Ein Herz fürs Kurbad

„Ja“ zur Sanierung: Gros der Kurstadt-Parlamentarier fühlt sich dem Bad verpflichtet – ALK contra Geld-Fresser

Die Entscheidung ist gefallen – das Kurbad soll für 7,6 Millionen Euro grundsaniert werden. Dafür fand sich am Donnerstagabend im Königsteiner Stadtparlament eine breite Mehrheit. Einzig die ALK stimmte geschlossen dagegen, unterstützt in ihrem Nein durch den SPD-Stadtverordneten Stefan Kilb.

Von Stefan Jung

Königstein. Große Emotionen, lange Redebeiträge, Vorwürfe, Erwiderungen und Gegenoffensiven, allesamt mit Verve vorgetragen – die Debatte um die geplante Grundsanierung des Königsteiner Kurbades hatte alles, was man sich erwartet, wenn Stadtverordnete um ein 7,6 Millionen Euro teures Projekt ringen, das sich Königstein nicht leisten darf, so die Meinung der ALK, aber sich doch leisten muss. Davon ist zumindest das Gros der anderen Fraktionen überzeugt. Und davon ließen sich die Stadtverordneten von CDU, SPD, FDP und Grünen auch durch die von der ALK geforderte namentliche Abstimmung nicht abschrecken. Während sich Peter Völker-Holland von den Grünen enthielt, war Stefan Kilb von der SPD der einzige außerhalb der ALK-Fraktion, der gegen die Sanierung stimmte. Kilb hatte dies aber bereits vor dem Votum angekündigt und mit der Königsteiner Finanzmisere und dem Fehlen extern geprüfter Zahlen für die Sanierung begründet.

"Das Kurbad gehört zu Königstein und wir stellen uns der Herausforderung, es in die Zukunft zu begleiten", brachte CDU-Fraktionschef Alexander Hees die Position der Christdemokraten auf den Punkt. Zwar sei sich auch die Union bewusst, dass die finanzielle Situation "ernst sei", aussichtslos sei sie jedoch nicht. Und auf keinen Fall dürfe sie der Grund dafür sein, dass die Stadt eine Einrichtung fallen lasse, die in den 35 Jahren ihres Bestehens von rund 6 Millionen Badegästen besucht wurde und nach wie vor mit 160 000 Besuchern pro Jahr ihr Publikum habe. "Das ist ordentlich, meine Damen und Herren", betonte Hees.

Bad mit Potenzial

Die Tatsache, dass zudem rund 80 Prozent der Besucher von außerhalb kämen, sei ein "Potenzial" gerade auch für den innerstädtischen Einzelhandel, das man sicherlich besser ausschöpfen könne. Auf das man aber auf keinen Fall verzichten dürfe.

Bei der ALK verfing diese Argumentation nicht. Für die brachte Fraktionschefin Dr. Hedwig Schlachter noch einmal zum Ausdruck, dass ihre Fraktion nichts gegen das Bad habe, es ihrerseits lieber erhalten würde. Allein, Königstein könne es sich nicht leisten – und hätte es sich eigentlich auch nie leisten dürfen, das unterstrich zumindest Berthold Malter.

"Das Kurbad frisst alle finanziellen Ressourcen", kritisierte der ALK-Mann. Malter rechnete dabei nicht nur hoch, dass das Bad die Königsteiner in Zukunft über Zuschüsse und Zinsen bis zu 32 Millionen Euro kosten könnte, sondern kalkulierte überdies, dass das Bad in den vergangenen 35 Jahren bereits fast 30 Millionen an Zuschüssen gekostet habe. Addiere man dazu erforderliche Kosten für Zins und Zinseszins komme man sogar auf über 60 Millionen Euro, die man, so Malter, hätte sparen können, wenn das Bad nie gebaut worden wäre.

Auf dieses "Hätte-Wenn-und-Aber" und die damit verbundenen Berechnungen Malters wollten sich die anderen Fraktionen jedoch gar nicht erst einlassen. "Sie haben alle Mittel herangezogen, um nicht verstanden zu werden, warum sie eigentlich gegen das Kurbad sind", kritisierte CDU-Politikerin Renate Herberholz den Finanz-Fachmann der ALK.

Verantwortung stellen

Vor allem die FDP, angeführt von Fraktionschef Michael-Klaus Otto, witterte hinter den Einlassungen der Aktionsgemeinschaft, dass diese sich um die Verantwortung drücken wolle, nachdem die ALK mit ihrem "Ja" zur Sanierung des HdB auf die "Nase gefallen" sei. Statt die Pleite bei diesem Projekt in aller Deutlichkeit auf die eigene Kappe zu nehmen, so Alexander Freiherr von Bethmann (FDP), versuche die ALK, die anderen Fraktionen beim Thema "Kurbad" in der Verantwortung festzunageln.

Dass Dietmar Hemmerle bereit ist, diese Verantwortung zu tragen, begründete der Sprecher der Grünen nicht nur mit der Aussicht, dass sich die Sanierung des Bades zum Teil aus dem Verkauf des Wiesengrundes refinanzieren soll, sondern auch mit emotionalen Gründen. Hemmerle: "Nüchtern betrachtet, müssten wir das Bad schließen. Wir würden dann aber auch einen Faktor der Identifikation in der Stadt verlieren."

Als emotionales Bekenntnis zum Kurbad wollte auch Thomas Villmer das "Ja" großer Teile seiner Fraktion zur Sanierung verstanden wissen. Sicherlich würde man heute ein solches Bad in Königstein nicht mehr bauen. Jetzt aber sei es da, so Villmer, und habe eine Chance für die Zukunft verdient.

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