Lotsen durch den Alltag

Neue Einrichtung im Jugendhaus

Derzeit wird Steinbach zum Lotsenstandort ausgebaut. Damit sind keine Luftverkehrslenker gemeint, sondern Ehrenamtliche, die Menschen mit Migrationshintergrund helfen sollen, die Hürden des deutschen Alltags zu überwinden.

Von Klaus Späne

Steinbach. Das Telefon ist noch nicht angemeldet, der kleine Raum im Dachgeschoss selbst wird gerade tapeziert und generell auf Vordermann gebracht, ein Tisch, Stühle und eine kleine Küchenzeile sollen demnächst kommen. "Das ist noch eine Baustelle, wir sind ganz am Anfang", beschreibt Susanne Köpp den Status quo im Jugendhaus Steinbach, in dem in diesen Tagen Aufbruchstimmung herrscht. Diese betrifft jedoch nicht die Jugendarbeit, sondern eine neue Einrichtung, die in dem Gebäude installiert wird.

Es handelt sich um den "Lotsenstandort" Steinbach. Dahinter verbergen sich Mitarbeiter des Bereichs Jugendhilfe und Migration des Internationalen Bundes (IB) aus Oberursel. Diese sollen in Zukunft Migranten helfen, sprachliche Barrieren im Umgang mit Behörden, Schulen oder anderen Einrichtungen zu überwinden. Gleichzeitig sollen sie den Ratsuchenden helfen, Einblicke in die deutsche Gesellschaft zu gewinnen.

"Wenn Eltern etwa von der Schule angeschrieben und zum Gespräch gebeten werden, aber Probleme mit der Sprache haben oder generell nicht verstehen, wie Schule hierzulande funktioniert, soll ihnen der Lotse zur Seite stehen", verdeutlicht IB-Mitarbeiterin Gülsah Bayram Duymaz, Koordinatorin des Projekts und Steinbacher Bürgerin, die Funktion des Angebots.

15 Helfer für die Stadt

Die Lotsen selbst können dabei wohl oft ein Lied von den Problemen singen, handelt es sich bei ihnen doch ebenfalls um Menschen mit Migrationshintergrund, die aber ihre "Integrationskarriere" hinter sich haben. Sie sollen die Ratsuchenden an die Hand nehmen und helfen, verdeutlicht Susanne Köpp. Zugleich macht die Bereichsleiterin Jugendhilfe und Migration deutlich, dass die Lotsen keine dauerhaften Ansprechpartner sein sollen, sondern möglichst einmalige Aufgaben übernehmen.

Insgesamt acht ehrenamtliche Lotsen sind bereits für Steinbach im Einsatz, ohne dass der IB bislang aber eine feste Anlaufstation in der Stadt gehabt hätte. Bis Mitte des Jahres soll ihre Zahl auf 15 erhöht werden, und zwar mit einer Schulung, die speziell auf ihren Einsatzort zugeschnitten ist.

Der Standort im Jugendhaus soll dabei eine Anlaufstation werden, in der die Lotsen nach vorheriger Terminabsprache Gespräche mit Hilfesuchenden führen. Außerdem ist vorgesehen, Telefonsprechstunden für die verschiedenen Nationalitäten einzurichten.

"Wir versuchen, jeden Tag für zwei Stunden einen Mitarbeiter im Büro zu haben", gibt Bayram Duymaz Einblick in die Grobplanung des IB, der gerade dabei ist, ein Netz solcher Anlaufstationen in der Region einzurichten. Basis dafür ist das Landesprogramm "Modellregion Integration", das der Hochtaunuskreis unterstützt.

Nach Terminvereinbarung

Es sei aber nicht vorgesehen, im Jugendhaus eine öffentliche und jederzeit zugängliche Anlaufstelle für Menschen mit Migrationshintergrund einzurichten, betont Köpp. Dies sei nur nach Terminvereinbarung möglich.

"Das unterstützt die soziale Arbeit, die wir im Jugendhaus leisten", freut sich Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP) über die Ansiedlung des IB. Diese ist laut dem Rathauschef nun auch vom Magistrat offiziell beschlossen worden. Der IB habe bislang von Oberursel aus agiert. Die neue Station einzurichten hat sich laut Naas angeboten, da der Dachgeschossraum leer stand.

Mit dem Einzug des IB erweitert sich auch der Nutzerkreis des Jugendhauses, nachdem dort bislang die VHS und drei städtische Mitarbeiter untergebracht sind. "Wir diskutieren im Moment sowieso ein neues Jugendhauskonzept", sagt Naas. Unabhängig davon sei dies eine Chance – "das passt einfach". Die Eröffnung des Lotsenstandorts ist für den 29. Februar geplant.

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