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"Ich hatte mit der Polizei nichts am Hut"
Jubiläum im Norden: Beim Bremer "Tatort" ermittelt Sabine Postel zum 25. Mal und hat es dabei mit einem toten Tankstellenbesitzer zu tun.
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Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) und Inga Lürsen (Sabine Postel) müssen den Mord an einem Tankstellenbesitzer aufklären. Foto: ARDSie ist die strenge Blonde aus dem hohen Norden: "Tatort "-Kommissarin Inga Lürsen gehört nicht zu den Ermittlertypen, die flotte Sprüche reißen und nach erfolgreicher Mörderjagd an der Frittenbude entspannen. Die Kommissarin aus Bremen ist vielmehr mit dem gebührenden Ernst bei der Sache, und das nun schon zum 25. Mal: Schauspielerin Sabine Postel gab 1997 ihr Debüt als Inga Lürsen, nun zeigt das Erste den Jubiläumsfall "Tatort: Ordnung im Lot" – gemeinsam mit ihrem Assistenten Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) klärt Lürsen in dem Krimi den Mord an einem Tankstellenbesitzer. Mit Sabine Postel sprach Cornelia Wystrichowski.
Frau Postel, sagen Sie mal selbst: Könnte die von Ihnen gespielte Kommissarin Inga Lürsen nicht manchmal etwas freundlicher sein?
SABINE POSTEL: Natürlich ist sie ein bisschen norddeutsch und sperrig. Friesisch herb, sage ich dazu immer. Sie ist ein sehr gerader Typ, sie sagt, was sie denkt, und sie eckt damit auch gerne an. Aber die Zuschauer mögen diese Figur inzwischen sehr gerne, was sich auch an den Einschaltquoten zeigt.
Und wieso kann Inga ihren Kollegen Stedefreund nicht leiden?
POSTEL: Mittlerweile kann sie ihn sehr gut leiden, das waren nur die Anfangsschwierigkeiten, die wir bewusst in den Drehbüchern hatten. Stedefreund war ein Karrierist und sehr unglücklich mit Ingas oft unkonventionellen Ermittlungsmethoden. Mittlerweile hat er aber gemerkt, dass sie ein super Kumpel ist. Nur Ingas politisches Engagement, dieses Die-Welt-retten-wollen, kann er manchmal nicht ganz nachvollziehen.
Waren Sie in Ihrer Studentenzeit eigentlich auch so rebellisch wie Inga Lürsen, die in einer "Tatort"-Folge ja sogar mit ihren einstigen Kommilitonen einen Joint raucht?
POSTEL: In meiner Schauspielschulzeit habe ich mich natürlich auch berufen gefühlt, die Welt zu verändern, und war oft auf Demos. Ich habe neulich sogar meine alte Anti-Atomkraft-Plakette im Keller gefunden und wieder an einer Jacke befestigt.
Also steckt viel von Sabine Postel in der Figur Inga Lürsen?
POSTEL: Das muss auch so sein. Diese hohen Sympathiewerte, die Inga seit Jahren beim Publikum hat, schafft man nur, wenn man eine große Authentizität hat und die Leute das Gefühl haben: Da ist ein Mensch, der einer von ihnen sein könnte, mit dem sie mitleiden und mitfühlen können.
Wie sah damals eigentlich die Stellenbeschreibung von Radio Bremen aus? Darstellerin für Ex-68erin gesucht, die jetzt die Seiten gewechselt hat?
POSTEL: Ich sage Ihnen was: Es gab gar keine Stellenbeschreibung. Ich war außer Konkurrenz, denn ich hatte zuvor die sehr erfolgreiche Serie "Nicht von schlechten Eltern". Als die Redaktion von Radio Bremen dann beim "Tatort" einsteigen wollte, und das mit einer Frau, kam der Sender auf mich zu und fragte, ob ich mir das vorstellen könnte. Ulrike Folkerts ermittelte damals ja als Kommissarin Lena Odenthal allein auf weiter Flur, und die Ulrike musste kerliger sein als jeder Mann, damit sie in dieser Männerdomäne eine Chance hatte. Ich sollte das feminine Gegenstück sein, mit weiblicher Intuition und möglichst ohne Waffe.
Und dann haben Sie gleich zugesagt?
POSTEL: Ehrlich gesagt konnte ich es mir zuerst nicht vorstellen. Irgendwie hatte ich mit der Polizei nichts am Hut, ich kam ja aus der auslaufenden 68er-Bewegung, wo die Polizei das Feindbild war. Doch dann habe ich sogar Schießübungen bei der Bundeswehr gemacht.
"Tatort: Ordnung im Lot". 12. Februar, ARD, 20.15 Uhr


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