Gelenkig, gesellig und mit grünem Daumen

„FdC quer Beet“ schickte das närrische Publikum auf eine Reise durch die Gartenlaube – Nicht nur der grüne OB bekam da sein Fett weg

Wissen Sie, was das "Drei-Familien-Machtmodell" ist? Wovon Rentner träumen? Warum Lufthansa-Piloten auf BMW-Fahrer eifersüchtig sind? Antworten auf diese Fragen gab‘s bei der Karnevalssitzung des FdC. Man musste nur ordentlich Sitzfleisch mitbringen...

Von Sabine Münstermann

Ober-Erlenbach. Eroberte das Publikum mit ihrer Einlage im Sauseschritt: Beate Sturm.Zugegeben, die Steilvorlagen, die das Homburger Rathaus geliefert hatte, nicht zu verwandeln, das wäre eine unverzeihliche Sünde gewesen. Insofern war es eigentlich wie auch schon vergangene Woche bei der Heiterkeit klar, dass auch die Freunde des Carneval (FdC) bei ihrer Sitzung auf die personellen Vorgänge am Rathausplatz eingehen würden. Für die Karnevalisten ein gefundenes Fressen, fürs Publikum einfach nur dies: großes Kino!

Etwa die bissige, scharfzüngige Rede von Protokollerin Marlene Zörkler. Zum "Warmwerden" nahm sie sich das Bündnis und den neuen Stadtverordnetenvorsteher Axel Dierolf vor. "Nur eins ließ dem OB keine Ruh‘, wie krieg ich nur die NHU? Den Posten des Parlamentschefs hielt man eigentlich frei für Homburgs allerstärkste Partei."

Wo sie schon mal bei Fragwürdigkeiten war, ging die Protokollerin gleich über zum "Drei-Familien-Machtmodell". Bürgermeister Karl Heinz Krug (SPD) und seine Frau, SPD-Parteichefin Elke Barth, blieben im Publikum profimäßig gelassen, auch wenn die verbale Ohrfeige ein bisschen geschmerzt haben musste: "Korwisi tut noch mal eben mit seiner First Lady bereden, was man alles so ändern kann – das nennt man dann Parteiprogramm. Korwisi ruft dann Kraft und der fragt geschwind, wie seine Daniela das denn find‘. Zum Schluss noch schnell ein Telefonat mit dem Krug und seiner Frau Barth." Ergebnis: "In Homburg zum Regieren sechs Leute reichen, die Stadtverordneten, die kann man streichen."

Natürlich konnte sich Zörkler auch den Seitenhieb auf die OB-Gattin als neue Personalchefin im Rathaus nicht verkneifen: "Nicht alles, was rechtens ist, ist auch richtig." Es bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung, dass der Saal grölte und minutenlang applaudierte.

Ein veritabler Lachmuskelstrapazierer war Andreas Vesper als frischgebackener Rentner. Unglaublich, wie spitzfindig er die Vorurteile gegen das Rentnerdasein aufs Korn nahm.

Vorurteile und Vogelhaus

Flottes Bienchen in der Gartenlaube.Wer kann sich schon vorstellen, immer bis mittags zu schlafen, Kreuzworträtsel zu machen, aus dem Jogginganzug nicht mehr rauszukommen und träge zu werden? Dabei geht das ganz schnell, wenn man keine andere Aufgabe mehr hat, als "Vogelhäuschen zu bauen". Dass man als Rentner dann vor Langeweile in sechs Monaten 28 dieser Dinger fertigt, von seiner Frau zum Yoga gekarrt wird und sich einem Trupp ausländischer Schwarzarbeiter anschließt, die sich allesamt als verkleidete Rentner entpuppen, das sorgte im Saal für lautstarkes Amüsement. Schön, wie Vesper zum Schluss die Kurve bekam: Die Rentner machten sich selbstständig. "Eine Geschäftsidee haben wir schon – Vogelhäuschen!"

Die Mega-Sitzung des FdC – natürlich wurde gnadenlos überzogen, weil auch die zu Besuch weilenden Tollitäten aus Bad Soden, aus Belgien und weiß Gott noch woher gebührend gebusserlt und mit Orden ausstaffiert wurden – stand in diesem Jahr unter dem Motto "FdC quer Beet", und das wurde wörtlich genommen. Die Sache mit der Gartenlaube und den Gärtnern war der rote Faden der Show – und ein verdammt guter noch dazu.

Gekonnt gruselig ist diese Vampirdame geschminkt.Zum Auftritt der "Auto fahrenden Gärtnerin" etwa (ganz, ganz, ganz große Klasse: Beate Sturm, die nicht nur ihre Rede selbst geschrieben, sondern sich darüber hinaus auch als Schneiderin der neuen Kostüme der großen Garde hervorgetan hat – hat die Frau eigentlich noch ein Leben abseits des Karnevals?) kam die Protagonistin in die Kleingartenanlage. Sie kam zu spät, weil sie "mal wieder keinen Parkplatz gefunden hat". Und dann ging es ans Eingemachte: Wer all diese Vorurteile von wegen Frauen könnten nicht einparken schüre, habe keinen Sinn für die Realität. Während der Gatte nämlich "die Kiste nur zwei Mal am Tag bewegt – von der Haustür zum Firmenparkplatz und wieder in die heimische Garage", karre die Gattin "1,3 Kinder in die Schule und die Kita, wieder zurück nach Hause, zum Sportplatz und so weiter", fahre zum Supermarkt und mehr und komme so im Durchschnitt auf zehn Parkvorgänge am Tag. An jedem Tag! Und das alles in einem Auto "ohne Lenkhilfe" und "ohne Light-and-Soundshow, größer als bei jeder HR-Party", und auch "ohne Knöpfchenkonsole, auf die jeder Lufthansa-Pilot neidisch wäre".

Kurzweilig, amüsant und immer treffend waren sie, die einzelnen Programmpunkte der FdC-Sitzung. Jeden zu nennen, würde den Rahmen der Berichterstattung sprengen, auch wenn jeder Einzelne es verdient hätte, gewürdigt zu werden.

Tolle Tänze

Eines muss man aber noch erwähnen: Die Tanzeinlagen insbesondere der Turniertanzgruppe "TenDance", die einen "Garten der Sinne" ertanzte, waren so professionell, anmutig und erstaunlich, dass sie mit Hobbytanz eigentlich gar nichts mehr zu tun haben. Wer sich selbst davon überzeugen will, sollte am 21. April in die Hochtaunus-Halle zum Showtanzturnier kommen. Von 17 Uhr an gibt es dort Gardetanz zu sehen, von 19 Uhr an Showtanz.

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