Fazit: Sehenswert

Dem einen gefallen bunte Blumenbilder, der andere steht eher auf schöne Akte. Usingens Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) outete sich bei der jetzigen Vernissage im Rathaus und erklärte eines der Bilder zu seinem Lieblingsbild.

Von Tatjana Seibt

Usingen. Auch wenn es Kühle ausstrahlt: Bürgermeister Wernards Lieblingsbild der Ausstellung ist dieser weibliche Akt. Foto: tas Kräftige und harmonische Farben, abstrakte Szenen, stilisierte Personen und ein Hauch von Erotik haben in dieser Woche in den Gängen des Rathauses Einzug gehalten. Die Ausstellung der Neu-Anspacher Künstlerin Erika Fitterer bietet ein breites und ausgesprochen ansprechendes Spektrum zeitgenössischer Kunst.

Ihre großformatigen Werke bestechen im Wesentlichen durch die Technik, die eine ganz eigene Spannung und Dynamik enthält, die durch das Wechselspiel zwischen pastos aufgetragener Farbe in Kombination mit anderen Materialien entsteht. "Ich lade Sie ein auf eine Reise in meine Fantasie", sagte Fitterer zur Ausstellungseröffnung am Donnerstagabend.

Und dass Fantasien nicht immer greifbar, manchmal schemenhaft erkennbar, abstrakt und formvollendet sein können, davon dürfen sich die Besucher nun selbst ein Bild machen. Ihre Werke hat sie nicht betitelt, "und jeder interpretiert auch etwas eigenes hinein".

Sein Lieblingsbild hat Hausherr Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) sofort ausgemacht. "Vor zehn Jahren hätte das die Gleichstellungsbeauftragte sofort abhängen und zurückgehen lassen", sagte er schmunzelnd. Welches Bild er meint? Natürlich dreht es sich dabei um den einzigen Akt in der sonst weitgehend jugendfreien Bildersammlung.

Eine wohlgeformte junge Frau in einer Dreiviertel-Drehung zeigt sich, wie Gott sie schuf, während sie ihre Hände in den Haaren vergräbt. Was dem Betrachter verborgen bleibt und die Lust am Voyeurismus weckt, ist hingegen für eine rechts oben angeordnete Gruppe stilisierter Personen zu sehen. Kühle Farben dominieren das Bild – Türkis, Weiß, Schwarz und Grau – und sorgen für die Distanz zum Betrachter.

Gleich daneben zieht ein Frauenporträt den Betrachter ebenfalls in seinen Bann. Der Aufbau ist ähnlich, die Personen auf dem Bild bleiben im Hintergrund, die Farbwahl ist die Gleiche und unterstreicht den kühlen Blick der Frau am Betrachter vorbei.

Jahreszahlen und harmonische Formen in kontrastreichen Farben bestimmen auch die übrigen Bilder. So präsentiert sich das Bild "Red" in ausdrucksstarkem Rot und Silber, das besonders durch die hervorragend strukturierte Oberfläche das Auge wandern lässt. Fast erscheint es, als könnte der Betrachter an keiner Stelle verweilen, da immer wieder neue Ebenen den Blick auf sich ziehen.

Schlichte Eleganz

Geradezu spannungslos wirkt dazu im Vergleich ein Bild mit Blumen, die zwar für sich genommen durch die filigrane Arbeit und die feinen tentakelartigen Blätter bestechen, im Gesamtkontext zu den übrigen Werken aber weitaus weniger überzeugen. Schlichte Eleganz strahlen hingegen die aufgesetzten Blumen aus Gips aus. Mit reduzierten Farben, klaren Strukturen und feiner harmonischer Arbeit zeigt Erika Fitterer, dass sie alle Facetten der bildnerischen Kunst zu bedienen weiß.

Seit 28 Jahren ist die Neu-Anspacherin künstlerisch tätig, seit 20 Jahren führt sie ihr eigenes Atelier. Und so wunderte es nicht, dass mehr Besucher als sonst zur Eröffnung, die Kilian Rackerseder an der Gitarre mit klassischer Musik eröffnete, kamen.

Bis zum 16. März hängen die Werke der 66. Ausstellung noch in den Gängen des Rathaus. Fazit: sehenswert.

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