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Früh übt sich: Geigenspaß für junge Streicher
Die Idee des Musizierens in der Schulklasse ist in England und Amerika gang und gäbe. In Deutschland startete man erste Versuche mit Blockflöte und Blasinstrumenten. An der Grundschule am Urselbach ist man schon einen Schritt weiter.
Oberursel. ![]()
Je früher, desto besser. Isabell und Alina gehören zu den insgesamt elf Kindern der dritten Klasse der Grundschule am Urselbach, die an dem neuen Projekt "Streicherklasse" teilnehmen. Die Kooperation zwischen der Musikschule Oberursel und der Grundschule ist bisher in der Region einzigartig, da normalerweise Streicherklassen nur an Gymnasien angeboten werden. Foto: JR Da liegen sie, in großen schwarzen Kästen, und warten nur darauf, ausgepackt zu werden: acht Geigen, drei Celli und zwei Kontrabässe. Die Instrumente wurden vom Lions Club Oberursel und der Crespo Foundation, die sich für Künstler sowie Menschen mit schwierigen sozialen Startbedingungen engagiert, angeschafft. 9000 Euro sind die Instrumente wert, aber das ist den elf Kindern der dritten Klasse der Grundschule am Urselbach sicher nicht bewusst. Sie können es einfach kaum erwarten, die wunderschönen Instrumente auspacken zu dürfen.
Kontrabass geschultert
"Ich hab‘ das größte", freut sich der neunjährige Jan-Philipp, als er den Reißverschluss der Nylontasche öffnet, in dem sein Kontrabass steckt. Doch dann fällt dem Schüler ein, dass es auch Spaß machen könnte, das Instrument erst mal huckepack zu nehmen. Also wird der Tragegurt umgeschnallt, und unter Ächzen und Stöhnen marschiert der Neunjährige durch den Raum und strahlt dabei wie ein Honigkuchenpferd. Sein künftiger Kontrabass-Lehrer, Johannes Kramer, scherzt: "Oh, da kommt ein Kontrabass mit einem Jungen dran." Tatsächlich ist das Instrument größer als sein neuer Besitzer.
"Ich freu‘ mich schon riesig auf meine erste Stunde", teilt Jan-Philipp mit. Er habe sich für das Instrument entschieden, weil sein Nachbar auch Kontrabass spiele. "Das fand ich toll und außerdem kann er mir ja auch ein bisschen helfen", so der Schüler.
Holger Pusinelli, Leiter der Musikschule Oberursel, der die Idee zu dem Projekt hatte, das in der Region bisher einzigartig ist, freut sich über die Begeisterung der Kinder. "Ich bin selbst Geiger und kenne das Projekt Streicherklasse. Jedoch läuft das bisher nur an Gymnasien und nicht mit so jungen Schülern", erzählt er. Mit acht Jahren seien die Jungs und Mädchen aber gerade im richtigen Alter, um ein Streichinstrument zu erlernen", weiß er.
Vor etwa einem halben Jahr stellte er deshalb Schulleiterin Brigitte Zehnder seine Idee vor und die war sofort begeistert. "Wir haben sehr viele Kinder, die an unserer Schule im Chor singen und mit Spaß dabei sind, Musik zu machen", so die Pädagogin. So gab es recht schnell ein kleines Konzert für die Kinder der dritten Klassen, das sind insgesamt 52 Schüler, und die Jungs und Mädchen hatten dabei Gelegenheit, mit Hilfe der Lehrer der Musikschule die Streichinstrumente auch einmal selbst auszuprobieren. Danach konnten die Schüler sich entscheiden, ob sie am Projekt teilnehmen möchten.
Das Interesse ist inzwischen so groß, dass im kommenden Sommer ein zweiter Satz Instrumente angeschafft werden soll. Von Montag an erhalten die "Streicher-Kinder" einmal pro Woche eine im Stundenplan vorgesehene Einzelstunde und immer mittwochs wird dann gemeinsam im Orchester geübt. Das Projekt läuft insgesamt zwei Jahre – bis zum Ende des vierten Schuljahres. Danach müssen die Instrumente zurückgegeben werden. Die Eltern zahlen für den zusätzlichen Unterricht 39 Euro im Monat.csc


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