Leben im Saal ist die halbe Miete

ALK will günstigere Konditionen für Königsteiner im HdB – da aber spielen der Fiskus und die anderen Fraktionen nicht mit

Wenn Anfang März das Haus der Begegnung (HdB) wieder öffnet, beginnt damit auch gleich die Bewährungsprobe für den Saalbau. Wird es gelingen, das HdB mit Leben zu füllen? Für die ALK ist das auch eine Preisfrage. Sie will für Vereine und Privatleute der Kurstadt von vorn herein vergünstigte Konditionen. Ein Ansinnen, für das sie im Haupt- und Finanzausschuss jedoch keine Mehrheit fand.

Von Stefan Jung

Königstein. Egal ob über Konzerte, Messen oder Vereinsveranstaltungen – nur eines zählt: das Haus der Begegnung muss mit Leben gefüllt werden. Die Bürger der Kurstadt zahlen mit ihrem Steuergeld für die Sanierung des Hauses der Begegnung (HdB). Da ist es doch nicht mehr als recht und billig, dass man den Königsteinern bei den künftig geltenden Saalmieten entgegenkommt. Das meinen Robert Rohr und seine Kollegen von der Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein (ALK), und deshalb forderten sie jetzt in einem Antrag, den sie im Haupt- und Finanzausschuss zur Diskussion stellten, eine Reduzierung der Saalmiete für Mieter aus der Stadt.

Das klingt für viele Königsteiner sicher verlockend und mag, das stellt auch Rathauschef Leonhard Helm (CDU) nicht in Abrede, sogar eine gewisse Berechtigung in sich bergen. Dennoch, so Helm, sei dieses Entgegenkommen schon aus rein fiskalischen Gründen nicht möglich. Schon bevor man die Sanierung des Hauses in Angriff genommen habe, sei allen Beteiligten klar gewesen, dass es nach Fertigstellung – nicht zuletzt auch unter steuerlichen Gesichtspunkten – als eigenständiger Wirtschaftsbetrieb geführt werden müsse.

Sauber zu trennen

Deshalb müsse sauber zwischen den Belangen des Hauses und denen der Stadt getrennt werden. Und aus diesem Grund, das betonte der Rathauschef in der Sitzung erneut, habe man sich auch schon frühzeitig im zuständigen Aufsichtsrat darauf verständigt, Vereinen aus der Kurstadt die volle Miete abzunehmen, um ihnen im Gegenzug aus einem städtischen Topf wieder bis zu zwei Dritteln der gezahlten Summe zuzuschießen. Vorausgesetzt, so Helm, der jeweilige Verein beantrage den Zuschuss, bereichere mit seiner Veranstaltung das kulturelle oder soziale Leben in der Stadt und sich mit den Eintrittsgeldern nicht vorrangig selbst. "Das mag dem einen oder anderen wie das ,Prinzip linke Tasche, rechte Tasche‘ vorkommen – ist es aber nicht", wies der Königsteiner Rathauschef Kritik zurück.

Für Robert Rohr und die Mitglieder der ALK jedoch ist es ein mehr als undurchsichtiges System, das – so ihr Eindruck – in der Vereinswelt für Verwirrung und Verärgerung sorgt. "Was ist mit Abi-Bällen, was mit Veranstaltungen von Stiftungen?", fragte Robert Rohr in die Runde. Es bedürfe der konkreten Festlegung, wer wann welche Ansprüche anmelden dürfe, ergänzte ALK-Fraktionschefin Dr. Hedwig Schlachter ihren Kollegen.

Liste mit Beispielen

Gerne, so Helm, werde man eine Liste mit Beispielen erstellen, die den Vereinen als Orientierung dienen könne. Für jeden Einzelfall jedoch vorab ein eindeutiges Berechnungsmodell vorlegen, das könne man ob der Vielzahl an Möglichkeiten nicht. Mit dieser Beispielliste wäre auf jeden Fall Alexander Freiherr von Bethmann von der FDP schon einmal zufrieden. Weder er noch die Kollegen von CDU, SPD und Grünen sahen einen Grund, dem Antrag der ALK zuzustimmen.

Dass es gerade im ersten Jahr nach der Wiedereröffnung wichtig sein wird, Erfahrungen zu sammeln, darauf verwies HdB-Geschäftsführer und Hauptamtsleiter Gerhard Glatzel. "Wir brauchen jetzt erst mal den Startschuss, müssen uns dann anschauen, wie sich alles entwickelt, und werden, falls erforderlich, auf Sie zukommen, um Anpassungen vorzunehmen", warb Glatzel um Geduld.

Dass die Verantwortlichen des HdB gerade im ersten Jahr bei Veranstaltungen und Konzerten nicht stur an den vorgesehenen Sätzen festhalten würden, das verstehe sich von selbst, betonte auch Bürgermeister Helm. Es sei zunächst einmal erforderlich, das Haus am Markt zu platzieren. Und dafür seien Marketingaktionen mit vergünstigten Konditionen unabdingbar. Die beiden Gastspiele des Rheingau-Musik-Festivals mit Grimme-Preisträger Walter Sittler seien dafür gute Beispiele.

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