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Exklusives Wohnen am Kurbad
„Bluestone“ will Wiesengrund und Biesten-Gelände mit Stadtvillen bebauen – Anteil der Stadt fließt in Bad-Sanierung
Die Mitglieder des Hauptausschusses haben am Donnerstag gemeinsam mit ihren Kollegen vom Baufach einen Grundstücksentwicklungsvertrag auf den Weg gebracht, der der Stadt bis zu 4 Millionen Euro in die Kasse bringen soll. Geld, das dringend benötigt wird, um die geplante Kurbadsanierung mitzufinanzieren.
Von Stefan Jung
Königstein. 86 Wohneinheiten verteilt auf voraussichtlich neun Mehrfamilienhäuser in exklusiver Bauweise – so oder sehr ähnlich stellt sich die Aachener "Bluestone Real Estate GmbH" das vor, was sie in naher Zukunft in der Kurstadt bauen will. "Stadtvillen" nennen das die Projektentwickler und einen Platz für ihr Projekt haben sie auch schon ins Auge gefasst: das Gelände, das sich gleich links neben den Kurbad-Parkplätzen befindet.
Was im Vorbeifahren von der Le Cannet-Straße kaum zu erkennen ist: Verdeckt von Bäumen und Gebüsch befinden sich hier – zwischen Kurbad und Altkönigstraße – rund 29 000 Quadratmeter Land in bester Königsteiner Lage. Der größte Teil des "Kuchens" ist in Privatbesitz und bei vielen Königsteinern als "Biesten-Gelände" hinterlegt. Mit dem "Wiesengrund" besitzt allerdings auch die Stadt hier ein Stück Land von rund 5800 Quadratmetern, das mit Blick auf die Sanierung des benachbarten Kurbads Gold wert sein könnte.
Bis zu 4 Millionen Euro, das ist die Hoffnung von Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) und den anderen Befürwortern der Kurbad-Sanierung, sollte der Verkauf des Wiesengrunds in die Stadtkasse bringen. Addiert man dazu die 1,2 Millionen Euro, die das Land zuschießt, könnten über 50 Prozent der für die Kurbadsanierung angesetzten 7,6 Millionen aus der eigenen Kasse gezahlt werden. Das würde die darüber hinaus erforderliche Kreditaufnahme erträglich erscheinen lassen.
Voraussetzung aber ist, dass das städtische Grundstück gemeinsam mit dem Biesten-Gelände vermarktet wird. Denn erst im Paket wird das Areal wirklich lukrativ für Bauträger, wie das Interesse von "Bluestone" zeigt. Der Aachener Bauträger nährt denn auch die Hoffnungen der städtischen Verantwortlichen. Schließlich hat er sein Interesse nicht nur ausdrücklich bekundet, sondern auch in Beratungen mit der Stadt bereits einen "Grundstücksentwicklungsvertrag" aufgelegt, der am Donnerstagabend in einer gemeinsamen Sitzung von Haupt- und Bauausschuss beraten wurde.
Augenfällig dabei: Die Ausschuss-Mitglieder arbeiteten sich – trotz unterschiedlicher Grundhaltungen zur Kurbad-Sanierung – konstruktiv, akribisch und über die Fraktionsgrenzen hinweg an dem vorgelegten Vertragsentwurf ab und ihre Änderungswünsche ein.
Für Bürgermeister Leonhard Helm ist die von "Bluestone" ins Auge gefasste Bebauung auf den beiden Grundstücken noch als "relativ maßvoll" anzusehen. In Anbetracht der vorhandenen Fläche sei die geplante Auslastung mit 14 000 bis 15 000 Quadratmetern verträglich. Die Bruttogeschossflächenzahl liege voraussichtlich bei 0,5 und die Grundflächenzahl "deutlich" unter 0,2. Die Mehrfamilienhäuser sollten – je nach Größe – zwischen 6 und 10 Wohneinheiten unter einem Dach vereinen, Staffelgeschosse vorweisen und auf dem Gelände wie in einem Park verteilt werden – ohne trennende Jägerzäune und Mauern. Ein ganz eigene kleine Wohnwelt quasi.
Kein Abschotten
Die aber darf sich nicht nach außen abschotten, das unterstrich Robert Rohr, dessen ALK der Kurbad-Sanierung wie auch dem Grundstücksverkauf bekanntlich kritisch gegenübersteht, mit Nachdruck. Rohr schwant eine "gated community", sprich ein von Zäunen und einem großen Tor gesichertes Wohn-Biotop für Wohlhabende, wie man es aus den USA und anderen Ländern der Welt bereits kennt.
Eine solche Lösung werde es mit der Stadt nicht geben, versuchte Rathauschef Helm, die Bedenken im Keim zu ersticken. Dem Investor sei bereits ein entsprechendes Signal gegeben worden. "Bluestone" habe zugesichert, dass – sollte das Geschäft zustande kommen – das Areal zwar als Privatgelände zu erkennen sein, aber nicht abgeschottet werde. Der öffentliche Zugang muss möglich sein.
Was die verkehrsmäßige Anbindung des Areals angeht, wird wohl kaum ein Weg an der Nutzung der städtischen Liegenschaften vorbeiführen. Dessen ist sich die FDP bewusst und dieses Überfahrtsrecht wollen die Liberalen nicht ohne eine gewisse Gegenleistung einräumen.
Der Vorschlag der FDP, als Gegenleistung vom Investor die Schaffung zusätzlicher Stellplätze einzufordern, die vor allem von den Kurbadgästen genutzt werden können, fand bei den anderen Fraktionen am Donnerstagabend breiten Rückhalt.
Parkplatz als Option
Allerdings könnte sich das Thema "Parken" auch noch in ganz andere Richtung entwickeln. Zwar aktuell kein Gegenstand des "Grundstücksentwicklungsvertrags", aber auch noch nicht vom Tisch sind Überlegungen, den Kurbadparkplatz ebenfalls an "Bluestone" zu veräußern, um dort ein weiteres Gebäude zu errichten. Für den Fall müsste der Investor eine andere Lösung zur Schaffung von rund 160 Kurbad-Parkplätzen anbieten.
Das wie noch vieles andere muss in den kommenden Verhandlungsschritten geklärt werden. Darauf verwies Bürgermeister Helm. Der "Entwicklungsvertrag", der am Donnerstagabend dem Parlament zur abschließenden Beratung vorgelegt wird, sei in erster Linie als deutliche Willensbekundung beider Verhandlungsseiten zu verstehen, das Grundstücksgeschäft gemeinsam abzuwickeln.
Die Details müssen ausgearbeitet werden, wenn es an die Ausfertigung eines Kauf- oder städtebaulichen Vertrags geht und ein Bebauungsplan in Angriff genommen wird.


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