischer nur "Tilly" gerufen wurde, in den Krieg.
Dass sich Fleischer nach dem Krieg dann im Gefängnis wiederfand, lag daran, dass er mit seiner Kriegsgefangenen-Einheit zum Minen entschärfen nach Norwegen versetzt werden sollte. Doch diesem "Himmelfahrtskommando" entzog sich "Tilly" und suchte bei seinen Eltern in Homburg Unterschlupf. Doch er wurde denunziert, verhaftet und für 14 Tage ins Gefängnis gesperrt, bevor er unter Polizeibewachung wieder nach Wilhelmshaven eskortiert wurde, wo er "wegen unerlaubter Entfernung aus der Gefangenenschaft" zu einer dreimonatigen Haftstrafe verdonnert wurde.
Nach seiner Freilassung 1946 kehrte er in die Kurstadt zurück und schloss sich wieder den 05ern an. Als rechter Verteidiger der Herren-Handballmannschaft, Vorstandsmitglied und Mitorganisator der Bad Homburger Handball-Bäderturniere erwies er dem Verein seine Dienste. Sogar ein Frauen-Feldhandball-EM-Spiel holte er 1956 an die Sandelmühle. Über 7000 Zuschauer pilgerten damals zum Sportplatz.
Leidenschaft Golf
Doch schon bald kam er mit einem weiteren Verein in Kontakt, die bestimmend für seine Zukunft sein sollte: dem Homburger Golfclub. Mit Spaten, Rechen, Schaufel und Sense widmete er sich fortan dem "heiligen Rasen" und richtete den 9-Loch-Platz im Kurpark wieder her. Er stutzte das Gras auf die vorgegebene Millimeterlänge und beschaffte Gras-Samen. Immerhin verdiente er sich hier nun ganze 82 Pfennig in der Stunde.
Doch um ein Haar hätte er das Gefängnis zum zweiten Mal von innen gesehen: Wegen akuten Wassermangels war ein striktes Sprengverbot verhängt worden. Selbstverständlich hielt sich Fleischer an dieses, leider drehte er eines Abends "rein zufällig und ohne böse Absicht" die Wasserhähne nicht zu. Mit der Folge, dass der Militärgouverneur General Mc Narmey plötzlich kein Wasser mehr in der Dusche hatte. Der vermutete einen Rohrbruch oder gar Sabotage und schickte die GIs los, die allerdings den Verursacher nicht feststellen konnten.
Nach dem Bau des Golfplatzes am Schloss Kronberg bot der Bad Homburger Industrielle Werner Reimers seinem Werkzeugmacher Fleischer an, dort als Platzwart tätig zu werden. Aber dabei blieb es nicht, Fleischer bildete sich in den USA als Greenkeeper weiter und ist Mitbegründer der Euro-Sportring-Organisation sowie der Internationalen Greenkeeper-Vereinigung. Er selbst sagt: "Golf ist ein faszinierender Wettkampf und Volkssport geworden und längst kein Zeitvertreib mehr für gut Betuchte".
2000 Score-Cards
Heute verbringt er seine Freizeit mit dem Ordnen seiner über 2000 Score-Cards der Golfclubs dieser Welt. Auch internationale Briefmarken mit Golfmotiven haben es dem passionierten Sammler angetan. Ganz nebenbei hat er auch noch Kiwis gezüchtet. Seine Arbeit hat ihn fit gehalten: Der 90-Jährige fährt gerne Auto, spaziert munter durch die Stadt, radelt, pflegt seine zahlreichen Kontakte, und oft findet man ihn beim Studieren der Taunus Zeitung.
Eine weitere Beschäftigung hat Fleischer abgeschlossen: das Schreiben seiner Vita. Auf 59 Seiten hat er seine aufregende Biografie verfasst.


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