Herzenssache: Wenn Mädchen Pfadfinder werden

Mit Rollenspiel, Sketchen und kleinen Vorträgen erklären Mädchen, warum sie sich für die Gemeinschaft der Pfadfinderinnen entschieden haben. 51 Mitglieder zählt ihre Sippe jetzt schon.

Von Christel Wösner-Rafael

Seulberg. Zum achten Geburtstag der Sippe Rigoberta Menchú Tum gestaltete die Heliand-Pfadfinderinnenschaft Seulberg (HMP) einen Gottesdienst. Er stand unter dem Motto: "Was mache ich hier eigentlich?" Die Gruppe der "Katzenbären" (ab sieben Jahren) begann: "In unserem Leben begegnen uns immer wieder Situationen, die uns sprachlos machen, in denen wir nicht begreifen können, was das Gegenüber überhaupt will. Dann stellt man sich die Frage: Was mache ich hier eigentlich?" Die Gruppe "Katzenwölfe" (ab 14 Jahren) erklärte das "Warum".

Die Mädchen zählten zunächst vielfältige Möglichkeiten der Beschäftigung auf, zum Beispiel das Taschengeld aufzubessern, Musikunterricht zu nehmen, zum Sport zu gehen oder in einer Umweltorganisation mitzuarbeiten. Doch was macht das Pfadfinderin-Sein so anders?

"Ich kann mich ausprobieren und Grenzen ausloten, Erfahrungen in der Natur sammeln, mich mit anderen Mädchen und Frauen austauschen, Glaubensfragen diskutieren und mich mit Gott auseinandersetzen. Und natürlich auf Fahrten gehen, neue Kulturen und Landschaften kennenlernen und mich kreativ austoben mit Zeltkonstruktionen, beim Lagerfeueraufbauen – oder auch mal die Seele baumeln lassen, ganz ohne Zeitdruck."

Neue Gruppe

Die 2011 neu gegründete Gruppe "Wolfsschafe" aus Oberstedten erzählte mit einem Schattenspiel die Lebensgeschichte der Namensgeberin Rigoberta Menchú Tum. Die "Wolfshunde" (ab 10 Jahren) hatten die Fürbitten übernommen sowie die Begleitung zum Vaterunser und die "Tigerkatzen" den Segen. Die musikalische Begleitung lag in den Händen der Band "Generation Tomorrow" des Evangelischen Jugendwerks Bad Homburg mit der 15-jährigen Solosängerin Marleen Hornung.

Den Gottesdienst vorbereitet und organisiert hatten Malvina Schunk, Gründerin der HMP, und die Gruppenleiterinnen Ulrike Oberhofer (18) und Hannah Herhards (17). "Unsere Werte und die Kraft, die wir aus der HMP-Arbeit schöpfen, spielen für uns auch im Alltag eine große Rolle, wir legen unser Trachtenhemd nicht am Abend ab, sondern sind Pfadfinderinnen im Herzen", sagten sie.

Zum Schluss versammelte Malvina Schunk noch einmal alle Rigobertas vor dem Altar zum gemeinsamen Sippenlied "Unsere Sippe wächst". Wohl wahr, denn mittlerweile sind aus der einen Gründungsgruppe weitere vier entstanden sowie die fünfte Gruppe in Oberstedten, insgesamt 51 Mädchen. Malvina Schunk bedankte sich für die vielfältige Unterstützung aus der Gemeinde, doch besonders bei den Eltern für das Verständnis "wenn wir mal wieder schmutzig nach Hause kommen und die Wäsche stinkt". Am Ausgang der Kirche wurde um Spenden für ein Projekt in Guatemala gebeten, das notleidende Kinder unterstützt.

"Ich bin beeindruckt, es war eine großartige Leistung der Mädchen, dass sie den gesamten Gottesdienst gestaltet und geleitet haben", sagte Pfarrer Frank Couard.

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