Kein Zocken an der Börse

Die Koalition aus CDU und SPD hat den Antrag gestellt, dass die Zinslast der Stadt durch die Umschuldung längerfristiger Kredite zu verringern sei. Der Antrag wurde am Donnerstagabend vom Haupt- und Finanzausschuss einstimmig angenommen, ein sicheres Signal, dass er auch in der nächsten Stadtverordnetenversammlung eine Mehrheit findet. TZ-Redakteur Boris Schöppner nahm den Antrag zum Anlass, bei Andreas Feldmann, dem Leiter des Fachbereichs Verwaltungssteuerung, nachzufragen, wie es um das kommunale Finanzmanagement in Kronberg bestellt ist.

Andreas Feldmann.Herr Feldmann, was kann man sich unter städtischem Finanzmanagement vorstellen? Sitzen da städtische Mitarbeiter am Computer und verfolgen in Echtzeit die Entwicklung von Aktienkursen, um mit wagemutigen Geschäften Geld in die Kasse zubekommen?

ANDREAS FELDMANN: Das Finanzmanagement der Stadt sieht etwas anders aus. Wir beobachten zwar die Zinsentwicklung und reden regelmäßig mit den Kreditinstituten, aber auf waghalsige Anlagen lassen wir uns nicht ein, wir sind bei diesen Geschäften eher konservativ. Zurzeit haben wir außerdem gar kein Geld, das wir anlegen können.

Die primäre Aufgabe ist, den Haushaltsplan, bestehend aus Gesamtergebnisrechnung, Gesamtfinanzrechnung und Investitionsplan für jedes Haushaltsjahr neu aufzustellen. Weitere Teile sind die Finanzbuchhaltung, wo wir zentral Steuern und Abgaben und alle Kreditoren buchen und die Anlagenbuchhaltung oder die Verantwortung für die Inventuren.

Dabei finden Sie viele Themen, die in der kameralen Finanzwirtschaft bis Ende 2008 keine Rolle gespielt haben. Die Erstellung einer Bilanz gehört auch dazu. Im Fokus des Finanzmanagements steht natürlich auch die Entwicklung der Schulden. Das heißt, Kredite werden heute gesteuert in Bezug auf Kreditart, Zinsniveau und Laufzeit. Da sitzt aber niemand den ganzen Tag vor dem Bildschirm und verfolgt die weltweite Zinsentwicklung. Dieses Geschäft nimmt nur einen geringen Teil der Zeit ein.

Seit wann arbeitet die Stadt an einer Neuausrichtung des Finanzmanagements und was waren die Gründe dafür?

FELDMANN: Angefangen haben wir Ende 2006. Die Hessische Gemeindeordnung gab damals vor, dass jede hessische Kommune bis spätestens 2009 auf ein neues System in der Finanzwirtschaft umstellen muss. Zwei Systeme standen zur Auswahl, wir haben uns für die Doppik entschieden. Es war absehbar, dass von beiden Systemen nur die Doppik dauerhaft bestehen wird. So kam es dann auch, seit dem 1. Januar 2012 ist in Hessen nur noch die Doppik gültig. Die Doppik ist allerdings nur ein Baustein der seit Anfang der 90er-Jahre stattfindenden Reform der Kommunalverwaltungen. Das geschieht überall in Deutschland.

Wie weit ist dieser Prozess schon fortgeschritten?

Wir sind in den letzten anderthalb Jahren sehr gut vorangekommen. Der Haushalt ist informativer geworden, wir haben ein Berichtswesen entwickelt, eine vorläufige Eröffnungsbilanz vorgelegt und im Hintergrund viele andere Dinge neu organisiert, die nicht auf Anhieb auffallen. Mit Carola Klüsener, der neuen Leiterin unseres Finanzmanagements, haben wir großen betriebswirtschaftlichen Sachverstand gewonnen, was die Qualität unserer Arbeit deutlich erhöht hat.

Wir haben natürlich auch Fehler gemacht, was nicht jedem gefallen hat, aber eigentlich völlig klar war. So hat sich die dezentrale Finanzbuchhaltung, die wir in 2009 und 2010 betrieben haben, als organisatorisches Manko erwiesen. Das haben wir geändert. Wir lernen mit jedem Tag Doppik dazu.

Welche Maßnahmen müssen noch umgesetzt werden?

FELDMANN: Wir beabsichtigen nach der erfolgreichen Zentralisierung der Kreditorenbuchhaltung auch die Debitorenbuchhaltung zu zentralisieren. Das Berichtswesen und die Kostenrechnung sollen weiter ausgebaut werden. Ein weiterer großer Bereich wird das Arbeiten mit Kennzahlen. Bis alles wirklich rund läuft, werden wir wahrscheinlich noch etwa zwei Jahre benötigen.

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