Drei Generationen Schüler

Sie waren alle auf der Philipp-Reis-Schule: Tochter, Mutter, Oma und noch einige Cousins

Mehr Philipp-Reis-Schule im Familienstammbaum geht kaum: In der Großfamilie Augsburg/Borsutzki/Jähnel finden sich drei Generationen, die alle auf der "Philipp-Reis" die Schulbank gedrückt haben. Zum Abschied von ihrer alten Schule am Hohen Weg gab es jetzt ein Familientreffen mit jeder Menge Erinnerungen an vergangene Zeiten.

Von Katja Schuricht

Friedrichsdorf. Tina Borsutzki blickt auf den Eingang des Altbaus und hat eine Eingebung: "Schokokussbrötchen", sagt sie. Wer früher, lange vor der Zeit, als es an der Philipp-Reis-Schule eine Cafeteria oder Mensa gegeben hat, an der PRS war, weiß, von welcher ganz besonderen Pausenhofspezialität die 46-Jährige spricht: "Das Fenster rechts neben dem Eingang hat sich immer zur großen Pause aufgeschoben. Der damalige Hausmeister Rengers verkaufte in seinem improvisierten Kiosk an uns Schüler Schokokussbrötchen", erinnert sie sich. "Und Kümmelstangen, in die wir BiFi gesteckt haben, lecker war das und hat auch nur in den Pausen und nicht zu Hause geschmeckt", fügt ihre Cousine Jutta Jähnel hinzu.

Die beiden sind Großcousine und Tante der jungen Dame, die den Stein ins Rollen gebracht hat: Alexandra Augsburg, Schülerin der Klasse 10 R 3 der Philipp-Reis-Schule. "Es ist schon über ein Jahr her, dass unsere damalige Lehrerin Frau Privat uns bat, für die geplante Schulchronik alle Familienmitglieder aufzuschreiben, die auch an der PRS waren", erinnert sich Alexandra. Nach einigen Recherchen in der Schulgemeinde stand schnell fest: Mit ihrer Namensliste aller Ex-PRS‘ler aus der Familie toppt die 16-Jährige alle: "Ich habe aber auch alle, selbst meine Großcousinen und Großtanten, befragt und dann aufgeschrieben", erzählt sie.

79 Jahre

"Wir haben es genau ausgerechnet", erzählt Alexandra Augsburg. Zählt man die Schuljahre aller Familienmitglieder an der PRS zusammen, kommen wir auf stolze 79 Jahre", sagt sie. Jetzt sind die Schultore der PRS am Hohen Weg für immer dicht, und die Köpperner Familie hat sich noch einmal für die TZ auf dem Schulgelände getroffen, um auf Spurensuche in die Vergangenheit abzutauchen.

Sentimentale Gefühle kommen bei keinem der Augsburgs auf, auch nicht bei den jüngeren Vertretern, wie Steffen Augsburg, Alexandras 19-jährigem Bruder, der 2010 sein Abi an der PRS gemacht hat, und bei seinem Cousin Yannick Jähnel, der die PRS im vergangenen Jahr mit dem Hauptschulabschluss in der Tasche verlassen hat. "Ich hätte gerne mein Abi an der neuen PRS geschrieben", sagt Steffen. "Unsere Lehrer haben uns seit 2007 immer wieder versprochen, dass wir die ersten sein werden, die an der neuen Schule ihr Abi machen können", sagt er. "Aber daraus ist ja leider nichts geworden." Auch wenn die Räume "nicht der Renner" waren: Steffen bleibt seine Schulzeit und vor allem die letzten drei Jahre in guter Erinnerung: "Es hat schon Spaß gemacht", so der 19-Jährige, der gerade eine Ausbildung zum Zimmerer macht. "Ich fand meine Schulzeit auch sehr lustig. Man hat viele Leute und viele Räume kennengelernt, weil man ja immer mal wegen Raummangels umziehen musste", sagt sein 17-jähriger Cousin Yannick.

White Boards

Ein bisschen schade findet es Alexandra, dass die alte PRS aufgeben wird. "Aber bei mir überwiegt die Freude auf die neue Schule, ich war schon ein Mal kurz dort und habe unseren Klassenraum besichtigt. Super, wie sauber und neu alles ist." Auch die Technik beeindruckt die Pennälerin, die nach den Sommerferien in die Oberstufe wechseln und an der PRS ihr Abi machen will. "Statt Tafeln stehen in den Klassen White Boards. Und Heizkörper gibt es auch keine mehr, die warme Luft kommt aus dem Boden", erzählt die 16-Jährige, die in den vergangenen Jahren im Altbau, Raum C 210, Unterricht hatte. "Die Klasse, die vor uns den Raum genutzt hatte, hatte alles gestrichen. Wir haben dann Plakate aufgehängt und einfach das Beste daraus gemacht", berichtet sie.

Peter Augsburg, Alexandras Vater, lässt die Blicke über das Gelände seiner alten Schule schweifen: Vor ihm der sogenannte Altbau mit seiner Waschbetonfassade, hinter ihm der E-Bau, an dem sich schon das R, das E und das S des Namenszugs "Philipp Reis Schule" verabschiedet haben, und dahinter der sogenannte D-Bau, das Gebäude, in dem die Klassen 5 und 6 untergebracht waren. "Und auch die Fachräume für Physik, Bio und Chemie", weiß Augsburg noch, der von 1974 bis 1980 an der PRS war. "Gegen Ende meiner Zeit wurde der D-Bau eingeweiht. Das war für damalige Verhältnisse natürlich ein supermoderner Bau. Und für uns Schüler war es etwas Besonderes, dass wir zum Bio- oder Physikunterricht auf einmal diese tollen Fachräume hatten", blickt der 47-Jährige zurück.

Klavier auf dem Schulhof

Wenn er an die Einweihungsfeier des D-Baus zurückdenkt, hat er ein bestimmtes Bild vor Augen: "Zum Abschluss der Feier hatte unser Musiklehrer Heinz Brehm, den alle nur Beppo nannten, das Klavier auf den neuen Schulhof geschoben. Unvergesslich, wie er da saß, sein Glas Bier auf dem Klavier abgestellt hat und mitten auf dem Schulhof musizierte." Noch gut erinnert er sich auch an den Schrecken, den er bekommen hat, als er nach langer Zeit durch seine Kinder wieder einen Bezug zur PRS hatte, und die Innenhöfe des Altbaus gesehen hat. "Die waren ja ganz zugewuchert. Ich weiß noch, wie wir damals bei einem Schulfest in einem der Innenhöfe eine Rock‘n‘Roll-Aufführung hatten", erzählt er.

Die Älteste im Bunde der PRS-Familie war zwar nie am Standort der Schule am Hohen Weg, hat dafür aber einige der letzten Jahre der späteren PRS in der Hugenottenstraße erlebt. "Bevor die Schule hier an den Hohen Weg gezogen ist, war sie dort, wo heute die Montessori-Schule steht", berichtet Johanna Schmidt. Die 64-Jährige ist die Großtante von Peter Augsburgs Frau. "1964 habe ich an der Schule den Realschulabschluss gemacht", sagt sie. Noch heute hat sie Kontakt zu Mitschülern und ihrer damaligen Englischlehrerin Wiltrud Peter. "Sie hatte bei uns ihre erste Stelle und hat dann ihr ganzes Berufsleben an der PRS verbracht", sagt Johanna Schmidt.

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