Fürs Jubiläum gerüstet

Scheibenweise Fernblick: Turm-Fenster sind fertig

Seit 100 Jahren gibt es bereits das Museum auf der Burg Kronberg. Eine lange Zeit, in der sich eine Vielzahl interessanter Exponate angesammelt hat. Ein stählernes Glanzstück der Schau ist ganz sicher der eiserne "Hartmut".

Kronberg. Rau ging’s zu im Mittelalter. Meinungsverschiedenheiten und Fehden wurden im Kampf ausgetragen mit Schwertern und Lanzen. Einzig die "Waffenruhe Gottes" brachte da ein wenig Frieden. Sie galt für die Zeit von Donnerstag bis Sonntag sowie für Fastenzeit, Osterzeit und Advent. Da galt das Kampfverbot. In Kronberg jedoch wurde die kampffreie Zeit durchaus ausgeweitet.

Bis zum Dreißigjährigen-Krieg fielen "lediglich" zwei Kronberger Ritter Kampfhandlungen zum Opfer. Die Burgstadt ein Hort des Friedens – was aber machte ein "arbeitsloser" Krieger damals? Das, was jeder selbstständige Unternehmer tun sollte. Er kümmerte sich darum, dass sein Arbeitsgerät in Schuss blieb, und widmete sich nicht zuletzt der Pflege seiner Rüstungen. Eine existenzielle Beschäftigung, schließlich entschied das Eisenkleid im Ernstfall über Leben und Tod.

Der Harnisch, der im Museum der Burg Kronberg ausgestellt und dem Epitaph des Ritters Hartmut nachgebildet ist, das sich in der Burgkapelle befindet, wurde als Nachbau im Jahr 2007 von einem Plattner eigens fürs Burgmuseum geschmiedet. Beinahe 45 Kilogramm schwer und aus rund 20 Teilen zusammengesetzt, ist diese Rüstung voll funktionsfähig.

Ritter Hartmut VI. hätte damit in den Kampf ziehen können. Allein das Kettenhemd, der Ringelpanzer, wurde aus vielen Tausend eisernen Ringen zusammengeschmiedet, die so eng miteinander verflochten sind, dass Schwerthiebe nicht durchdringen konnten. Zu bemitleiden war nicht nur das Pferd, das diesen schweren Ritter über die Hügel des Taunus tragen musste, sondern auch der Knappe, der beim Ankleiden behilflich sein musste. Eine eitle Angelegenheit, denn die Rüstung diente nicht nur dem Schutz des Ritters, sondern auch als Statussymbol, das den Stand und die Mittel des reitenden Kavaliers zum Ausdruck brachte.

Damit dies auch weiterhin so bleibt, darf das Eisenkleid von Besuchern zum Schutz vor Rost nur mit Handschuhen befühlt werden.

Neben dieser Nachbildung einer Rüstung aus dem 14. Jahrhundert ist auch der über 40 Meter hohe Freiturm der Burg Kronberg eine Attraktion. Die insgesamt 13 Fenster des Turmes wurden für den Saisonbeginn am 24. März restauriert. Der Maschendrahtzaun, der lange Jahre die Luken zierte, wurde durch Sicherheitsglas ersetzt. Nun haben die Besucher der Burg allzeit freie Sicht auf das Stadtgebiet Kronbergs und die Rhein-Main-Ebene und sind durch die Scheiben vor Wind und Regen geschützt.

Um die Fenster davor zu schützen, dass der Zahn der Zeit an ihnen nagt, wurde eine Firma aus Hadamar engagiert, die auf die fachgerechte Restaurierung von historischen Holzfenstern spezialisiert ist. Entsprechend besonders ist das Erscheinungsbild der Fenster geraten. "Unser Turm hat nun lebendige Augen", erklärt Herbert Bäcker, anspielend auf die Lichtreflexe, die von den neuen Scheiben des Turms ausgehen.

Abgeschlossen sind die Bauarbeiten an der Burg Kronberg mit der Fertigstellung der Fenster allerdings noch nicht. Die Aktiven des Bau-Arbeitskreises laden Interessierte ein, bei den anstehenden Projekten mitzuwirken. Informationen sind der Homepage der Stiftung Burg Kronberg zu entnehmen, die unter http://www.burgkronberg.de im Internet aufgerufen werden kann.

Übrigens: In diesem Jahr feiert der Burgverein die Eröffnung des Burgmuseums vor 100 Jahren. Der Verein sucht dafür Exponate aus der Zeit von 1912 bis zur Wiedereröffnung des Burgmuseums in 2008. Unter der Nummer (0 61 73) 77 88 können sich Kronberger melden.cp

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