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Mutter Natur führt die beste Regie
Tierfilmer aus dem Taunus haben auf dem Schwarzen Kontinent ihr Glück und ihre Berufung gefunden
Rolf und Vita Köster fühlen einen Virus in sich. Sie leiden allerdings nicht an ihm, sie genießen ihn. Der Erreger heißt Afrika. Der Schwarze Kontinent ist für das Ehepaar aus dem Taunus zur zweiten Heimat und zum Arbeitsplatz geworden.
Von Stefan Jung
Königstein. ![]()
Wenn die großen Herden durch die Serengeti ziehen und Löwen auf reiche Beute lauern, sind Vita und Rolf Köster hautnah dabei. Wenn Rolf und Vita Köster in diesen Tagen auf der prächtigen Sonnenterrasse des Falkenstein Grand Kempinski sitzen, über den Siesmeyer-Park hinweg auf die Frankfurter Bankentürme schauen und sich nach allen Regeln der hiesigen Luxus-Hotellerie verwöhnen lassen, dann genießen sie das verständlicherweise in vollen Zügen. Spätestens nach vier Wochen jedoch werden die beiden unruhig.
Dann hat das Ehepaar genug vom üppig-grünen Taunus und sehnt sich zurück nach der kargen und doch so reizvollen Steppe Afrikas, nach der Rückkehr auf den Schwarzen Kontinent, der für das Ehepaar aus dem Taunus seit ihrer ersten Reise 1995 dorthin so viel mehr als "nur" eine Wahlheimat ist.
"Afrika ist wie ein Virus, von dem man nicht mehr loskommt, hat man sich erst mal damit infiziert", schwärmt Köster. Woran das liegt? Um die Faszination zu begreifen, müsse man es selbst erlebt haben, das Land, die Menschen, die Tierwelt, das einmalige Licht, ergänzt seine Ehefrau Vita mit dem gleichen Glänzen in den Augen.
Seitdem ist der schwarze Kontinent nicht nur zur Herzensangelegenheit, sondern auch zum Arbeitsplatz geworden. Obwohl aus dem eigentlichen Berufsleben bereits ausgeschieden, haben der Diplom-Ingenieur und die gelernte Foto-Journalistin sich in Afrika noch einmal auf ein ganz neues Terrain vorgewagt. Das Ehepaar ist unter die Tier- und Dokumentarfilmer gegangen – mit einigem Erfolg.
Ihr erster Film von 2009 "Die größte Tierwanderung der Welt" wurde bereits mehrfach im HR-Fernsehen ausgestrahlt – zuletzt erst wieder im Juli.
Dass sie einmal Filme drehen würden, die bei einer der großen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ausgestrahlt werden – daran hätten Vita und Rolf Köster wohl selbst kaum zu glauben gewagt, als sie sich das erste Mal 2005 mit ihren Kameras in die Serengeti aufmachten.
Als Autodidakten im besten Sinne des Wortes hatten sich die beiden ihr Wissen über das Filmen, das Schneiden und alles andere zuvor bei Workshops und Kursen angeeignet. Zur Sachkenntnis kam in der jüngeren Vergangenheit dann auch noch die unabdingbare Ausrüstung. Mittlerweile verfügen die beiden ehemaligen Hobby-Filmer über professionelle Kameratechnik im HD-Format, einen eigenen Geländewagen und einen Schneideraum in ihrem zweiten Zuhause in Hermanus, Südafrika.
Mindestens genauso wichtig wie die technische Grundausstattung und der fachmännische Blick fürs richtige Motiv, das haben Rolf und Vita Köster schnell erkannt, ist beim Tier-Filmen jedoch ein Faktor, mit dem man gar nicht großzügig genug umgehen kann: die Zeit.
Insgesamt 13 Wochen – verteilt über eineinhalb Jahre – waren die beiden allein für ihren ersten Film unterwegs, manchmal drei bis vier Wochen am Stück. Geduld hat dabei oberste Priorität. "Wir halten immer Distanz zu den Tieren, warten ab und lassen sie auf uns zukommen", erklärt Rolf Köster, der nur verärgert mit dem Kopf schütteln kann, wenn er sieht, dass Jeeps voller Touristen teilweise direkt in die Herden hineingefahren werden.
Rücksichtslose Touristen
"Das ist absolut rücksichtslos, diese Form des Tourismus stört die Tiere und schadet massiv", kritisiert der Filmemacher, der mit seiner Frau bewusst die Randgebiete der Steppe ansteuert. Die Orte also, wo die wachsenden Touristenströme nicht hinkommen. "Wir brauchen dafür kein GPS. Unser Guide Msangi, der für uns schon so etwas wie ein Adoptivsohn geworden ist, weiß genau, wo er uns hinbringen muss. Er kennt das Land wie kaum ein anderer", ergänzt Vita Köster.
Etwas abseits der bekannten Routen heißt es dann warten. "Es gibt Tage, da scheint so gut wie gar nichts zu passieren, da sitzen wir im Wagen, reinigen unsere Kameras, dösen in der Mittagssonne – und dann plötzlich geht es los, dann werden wir Zeugen von unbegreiflichen Szenen", gewährt Vita Köster einen Einblick in die tägliche Arbeit. Nicht alles allerdings, was den beiden vor die Linse kommt, ist schön mitanzuschauen. Vita Köster räumt ein, dass sie schon das eine oder andere Mal Tränen in den Augen hat, wenn sie mitanschauen muss, wie unbarmherzig – aus Sicht des Menschen – das Gesetz vom "Fressen und gefressen werden" in der afrikanischen Steppe umgesetzt wird.
Da sind die Erinnerungen an den verzweifelten und letztlich vergeblichen Überlebenskampf eines jungen Gnus mit einem Krokodil ("Die jämmerlichen Schreie des Kalbes waren herzzerreißend."), die Vita Köster in den Sinn kommen oder auch die grausame Attacke eines Wildhund-Rudels gegen ein Gnu. "Das Tier suchte Schutz an unserem Auto. Wir mussten wegfahren und es seinem Schicksal überlassen", erklärt Rolf Köster, wohlwissend, dass das aus mitteleuropäischer Sicht unmenschlich erscheint.
Wer jedoch so lange in Afrika lebt und arbeitet wie die beiden Tierfilmer, der hat gelernt, dass man – so schwer es fällt – in solchen Situationen nicht eingreifen darf. Köster: "Die Natur ist, so wie sie ist, perfekt. Dort, wo der Mensch bislang versucht hat, sich einzuschalten, ist es eigentlich immer schlimmer geworden."
Kreislauf des Lebens
Genau das wollen die Eheleute, die, wenn sie denn mal wieder in Deutschland sind, zwischen ihrem Wohnsitz in Kelkheim und dem Falkenstein Grand pendeln, auch in ihren Filmen aufzeigen. "Wir wollen die Menschen berühren, Verständnis wecken, aber auch – wenn möglich – zum Umdenken bewegen", erklärt Vita Köster. Zwar schaue sie schon mal weg, wenn ihr Mann am Computer die grausameren Szenen zusammenschneide. Aber letztlich wisse sie nur zu gut, dass dies nun mal zum Kreislauf des Lebens gehöre.
Deshalb auch wollen die Eheleute ihren Film über die Gnu-Wanderung, wenn es die Zeit zulässt, noch einmal überarbeiten. Rolf Köster: "Unsere erste Version, die vom HR übernommen wurde, war doch alles in allem sehr familienkompatibel, sparte dadurch aber auch das eine oder andere wichtige Detail aus." Letztlich habe er immer noch viel ungesendetes Filmmaterial, das es mehr als wert sei, gezeigt zu werden.
Zunächst aber wollen Vita und Rolf Köster ihr aktuelles Projekt zum Abschluss bringen: einen Film über die gefährdete Kultur der Himba (siehe "INFO"). "Die Bilder sind bereits alle im Kasten. Wir sind jetzt nach Deutschland zurückgekehrt, um mit unserer Drehbuchautorin die Arbeiten so voranzubringen, dass wir den Film in zwei, drei Monaten vorstellen können." Ist das erledigt, hat das rührige Ehepaar auch schon das nächste Projekt im Auge. In ihrer südafrikanischen Wahlheimat werden sie den Fokus vom Land aufs Wasser richten, denn dafür ist die Küstenstadt Hermanus perfekt geeignet. "Dieser Ort ist ein hervorragender Ausgangspunkt für die Beobachtung von Walen und Weißen Haien. Denen wollen wir uns in naher Zukunft intensiv widmen", erklärt Rolf Köster.
Man darf mehr als gespannt sein, was die Eheleute an Geschichten und Bildern im Gepäck haben, wenn sie voraussichtlich in einigen Monaten wieder nach Königstein zurückkehren.


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